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Göttingen Hilfe für die Opfer von häuslicher Gewalt
Die Region Göttingen Hilfe für die Opfer von häuslicher Gewalt
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15:00 25.04.2019
Gewalt in den eigenen vier Wänden ist kein seltenes Delikt. Quelle: dpa
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Göttingen

Häusliche Gewalt war lange Zeit ein totgeschwiegenes Phänomen. 2002 trat das Gewaltschutzgesetz in Kraft, ein Jahr später nahmen die Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) ihre Arbeit auf. Seit 2006 gibt es in Göttingen und Osterode eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei.

„Als ich vor vielen Jahren noch in Osterode im Einsatz war, kam eine Frau mit Blutergüssen im Gesicht auf die Wache und berichtete, von ihrem Mann verprügelt worden zu sein. Sie wollte ihn aber weder anzeigen noch verraten, wo er sich aufhielt. Rein rechtlich hatten wir keine andere Möglichkeit, als die Frau wieder nach Hause zu schicken. Uns waren die Hände gebunden“, erinnert Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, an die Zeit vor der Einrichtung der BISS.

Biss wird automatisch benachrichtigt

Seither hat sich allerdings einiges verändert. „Wenn heute ein Beamter zu einem entsprechenden Einsatz gerufen wird, erstellt er eine Gefahrenprognose, schreibt eine Anzeige und informiert parallel die zuständige Interventionsstelle“, schildert Andreas Stöbener. Der Leiter des 1. Fachkommissariats bezeichnet die Zusammenarbeit als Erfolgsmodell. Während sich die Polizei auf die Aufklärung des Falles konzentriert, kann parallel bereits die Betreuung der Opfer beginnen.

Die müssen nicht immer nur körperlicher Gewalt ausgesetzt sein. Auch psychische Gewalt, Isolierung oder der Entzug von finanzieller Eigenständigkeit sind typische Erscheinungsformen häuslicher Gewalt. Sexuelle Gewalt spiele ebenfalls häufig eine Rolle, werde aber noch häufiger tabuisiert und vor der Außenwelt verschwiegen, erklärt Claudia Meise von der Göttinger BISS. Immer gehe es dabei um Kontrolle und Machtausübung.

Kooperation seit 13 Jahren

Die Kooperation zwischen Polizei und BISS existiert in Osterode und Göttingen bereits seit 13 Jahren. Ein neuer Vertrag wurde jetzt nötig, weil der Zuschnitt der Polizeiinspektionen verändert wurde. Gehörte Osterode bisher zu Northeim, ist der Zuständigkeitsbereich jetzt Göttingen zugeordnet – bei der Polizei wie bei den BISS. Der am Donnerstag unterzeichnete Vertrag regelt dabei unter anderem die Weitergabe von Daten von der Polizei an die Beratungsstellen. Die sind in Göttingen an den Frauennotruf angegliedert, in Osterode an den Verein „Frauen für Frauen“.

Es sei eine Besonderheit des Delikts Häusliche Gewalt, dass unabhängig vom Wunsch des Opfers Hilfe organisiert werde, so FK-Leiter Stöbener. „Wir müssen den Täter seiner gerechten Bestrafung zuführen. Die BISS hat das Schicksal des Opfers im Blick“, ergänzt Rath. Wie das im konkreten Fall aussehen kann, schildert Meise.

16 Prozent nehmen weitere Angebote in Anspruch

Sobald die Stellen informiert wurden, schreiben sie die Betroffenen zunächst postalisch an und unterbreiten ihnen ein Hilfsangebot. Wenig später folgt ein Telefonanruf – maximal fünf Versuche unternehmen die BISS-Beraterinnen. Kommt es zum Gespräch, geben sie bereits hier erste konkrete Hilfestellungen, fragen nach der Sicherheitslage oder vermitteln an geeignete Einrichtungen. „Mit den Briefen erreichen wir alle, mit den Telefonaten etwa Zweidrittel. 16 Prozent nehmen weitere Angebote in Anspruch“, so Meise.

Das Instrumentarium der BISS ist vielfältig, wie Meises Osteröder Kollegin Susanne Dreymann beschreibt. Es reicht vom Gang zum Gericht, um beispielsweise einstweilige Verfügungen zu erwirken. Auch die Suche nach einer Unterkunft oder die Vermittlung an Mediziner und Psychologen gehört zu den Aufgaben. Außerdem arbeiten die Stellen mit Hilfseinrichtungen wie dem Weißen Ring, dem Frauennotruf oder der Opferhilfe zusammen. BISS wurden vom Gesetzgeber als akute Krisenberatung installiert. Langfristige Unterstützung leisten andere.

Und obwohl beide Seiten am Donnerstag die gute Zusammenarbeit loben, gibt es gleichzeitig Kritik an der finanziellen Ausstattung der BISS. Die habe sich durch die Neustrukturierung bei gleichbleibenden Fallzahlen leider verschlechtert, so Meise und Dreymann. Aktuell trägt die fallabhängige Unterstützung des Landes Niedersachsen in Göttingen lediglich ein Stelle, in Osterode weniger. Meise: „Wir werden kämpfen müssen, damit sich diese Situation verbessert.“

Von Markus Scharf

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