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Göttingen Warnung vor Feinstaub und Ultragiften
Die Region Göttingen Warnung vor Feinstaub und Ultragiften
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11:32 25.01.2018
Die Stadtwerke Göttingen planen ein Biowärmezentrum zu errichten. Das Projekt ist nicht unumstritten. Quelle: r
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Göttingen

Bereits der Name des Kraftwerks, das die Stadtwerke Göttingen an der Ecke Hildebrandstraße / Maschmühlenweg errichten wollen, provoziert die Gegner. „Positiv besetzte Begriffe wie Bio, Wärme und Zentrum würden zu einem „Hybrid-Plastikwort“ zusammengeführt, schimpfte Sigmar Groeneveld, emeritierter Professor für Agrarwissenschaften. Ein solches „Etikett“ lasse Gegner wie „Aussätzige“ erscheinen.

„Begriffliche Mogelpackung“

Von einer „begrifflichen Mogelpackung“ sprach Rolf Bertram, emeritierter Professor für physikalische Chemie. Moderator Kay Langemeier vom Bündnis gegen „BiowärmezentrumGöttingen warf den Stadtwerken „Greenwashing“ (Grünwaschen) eines „zweifelhaften Projekts“ vor. Er griff die luxemburgische Firma Boson Energy SA an, die zusammen mit den Stadtwerken zusätzlich zu einem geplanten Holzhackschnitzelheizwerk einen Holzvergaserkessel errichten will. Das Unternehmen verdiene sein Geld mit der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Das stimme nicht, hielt Zuhörerin Claudia Weitemeyer, die Pressesprecherin der Stadtwerke, dagegen.

Klage über „Holzplantagen“

Die Stadtwerke könnten „massiv mit Chemikalien getränktes Altholz“ einsetzen, schlug Groeneveld Alarm. Die Holzhackschnitzel, korrigierte Weitemeyer, würden aus „naturbelassenen Holzresten“ produziert, die in der verarbeitenden Industrie anfielen. Die Holzvergaseranlage werde mit Frischholz aus der Forstwirtschaft und der Landschaftspflege betrieben. Das besänftigte Moderator Langemeier nicht. Wälder würden zu „Holzplantagen“, klagte er.

„Chaotischer Prozess“

Verbrennung sei ein „chaotischer Prozess“, warnte der dritte Referent, Professor Christian Jooß vom Göttinger Uni-Institut für Materialphysik. Bei der Verbrennung von Holz würden immer auch Stickoxide, Gifte (Dioxine, Phenole und Furane) sowie Feinstäube entstehen. Anwohnern drohten unter anderem Allergien und Krebs. Bei einer „optimalen Verbrennung“ bestehe „keine Gefahr“, erklärte dagegen einer der Zuhörer, der Göttinger Umweltgeologe Prof. Hans Ruppert.

Zyklon- und Elektrofilter

Die Stadtwerke würden einen Zyklon- und einen Elektrofilter einsetzen und die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten, sagte Pressesprecherin Weitemeyer. Ultrafeinstäube ließen sich durch keinen Filter zurückhalten, erklärte Jooß. Zudem würden Grenzwerte von der Politik so gesetzt, dass sich Kraftwerke wirtschaftlich betreiben ließen.

Alternativen zum Kraftwerk

Bertram verwies darauf, dass in Göttingen „an 100 Tagen im Jahr“ eine Inversionswetterlage herrsche. Die vom Kraftwerk nahe der Innenstadt produzierten Schadstoffe würden dann in einer Dunstglocke über der Stadt liegen. „Es gibt Alternativen zum geplanten Kraftwerk“, betonte Prof. Jooß. Er warb unter anderem für mehr Passivhäuser, die Dämmung von Altbauten sowie für oberflächennah gewonnene Erdwärme.

Von Michael Caspar

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