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Göttingen Blick hinter die Kulissen des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt
Die Region Göttingen Blick hinter die Kulissen des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt
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00:18 03.11.2013
Von Katharina Klocke
Besseres Raumklima, gute Belüftung, weniger Lärm: An der Dornier 728 wird rund ums Fliegen geforscht. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Wenn die zwölf Meter lange Simulationsanlage für Treibstrahlen in Betrieb genommen wird, entsteht in der riesigen Trommel ein Vakuum mit Temperaturen bis minus 269 Grad – Voraussetzung, um unter Weltraumbedingungen Ionen-Triebwerke für Satelliten über längere Zeiträume hinweg zu testen.

Benötigt werden die elektrischen Antriebssysteme zur Ausrichtung von Satelliten im Weltraum. „Die müssen jahrelang halten“, erklärte DLR-Physiker Andreas Neumann die Notwendigkeit für Langzeittests in der Anlage.

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56 000 Quadratmeter Areal

Wie weit sich das 56 000 Quadratmeter große Areal des DLR hinzieht, ist vom beschrankten Eingangsbereich aus kaum zu erahnen. Durch das Gelände verläuft  der Leinekanal. „Wassersportler haben wie etwa bei der Leinekanal-Tour im Juli Wegerecht, dürfen aber nicht aussteigen“, sagt Sprecher Jens Wucherpfennig.

Ob es Probleme mit Spionage gebe, will eine Teilnehmerin der Führung wissen. „Das ist ein großes Thema“, antwortet Wucherpfennig und berichtet über neue Fahrzeugmodelle, die gut verpackt angeliefert wurden. Während der Tests im Windkanal seien die Forscher angewiesen worden, sich wegzudrehen. „Bestimmte Bereiche können wir während einer Führung gar nicht zeigen.“

Das gilt nicht für die Fairchild Dornier 728, die als Forschungsflugzeug in einer Halle steht. „Göttingen ist die einzige Stadt der Welt mit einem Großraumflugzeug ohne Flughafen“, scherzt Wucherpfennig. Für rund 18 000 Euro ersteigerte das Forschungszentrum die 728, nachdem der Flugzeugbauer Dornier Insolvenz angemeldet hatte.

Wer viel im Flugzeug reist, wird die DLR-Aktivitäten zu schätzen wissen: Techniker und Wissenschaftler betreiben in der 728 Forschung rund um Kabinenklima und -belüftung, Beleuchtungskonzepte und Lärmauswirkungen.

Sogwirkung im Vorbeifahren

Eine Schnellzug-Teststrecke für Zugmodelle, die sogenannte Tunnelsimulationsanlage, steht abschließend auf dem Programm der Führung. Für ihre Doktorarbeit erforscht Sabrina Rutschmann an einem zweistöckigen Zugmodell dessen Sogwirkung im Vorbeifahren. Für die Gäste des Stadtführungsfestivals „schießt“ sie ein Zugmodell ab – was durchaus wörtlich zu nehmen ist:

Ein Katapult treibt das von der DLR entwickelte Zugmodell mit 150 Stundenkilometern über die 60 Meter lange Schienenstrecke, bis er in einem Styroporbett gebremst wird. „Die Strecke ist für Geschwindigkeiten bis zu 360 Stundenkilometern ausgelegt“, sagt Rutschmann.

Mit kleinen Bällen misst sie den Sog am Gleisrand – eine von vielen Forschungen, mit denen die DLR die Sicherheit im Zugverkehr steigern will.

Göttinger Stadtführungsfestival: Blick hinter die Kulissen des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt.