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Göttingen Bis zu 600 Vermisste im Jahr in Stadt und Landkreis Göttingen
Die Region Göttingen Bis zu 600 Vermisste im Jahr in Stadt und Landkreis Göttingen
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21:49 15.09.2014
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Göttingen/Dransfeld

Mehrfach seither erreichten angeblich neueste Nachrichten die Polizei und die Presse: Ihre Leiche wurde entdeckt, sie lag verscharrt unter einem alten Gebäude, sie wurde skelettiert in einem Bach gefunden. Nichts davon stimmt.
Die Polizei hat alles getan, um die Vermisste zu finden – ergebnislos.

Den wilden Gerüchten begegnen die Ermittler mit dem Verweis: Wer etwas gehört habe, möge sein Wissen der Polizei mitteilen. Bisher hat das niemand getan. Hame bleibt verschwunden.Ihr Fall Hame ist eine von nur zwei offenen Vermisstensachen. Nur in ganz wenigen Fällen finden sich die Gesuchten tatsächlich nicht wieder ein. Dabei gibt es pro Jahr bis zu 600 Vermisstenanzeigen in Stadt und Landkreis Göttingen. Im Jahr 2013 waren das genau 584.

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Gefahr für Leib oder Leben

Auf zwei Personengruppen entfallen die meisten Anzeigen: Jugendliche und Senioren. Bei Kindern und Jugendlichen sind es oft besorgte Eltern oder Betreuer aus Einrichtungen, die die Suche auslösen. Weil es bei Minderjährigen ausreicht, wenn diese zum einen ohne erkennbaren Grund im gewohnten Lebenskreis fehlen und andererseits deren Aufenthalt unbekannt ist, wird sofort Vermisstenanzeige aufgenommen. Bei Erwachsenen, die ja ihren Aufenthalt selbst bestimmen können, muss ein drittes Kriterium hinzu kommen: Es muss für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden können.

Das ist in der Regel bei Senioren, zumal wenn sie aus Pflegeheimen abgängig sind, gegeben.  Kinder und Jugendliche, so Polizeisprecherin Jasmin Kaatz, werden fast immer nach wenigen Stunden vorsichtiger Fahndung bei Freunden gefunden, oder sie melden sich von sich aus zurück. Bei Senioren, besonders wenn Demenz vorliegt, kann es auch einmal zu Suchaktionen der Polizei kommen. In seltenen Fällen enden diese Suchen traurig: etwa bei Senioren, die im Winter verirrt den Tod finden, oder bei Menschen, die in Suizidabsicht verschwinden.

Einstellung erst bei zweifelsfreier Ermittlung

Bei der Polizei ist – jedenfalls bei Erwachsenen – stets eine Fahndungsgruppe für die Suche zuständig. die Maßnahmen, die hier eingeleitet werden, reichen von der Suche im Rahmen der Funkstreifen, dem Aufsuchen von Kontaktpersonen und Arbeitgebern bis hin zu technischer Fahndung wie Handyortung oder gar internationaler Suche über Landes- und Bundeskriminalamt. Eine Öffentlichkeitsfahndung mit Foto und Namensnennung, wie bei Margarete Hame, muss schließlich ein Gericht anordnen.

Eingestellt werden Fälle erst, wenn die Vermissten zweifelsfrei ermittelt sind. Werden sie nicht gefunden, bleibt die Akte bei der Polizei, es sei denn, es haben sich klare Hinweise ergeben, dass die Gesuchten Opfer einer Straftat wurden. Dann entscheidet die Staatsanwaltschaft. Sie ist es auch, die am Ende eine Vermisstenakte schließen darf.

Deshalb ist auch noch die Akte Jens Basse offen. Der Göttinger verschwand vor genau einem Jahr. Er galt als depressiv, ein Suizid gilt als nicht ausgeschlossen. Dennoch wird weiter nach Jens Basse gesucht.