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Göttingen Imker im Landkreis setzen sich für den Naturschutz ein
Die Region Göttingen Imker im Landkreis setzen sich für den Naturschutz ein
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08:01 29.03.2019
Die Bienen starten in den Frühling – jetzt brauchen sie Unterstützung, betonen Imker. Quelle: dpa
Duderstadt/Göttingen

„Die Tendenz ist abnehmend, und dafür gibt es mehrere Faktoren“, sagt Markus Freckmann, Vorsitzender des Imkervereins Duderstadt. Er nennt unter anderem die schon im Sommer kräftezehrenden Lebensbedingungen für Bienen, verursacht durch Pflanzengifte und schwindendes Nahrungsangebot, aber auch die Varroamilbe könne ein ganzes Bienenvolk ausrotten. Gifte in der Landwirtschaft, Monokulturen, Unkrautvernichter im Privatgarten, kurze Rasenflächen oder Kiesgärten seien schlecht für Insekten, würden jedoch nach wie vor im Trend liegen. Aber das Thema Insektensterben werde auch zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert, vergleicht Freckmann. Positiv sei außerdem ein zu verzeichnender Zuwachs an Mitgliedern in den Imkervereinen.

Mit seinen Bienenvölkern hat Imker Harald Haase bisher Glück gehabt. Er war Freckmanns Vorgänger als Vorsitzender des Imkervereins Duderstadt, Bienen hält der Mingeröder seit 1988. Als Imker nimmt er die Natur um sich herum besonders aufmerksam wahr. „Immer öfter werden im Frühjahr stark wachsende Weidenarten wie Salweide noch vor der Blüte gestutzt. Dabei sind die Weidenkätzchen die Starter-Blüten für die ausschwirrenden Bienenvölker“, sagt Haase. Gartenbesitzer und Landschaftspfleger könnten den Insekten schon helfen, wenn sie mit einem Weidenrückschnitt bis nach der Blüte warten würden.

Nur Königinnen überleben

Bei den Wespen und Hornissen überwintern nur die Königinnen, verkriechen sich in Holzritzen und verändern ihren Stoffwechsel, um zu überleben. Im Frühling gründen sie allein ein neues Volk. „Bei den Bienen ist das anders, da bleibt das ganze Volk am Leben“, erklärt Haase. Er füttert seine Bienen im Winter mit einer Zuckerlösung. „Wenn ich den Deckel vom Bienenstock anhebe, sehe ich schon, dass sich meine Völker gut entwickelt haben“, sagt der Fachmann. Im Winter bleiben die Bienen zwar in ihrer Behausung, seien dort aber ständig in Bewegung, wodurch der Stock „geheizt“ werde. Je nach Wetterlage schwirren die Tiere zwischen März und April aus und nutzen die Frühblüher als erste Energiequelle. „Jeder kann schon einen kleinen Beitrag leisten, um den Insekten das Überleben zu erleichtern“, meint auch Haase und spricht sich ebenfalls gegen Schotterwüsten, Ausstechen von Wildblüten und Unkrautvernichter aus. „Wo Glyphosat gespritzt wurde, werden die Bienen orientierungslos, finden nicht mehr zurück oder sterben dann im Bienenstock“, hat der Imker beobachtet. Gut wäre die Erhaltung von Obstbäumen, die alle in der Hauptarbeitszeit der Bienen ihre volle Blüte zeigen. Außerdem plädiert Haase dafür, Kinder möglichst früh an das Thema Natur- und Insektenschutz heranzuführen. Er selbst reist auch zu Vorträgen in die Kindergärten und Grundschulen, wobei er unter anderem seine männlichen Bienen, die Drohnen mitbringt. Die nämlich stechen nicht.

 Mehr Maßnahmen gefordert

Hans-Hugo Bernhard, Vorsitzender vom Naturschutzbund (Nabu) Untereichsfeld verweist auf kleine Hilfestellungen, die auch der Einzelne auf seinem Balkon und im Garten umsetzen könne, um den Bienen und anderen Insekten zu helfen: „Man kann einfach in ein Stück Hartholz wie Buche oder Eiche ein paar Löcher bohren und es an einer sonnigen Stelle als Insektenhotel aufhängen. Samen für eine Bienenweide lassen sich auf jeder kleinen Wiese ausstreuen“, rät der Fachmann. Vor allem sei nun auch die Regierung gefragt, um Glyphosat und Co. zu verbieten und sich vermehrt für den Umweltschutz einzusetzen.

Tipps für Bienenfreunde

Wer einen Beitrag zum Bienen- und Naturschutz leisten möchte, hat einige Möglichkeiten, sich zu informieren. Das Landwirtschaftsministerium der Bundesregierung bietet eine „Bienen-App“ an. Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gibt Tipps für Hobbygärtner oder zu Bienenpatenschaften auf seiner Homepage. Der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen hat eine Info-Broschüre zum Artenschutz-Projekt „Blühende Wegränder und Feldsäume im Göttinger Land“ für Landwirte herausgegeben und appelliert damit für ein verändertes Mähverhalten an den Rändern der Wirtschaftswege. Wenn seltener gemäht würde und dann möglichst spät im Jahr, außerdem in einer möglichst hohen Schnitthöhe bei langsamer Fahrt, würde schon viel Lebensraum für Insekten und Kleinstlebewesen erhalten bleiben. Durch zu häufiges Mähen und die Anreicherung von Nährstoffen könnten sich bestenfalls noch Gräser und Brennesseln erhalten. Damit Insekten überwintern und Samen fressende Vögel Nahrung finden könnten, sollten Blühstreifen am Wegrand auch mal ein Jahr hindurch stehenbleiben, raten die Herausgeber. ny

Von Claudia Nachtwey

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