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Göttingen Bischof Wilmer besucht Pfarrgemeinde St. Michael in Göttingen
Die Region Göttingen Bischof Wilmer besucht Pfarrgemeinde St. Michael in Göttingen
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18:41 25.05.2019
Maxim (14 Jahre) erklärt Bischof Wilmer den Aufbau des Flohmarkts im Hof der Pfarrgemeinde St. Michael. Quelle: CB
Göttingen

Unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) vom 23. bis zum 26. Mai eine Aktion durchgeführt, bei der sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene für einen Zeitraum von 72 Stunden in einem sozialen Projekt engagieren. In der Göttinger Pfarrgemeinde St. Michael hat die Firmengruppe unter anderem die Kellerräume unter den Mittagstischräumen entrümpelt und renoviert.

Am Sonnabend waren die Jugendlichen bereits seit etwa 9 Uhr am Morgen im Einsatz. „Wir haben erst mal die Schwerarbeit gemacht“, berichten die Firmlinge Stefan und Nikolas. Allein 2,5 Tonnen Bücher haben die Jugendlichen nach eigenen Angaben verräumt und entsorgt. Nachdem sie die Kellerräume freigeräumt haben, folgte das Reinigen, Streichen und Ausbessern der Wände. Vom Einsatz der Jugendlichen beeindruckt zeigte sich Horst Richter. „Am Anfang dachte ich, 44 Jugendliche, das gibt´s doch gar nicht, die alle zu beschäftigen, das wird schwierig“, berichtet er, um mit einem Blick auf die Jugendlichen zu ergänzen: „Das klappt super, ich bin stolz, dass es so was noch gibt. Jugendliche, die auf dem Fußboden übernachten und selbst kochen, obwohl es doch Zuhause viel bequemer ist.“ Parallel zur Arbeit im Keller wurde ein Flohmarkt durchgeführt, einige der Jugendlichen versorgten die Passanten gegen eine Spende mit frisch gebackenen Waffeln und informierten über die Aktion. „Am Freitag sind 502 Euro Spenden zusammengekommen“, berichten Nikolas und Stefan. Das sei ein Hundertstel dessen, was im Jahr gebraucht wird, um den Mittagstisch zu realisieren.

Pater Rieder, Tanja Stauffert, Bischof Heiner Wilmer und Barbara Frind (von links) beim Flohmarkt in der Turmstraße Quelle: CB

Highlight: Besuch des Bischofs

Mit Spannung erwartet wurde von den Jugendlichen am Sonnabend vor allem der Besuch des Bischofs Heiner Wilmer. Wohl eher symbolisch nahm auch der Bischof einen Pinsel in die Hand und führte ein paar Striche an einer Wand aus. „Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das zuletzt gemacht habe“, erklärte er. Auf die anwesenden Jugendlichen machte der tatkräftige Amtsträger dennoch Eindruck – so recht wagte niemand zu sprechen. Eine Tatsache, die Wilmer selbst nicht verborgen blieb: „Ich komme mir vor wie bei der Predigt, einer spricht und alle gucken“, scherzte er.

Bischof Wilmer beim Streichen einer Wand. Quelle: CB

Bundesweite Aktion

Gemeinsam mit dem Bischof aus Hildesheim angereist waren die Vertreterinnen des Diözesenvorstands der Katholischen Jugend. Birte Pritzel und Kristin Steckel hatten sich im Vorfeld der Aktion um die Organisation gekümmert. „Wir haben zum Beispiel Bewerbungsgespräche mit Referenten geführt“, erklärte die 21-jährige Pritzel, die in Hannover Sozialwissenschaften studiert. Die Aktionen in den einzelnen Gemeinden seien nach zwei Kriterien sortiert worden: „get it“ und „do it“. Wer sich als Gemeinde für die Variante „get it“ entschieden hatte, dem haben die Organisatoren ein Thema mit auf den Weg gegeben. Die Verantwortlichen um die Firmengruppe in St. Michael hatten sich ihr Projekt selbst überlegt – Kategorie „do it“. Über 100 Aktionsgruppen seien in der Diözese beteilgt, so Steckel. Doch die 72-Stunden-Aktion sei bundesweit angelegt. So etwa auch im Eichsfeld. Zu diesem Zweck waren im Vorfeld mehrere Treffen auf Bundesebene durchgeführt worden, etwa in Wiesbaden und Frankfurt.

Von Jugend inspiriert

Bischof Wilmer zeigte sich beeindruckt vom Einsatz der Jugendlichen. Nach seiner Einschätzung der Fridays for Future-Bewegung und den anstehenden Europawahlen befragt, erklärte er, dass es sich auch bei der 72-Stunden-Aktion um den Einsatz junger Menschen handele, denen die Zukunft nicht egal sei. „Sie sagen damit: Wir sind hier, wir tun etwas, wir haben Gestaltungspotenzial.“ Er wünsche sich zudem, dass viele Menschen von der sonntäglichen Wahlmöglichkeit Gebrauch machten, um demokratisch zu wirken: „Ich habe während meiner Tätigkeit in Rom in drei Jahren über 40 Länder besucht“, erklärt der Bischof, „und dabei festgestellt, wie eng mein Blick ist, wie deutsch.“ Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, in vielen Ländern nicht existent. „Und wir rechnen Länder wie Ungarn mit, wenn wir von demokratischen Staaten sprechen.“

Pater Hans-Martin Rieder und Bischof Wilmer in der Kirche St. Michael Quelle: CB

Der Wahrheit verbunden

Kirche, so ergänzt der Bischof, könnte näher dran sein am jugendlichen Geist, am politischen Denken, könnte sich stärker inspirieren lassen von der Kreativität und dem Gerechtigkeitssinn der jungen Generation. Der Gerechtigkeit fühle auch er selbst sich verpflichtet, erklärt Wilmer mit Blick auf das nach seinen Worten „schwere Erbe“, dass er als Bischof in Hildesheim angetreten habe. Gegen einen seiner Amtsvorgänger, den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen, bestehen Missbrauchsvorwürfe. „Die Täter sind tot, aber die Betroffenen leben. Es ist meine Pflicht, Licht in das Dunkel zu bringen und der Wahrheit nachzukommen.“ Im Anschluss an seinen Besuch in Göttingen reiste der Bischof nach Moringen weiter. Die dortige Gruppe widmete sich der Grabpflege auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers.

Bischof Dr. Wilmer hat auch beim Projekt in Moringen mitgearbeitet: die Holzkreuze stammen von dem Teil des Friedhofs, auf dem aktuell Menschen bestattet werden, die im Maßregelvollzug sterben und keine Verwandten haben, die für eine Beerdigung sorgen. Quelle: Johannes Broermann

Von Claudia Bartels

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