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Göttingen Bischof Wilmer trifft Gläubige zum Gespräch in Göttingen
Die Region Göttingen Bischof Wilmer trifft Gläubige zum Gespräch in Göttingen
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18:00 22.02.2019
Der Bischof des Bistums Hildesheim, Heiner Wilmer, spricht mit Gästen in der St. Heinrich und Kunigunde. Quelle: Foto: Böger
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Göttingen

Zu einem Dialog-Treffen hat sich der Bischof des Bistums Hildesheim, Heiner Wilmer, am Donnerstag in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Göttingen mit Gläubigen getroffen. Der Bischof suchte Antworten auf die Frage: „Wie können wir heute das Evangelium bezeugen?“

Etwa 350 Besucher kamen in die Kirche in Grone, um mit dem neuen Bischof zu sprechen. Wilmer ist das erste Jahr im Amt. „Ich will kein Bischof sein, der am Schreibtisch sitzt, sondern möchte das Bistum und vor allem die Menschen, die hier wohnen, kennen lernen“, hatte er dem Bistum zufolge vor seiner Weihe angekündigt. Aus diesem Grund startete er seine „Dialog-Tour“, bei der er mit Gläubigen ins Gespräch kommen will.

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Vier Grundlinien für die Zukunft

„Wie können wir glaubhaft das Evangelium verkünden?“, fragte Wilmer. „Wie können wir als Kirche so den Glauben leben, dass er attraktiv ist, fasziniert und Leute anspricht?“ Von den Besuchern erhoffte sich der Bischof Antworten auf diese Fragen. Dabei kam er immer wieder auf die Attraktivität des Glaubenszeugnisses zurück. „Jesus hatte ein Auge für das Attraktive, das Göttliche in jedem, das Schöpferische, das das Wunderbare, das Attraktive des Schöpfenden widerspiegelt.“

Als mögliche Lösung zeigte Wilmer vier Grundlinien auf, zu denen die Kirche zurückkehren sollte, um wieder anziehend zu sein. Zunächst sollten sie von der Bibel ausgehen und ihren Glauben zu teilen. Zweitens will Wilmer keine Entscheidungen mehr, die von oben nach unten greifen, sondern eine partizipative Kirche gestalten. „Wir brauchen Teilhabe, die so ist, dass bei der Entscheidungsfindung schon andere getaufte Frauen und Männer beteiligt sind.“

Gerade beim Thema sexualisierte Gewalt spiele das eine Rolle. „Es kann nicht mehr sein, dass der Zirkel des Männerbündischen alles entscheidet“, sagte Wilmer. „Wir brauchen einen Aufbruch.“ Experten von außen sollten den Menschen in der Kirche auf die Finger gucken. Zudem arbeite die Kirche umfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Drittens sollte Verbindlichkeit gelten. Es dürfe nicht alle paar Jahre einen neuen Plan geben. Außerdem sollten Orte der Glaubenserfahrung geschaffen werden. „Wir nehmen die Erfahrung der Menschen als Ausgangspunkt“, schloss der Bischof.

Sexueller Missbrauch und Frauen im Diakonat

Diese Grundlinien seien nur Ideen, die er gemeinsam mit der Gemeinde weiterentwickeln wolle. Nach einer „Murmelphase“ mit ihren Sitznachbarn gaben die Gläubigen dem Bischof im Gespräch ihre Impulse mit auf den Weg. Sie beschäftigten sich besonders mit der Christenverfolgung, die Haltung ihrer Bekannten zum Glauben und der Jugend.

Um diese zurück ins Boot zu holen, sei Authentizität wichtig, betonte eine Jugendreferentin, die sich zu Wort meldete. Außerdem sollten die Ansprechpartner der Kinder und Jugendlichen in einer Gemeinde nicht so häufig wechselten, um untereinander eine Beziehung aufbauen zu können.

Ein Schwerpunkt der Wortmeldungen lag beim Thema des sexuellen Missbrauchs. „Ich würde mir wünschen, dass die Kirche das Thema aufarbeitet, aber dass auch gleichzeitig Rückgrat entsteht für die vielen anderen wichtigen Themen, die wir haben“, sagte ein Besucher.

Der Leiter der Abteilung Bildung im Bistum, Jörg-Dieter Wächter, erklärte, dass die Schule Bonifatius II weiterentwickelt werden soll. Die Vorstellung ist, eine offene Schule für alle Schüler unabhängig von Herkunft, Begabung und Konfession einzurichten, sagte er. Die Schüler sollen stark werden und die Botschaft des Evangeliums hören und verstehen.

Ein weiteres Anliegen waren den Gläubigen Frauen im Diakonat. „Ich sehe Möglichkeiten für eine angemessene Rolle der Frau in der Kirche mit einer starken Position“, betonte Wilmer. Zum ersten Mal gebe es nun mit Dagmar Stoltmann-Lukas eine Geheimsekretärin im Bistum Hildesheim. „Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt und ich bin entschlossen, diese Linie weiterzugehen“, sagte er unter Beifall.

Die Eindrücke aus dem Dialog-Treffen will Wilmer in seine Arbeit einfließen lassen. Im Februar hatte er bereits in Hannover und Braunschweig-Rhüme mit Gläubigen gesprochen. Im März macht er auf seiner „Dialog-Tour“ in Hameln und Bremen-Grohn halt.

Von Norma Jean Böger

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