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Göttingen Bilder aus Hungerregion lösen Engagement für Kinder aus
Die Region Göttingen Bilder aus Hungerregion lösen Engagement für Kinder aus
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19:05 16.09.2009
„Ich sah, wie ein afrikanisches Kind die letzten Reiskörnchen aus einer Tonne kratzte“: Ulrike Labusch setzt sich für Kinder ein.
„Ich sah, wie ein afrikanisches Kind die letzten Reiskörnchen aus einer Tonne kratzte“: Ulrike Labusch setzt sich für Kinder ein. Quelle: CH
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Tageblatt: Eigentlich wäre die Jubiläumsfeier schon im vergangenen Jahr dran gewesen. Aber damals steckte Unicef in Deutschland in einer schweren Krise. Es gab Verschwendungsvorwürfe.
Labusch: Uns war nicht sehr feierlich zumute. Wir als Ehrenamtliche an der Basis waren selbst betroffen und enttäuscht von der Geschäftsleitung und dem hauptamtlichen Vorstand. Schlimm ist, dass bei vielen Menschen hängengeblieben ist, dass Geld veruntreut worden sei. Das ist aber nicht der Fall. Der ehemalige Geschäftsführer hat Gelder verteilt, ohne diese ordentlich auszuweisen. Im Zuge der Krise sind der Geschäftsführer und der gesamte Vorstand ausgetauscht worden. Vor allem sind Geschäftsführung und Vorstand nun klar voneinander getrennt worden.
Ist die Krise denn jetzt ausgestanden?
Das Spendenaufkommen ist erst einmal eingebrochen und hat sich auch noch nicht wieder erholt. Viele Spender sind zu anderen Organisationen gewechselt. Wir müssen sehen, dass wir wieder neue Spender gewinnen. Aber das Schlimmste ist überstanden. Der Anteil der Menschen, die wieder Vertrauen in Unicef haben, ist mit 75 Prozent deutlich angestiegen.

Sind in Göttingen während der Krise ehrenamtliche Mitarbeiter abgesprungen?
Nein. Wir sind hier eine eingeschworene Gemeinschaft von 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Viele sind schon 20 Jahre oder länger dabei. Wir als Ehrenamtliche haben während der Krise auch viele unterstützende Worte gehört. Uns ist in der Situation viel Respekt für unsere Arbeit entgegengebracht worden.

Wie ist denn die Göttinger Unicef-Arbeitsgruppe entstanden?
Gertrud Seeber und Ida Hacke­meyer haben 1958 mit dem Verkauf von Unicef-Grußkarten begonnen. Das war der Anfang der Göttinger Arbeitsgruppe.

Wie sind sie selbst zur Arbeitsgruppe gekommen?
1968 liefen Bilder im Fernsehen, die die hungernde Bevölkerung in der Bürgerkriegsregion Biafra zeigten. Ich sah, wie ein afrikanisches Kind die letzten Reiskörnchen aus einer Tonne kratzte. Auf der Tonne stand „Unicef“. Am nächsten Tag ging ich zur Leiterin der Göttinger Arbeitsgruppe, Käte Schaller, und bot meine Mitarbeit an. Seit 15 Jahren leite ich nun die Göttinger Arbeitsgruppe gemeinsam mit Karin Vetter.

Haben Sie selbst Kinder?
Ich habe vier Kinder und fünf Enkelkinder. Ich habe meine eigenen Kinder noch betreut, als ich bei der Arbeitsgruppe eingestiegen bin. Zu wissen, dass es den eigenen Kindern vergleichsweise gut geht, war für mich eine Motivation, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Welche Aufgaben übernimmt die Göttinger Arbeitsgruppe?
In der Vorweihnachtszeit haben wir eine Extra-Gruppe von Ehrenamtlichen, die bei Apollo im Haus Karstadt Karten verkauft. In der Stammgruppe ist die Arbeit in verschiedene Bereiche aufgeteilt, in Karten- , Materialbestellung und Firmenbetreuung etwa. Aus einem früher kleinen administrativen Rahmen ist mittlerweile eine umfangreiche Geschäftsabwicklung geworden. Eine große Firma aus Göttingen etwa hat allein im vergangenen Jahr Karten für knapp 23 000 Euro bestellt. Unsere Geschäftsräume in der Langen Geismarstraße 78 sind dennoch bescheiden, haben aber den Vorteil, keinen großen Mietaufwand zu fordern, denn die Kosten müssen wir selbst aufbringen.

Welche Unicef-Aktionen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Es gab verschiedene wichtige Kampagnen, etwa gegen Kinderhandel oder zum Schutz vor Aids. In diesem Jahr sind 20 Jahre Kinderrechte ein wichtiges Thema. Bei der zentralen Spendenaktion in diesem Jahr geht es darum, Schulen für Afrika zu bauen. Generell ist das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ Grundlage der Unicef-Arbeit.

Die Göttinger Unicef-Arbeitsgruppe, Lange Geismarstraße 78, ist unter der Telefonnummer 0551/58830 zu erreichen.