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Göttingen Bleistiftzeichen für Blitz und Donner im Tagebuch
Die Region Göttingen Bleistiftzeichen für Blitz und Donner im Tagebuch
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17:49 22.07.2011
Von Britta Bielefeld
Wetterwarte Geismar: Harald Frischtazky beobachtet für den Deutschen Wetterdienst das Göttinger Klima.
Wetterwarte Geismar: Harald Frischtazky beobachtet für den Deutschen Wetterdienst das Göttinger Klima. Quelle: Hinzmann
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Seit mehr als 160 Jahren wird auch in Göttingen das Wetter professionell beobachtet: anfangs noch mit Bleistift notiert, heute digital und nach internationalen Standards. „Laut der Klimakunde des Deutschen Reichs aus dem Jahr 1939 wurden in Göttingen bereits seit 1850 Daten gesammelt“, so Frischtatzky. Alexander von Humboldt hatte damals gefordert, dass norddeutsche Universitäten das Wetter beobachten sollen.

Ob es stürmt oder die Sonne scheint: In Göttingen ist heute der Deutsche Wetterdienst (DWD) Tag für Tag für die Wetterbeobachtung und Datensammlung zuständig. Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Wetterwarte übermitteln jede halbe Stunde einen umfangreichen Datensatz an die Zentrale in Offenbach. Temperatur, Wind oder Luftdruck werden digital erfasst. Beobachtungen von Sichtweite, Wolkenart oder die Auflösung von Kondensstreifen sind ohne das menschliche Auge auch heute kaum möglich. Aus den Daten aller Wetterstationen werden beim DWD in Offenbach die Vorhersagen erstellt.

Seit 1927 werden in Göttingen regelmäßig Klimadaten erfasst, die ältesten erhaltenden „Tagebücher“ sind von 1920. Damals gab es Messungen auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität zwischen Kreuzbergring und Nikolausberger Weg. Einige der Tagebücher des „Königlich preußischen meteorologischen Instituts“ aus den 20er-Jahren sind archiviert. Mit Bleistift haben die Wetterbeobachter ihre Daten in die Büchlein eingetragen.

Mit Füllfederhalter hat der bekannte Wissenschaftler und Sternwartenleiter Bruno Meyermann ab 1927 Daten auf dem Gelände der Sternwarte notiert. Jeden Tag. Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und sonstige Beobachtungen, die mit kleinen Symbolen in den Tagebüchern vermerkt wurden: Der offizielle Beginn der Wetteraufzeichnung in Göttingen. Noch heute werden Wetterdaten und -rekorde damit verglichen.

Die Messstation zog in den folgenden Jahren mehrfach um, in den 40er-Jahren war die Wetterwarte auf dem Flugplatz (heute Groner Industriegebiet) untergebracht, es folgten Stationen in der Bunsenstraße und an der Stegemühle. „Von 1967 bis 1993 lag die Wetterwarte des DWD am Hermann-Föge-Weg 12“, sagt Frischtatzky. Und weiter: „Nach langer Planung wurde 1993 die heutige Wetterwarte eröffnet“.

Dort arbeiten die Wetterfrösche bis heute. Immer wieder wurde modernisiert, neue Instrumente installiert. Heute erfüllt die Wetterwarte alle Anforderungen der Weltorganisation für Meteorologie.