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Göttingen Zahl der Schmetterlinge nimmt ab
Die Region Göttingen Zahl der Schmetterlinge nimmt ab
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19:47 21.07.2017
Kleiner Schillerfalter gehört zu den neu aufgetauchten Arten.
Kleiner Schillerfalter gehört zu den neu aufgetauchten Arten. Quelle: r
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Göttingen

„Die Landwirtschaft wird immer intensiver betrieben“, erklärt sich Pix diese Entwicklung. Die Felder würden größer. Dadurch schrumpfe die Zahl der Feldraine. Graswege erhielten eine Asphaltdecke. Auf den Feldern wüchsen aufgrund von Pflanzenschutzmitteln fast nur noch die angebauten Kulturpflanzen. „Es gibt zum Beispiel kaum noch das Ackerstiefmütterchen, auf dem die Raupe des Kleinen Perlmutterfalters heranwächst“, berichtet Pix.

Der Perlmutterfalter, so der Naturschützer, sei einst im Spätsommer der typische Schmetterling auf abgeernteten Feldern gewesen. Seinen Namen habe er von den hellen Flecken auf der Flügelunterseite, die wie Perlmutt glänzten. Die Flügeloberseiten trügen ein leopardenartiges Muster.

Termin

Andreas Pix bietet am Sonntag, 23. Juli, eine ganztägige Schmetterlingsexkursion an. Die Teilnehmer treffen sich um 9.30 Uhr am Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum, Geiststraße 2.

Mehr Blühstreifen gefordert

„Auf den Äckern kreuchen und fleuchen noch genug Insekten“, meint dagegen Kreislandwirt Hubert Kellner. Anderenfalls würden die Bauern wohl kaum Spritzmittel einsetzen. Im übrigen seien die Äcker in Niedersachsen mit durchschnittlich vier Hektar immer noch klein im Vergleich zu Ostdeutschland, wo 100 Hektar üblich seien.

Hellmut Rahaus vom Naturschutzbund Göttingen fordert mehr Blühstreifen. Im Oberzentrum Göttingen gebe es solche artenreichen Wildblumenstreifen bereits auf städtischen Flächen und auch in Haus- und Schrebergärten. Der Wilde Docht zum Beispiel sei bei Schmetterlingen sehr beliebt. Pix dagegen klagt, dass in vielen Haus- und Nebenerwerbsgärten heute „steriler Englischer Rasen“ wachse. Diese beliebte Gartengestaltung habe selbst den einst bei Hausfrauen verhassten Kohlweißling, dessen Raupen sich über den Kohl hermachten, selten gemacht. „Wenn wir Landwirte Blühstreifen entlang der Felder anlegen sollen, müssen wir dafür auch ohne viel Bürokratie Geld bekommen“, erklärt Kreislandwird Kellner. Das sei nicht der Fall. So müssten zum Beispiel die Streifen genau eingemessen werden.

„Dass der Kleine Fuchs und das Pfauenauge noch nicht verschwunden sind, liegt an den Brennesseln“, erklärt Naturschützer Pix. Von dieser Pflanze ernährten sich die Raupen. Die des Pfauenauges benötige sonnige, feuchte Standorte, die des Kleinen Fuchs sonnige, trockne Flächen.

„Die Zahl der Schmetterlinge geht zwar insgesamt zurück, es tauchen aber - wohl aufgrund des Klimawandels - neue Arten auf“, berichtet Pix. Er nennt etwa den Großen Fuchs oder den Kleinen Schillerfalter, dessen Flügel je nach Blickwinkel prachtvoll schillerten.