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Göttingen Bioenergie-Bauern teilen Silage mit Viehhaltern
Die Region Göttingen Bioenergie-Bauern teilen Silage mit Viehhaltern
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15:50 21.08.2018
Im trockenen Sommer 2018 konnte sich der Mais nicht richtig entwickeln. Das Viehfutter wird knapp. Quelle: Christina Hinzmann
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Dransfeld/Gieboldehausen

Fünf Wochen früher als in anderen Jahren beginnt die Familie Harriehausen in diesem Jahr mit der Maisernte: “Am Donnerstag starten wir”, sagt Karin Harriehausen. Mais wird in Region zum einen zur Gewinnung von Bioenergie, zum anderen als Tierfutter abgebaut.

Pflanzen sind einen Meter kleiner

Der trockene Sommer in der Region hat auch den Maispflanzen zugesetzt. „An machen Standorten sind die Pflanzen bis zu einem Meter kleiner als im Vorjahr”, erklärt die Jühnder Landwirtin. Bevor die ausgedörrten Maisstängel vollends verdorren, beginnen die Bauern nun mit der Ernte. „Selbst wenn es gegen Ende der Woche regnet - das ist dann es zu spät für den Mais”, sagt Harriehausen. Bei einem Wetterumschwung könne der Mais zudem umgeknickt und umgedrückt werden. Und: „Ein bisschen Energie sollten die Pflanzen ja noch haben, das geht aber noch”, so die Landwirtin. Für ihre Tiere gebe es genügend Futter, denn nach dem „bombastischen Jahr” 2017 haben Harriehausen noch Vorräte. Und: „Wir haben noch fünf Hektar zugekauft, der sonst in die Biogasanlage gehen würden.

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Mais für die Viehhalter

Kein Einzelfall: „Wir geben rund 100 Hektar Mais an die Viehhalter ab”, erklärt Achim Hübner vom Landvolkverband. Der Aufsichtsrat der Biogasanlage Göttingen/Rosdorf habe das kürzlich beschlossen. Damit können die Bauern Winterfutter für ihre Tiere zu einem fairen Preis einlagern.

Siliermittel für eine besseres Futter

Die Dransfelder Milchbauern-Familie Grünewald hat ebenfalls vorgesorgt: „Wir haben noch Vorräte aus dem vergangenen Jahr und bereits im Frühjahr Futter für unsere Kühe eingekauft”, erklärt Rainer Grünewald. Sein Mais wächst auf etwa 55 Hektar Fläche rund um Dransfeld. Auch dort sind die Pflanzen trocken. Und: „Die Umwandlung von Zucker zu Stärke in den Kolben ist noch nicht abgeschlossen”, erklärt der Landwirt. Das sei aber für eine gute Silage-Qualität wichtig. Nun müsse er den richtigen Zeitpunkt für die Ernte finden. Und zwar bevor die Stängel vertrocknen, aber mit einem möglichst hohen Stärkegehalt. „Wir beginnen nächste Woche mit der Ernte”, so Grünewald. Um den mangelnden Stärkegehalt auszugleichen, setzt der Milchbauer in diesem Jahr ein Siliermittel ein. Darin sind Milchsäurebakterien enthalten, wie sie auch bei der natürlichen Fermentierung des Mais entstehen. „Damit wollen wir den Verlust reduzieren”, sagt der Dransfelder. Er rechnet damit, dass auf seinen Feldern statt der durchschnittlichen 55 Tonnen in diesem Jahr 40 geerntet werden.

„Wir werden auch etwas abgeben“

In Gieboldehausen hat Markus Gerhardy am Dienstag für die Biogasanlage mit der Maisernte begonnen. „Der Ertrag liegt etwa 40 Prozent unter dem Durchschnitt“, sagt der Landwirt. Und: „So früh haben wir noch nie mit der Maisernte begonnen - das gab es noch nie und wird es so schnell nicht wieder geben“, meint er. Im vergangenen Jahr haben die Eichsfelder noch am 13. Oktober Mais gehäckselt. Aber: „Wir müssen jetzt ernten“, sagt er. Denn bevor die Pflanzen vertrocknen, müssen sie geerntet werden. Die trockenen Pflanzen, so erklärt er, lassen sich im Silo schlecht verdichten. Auch für die Biogas-Silage setzt Gerhardy in diesem Jahr erst mal Siliermittel ein. Auch im Eichsfeld, so der Bauer, laufen Gespräche mit Viehhaltern. Da die Biogassilge die gleiche Silage wie die für das Vieh ist, können die Landwirte auch später noch Futter beziehen. „Wir werden auch etwas abgeben“, sagt Gerhardy.

Von Britta Bielefeld

21.08.2018
21.08.2018