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Göttingen Blindgänger auf Göttinger Egelsberg: Diese Familie hat eine Bomben-Verdachtsfläche im Garten
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Blindgänger auf Göttinger Egelsberg: Diese Familie hat eine Bomben-Verdachtsfläche im Garten

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11:08 07.10.2021
Mögliche Bomben-Blindgänger liegen nicht nur auf dem Schützenplatz (links), sondern auch auf dem Egelsberg (rechts) – im Garten einer Familie.
Mögliche Bomben-Blindgänger liegen nicht nur auf dem Schützenplatz (links), sondern auch auf dem Egelsberg (rechts) – im Garten einer Familie. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

An der Leine und am Schützenplatz sind bereits Blindgänger gefunden und unschädlich gemacht worden. Jetzt ist klar: Es gibt 80 weitere Verdachtsflächen in der Göttinger Weststadt. Nicht alle liegen dort, wo niemand wohnt. Eine der Verdachtsflächen liegt im Garten von Familie Plessow-Evans.

„Moment, wir reißen gerade eine Wand ein”, sagt Stephan Plessow am Telefon. Offenbar nimmt die Familie, die in einem Haus mit Garten auf dem Egelsberg lebt, die Nachricht eher gelassen auf. Denn: Ihr Garten ist eine sogenannte Verdachtsfläche. Das heißt, dort, wo sie noch im vergangenen Jahr mit einer Rüttelplatte auf ihrem Rasen unterwegs waren, könnte ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden schlummern.

„Ein „Verdachtspunkt“ im Garten

Am Dienstag, so sagt Plessow, sei seine Frau gerade im Garten beschäftigt gewesen, als ein Auto des Göttinger Ordnungsamtes vorfuhr. „Die Mitarbeiter haben mir einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem stand, dass es diese Verdachtsfläche gibt”, erzählt Niki Plessow-Evans. Zunächst habe sie sich dabei gar nichts weiter dabei gedacht. „Ich habe den Zettel gar nicht richtig zu Ende gelesen”, sagt sie. Ihr Mann Stephan Plessow las weiter.

Nach dem Hinweis auf die 80 Verdachtspunkte folgte folgender Absatz: „Der Stadt Göttingen liegen Erkenntnisse vor, dass sich auf dem von Ihnen genutzten Grundstück ein solcher Verdachtspunkt befindet. Eine akute Gefahr geht von diesem Verdachtspunkt nicht aus. Sie müssen nichts weiter veranlassen.” Der Punkt müsse zu einem späteren Zeitpunkt sondiert werden, eine Evakuierung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig, heißt es weiter in dem Schreiben.

Familie war schon im Januar betroffen

Ein Schock: „Die ersten 48 Stunden, nachdem wir diese Nachricht erhalten hatten, waren gruselig”, sagt Niki Plessow-Evans. „Aber das hat sich jetzt wieder gelegt”, so die Göttingerin. Die Plessow-Evans waren schon von der Evakuierungsaktion im Januar betroffen. Und das sogar doppelt. „Unser Sohn wohnt in dem Haus in der Pfalz-Grona-Breite, das durch die Sprengung der Bomben damals Schäden erlitten hatte”, erzählt seine Mutter. Das zeige deutlich: „Man darf solch einen Verdacht nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt sie. Die Plessow-Evans sind also bereits bombenerfahren.

Bombenangriff 1945: Auch der Egelsberg wurde getroffen. Quelle: Sammlung Städtisches Museum Göttingen

Dennoch: „Wir haben viele Fragen”, sagt Niki Plessow-Evans. Auch die Nachbarn auf dem Egelsberg seien ob dieser Nachricht natürlich „aufgeregt”. Fragen, wie und wann es dort nun weitergeht mit den Verdachtspunkten. Und Fragen danach, was wäre, wenn dort wirklich ein Blindgänger im Boden unter ihrem Garten liegt. „Eine kontrollierte Sprengung wäre natürlich furchtbar”, sagt sie.

Die Familie wohnt zur Miete auf dem Egelsberg, auch die Vermieterin, die etwa 200 Meter entfernt wohnt, habe das Schreiben vom Ordnungsamt erhalten. „Wir haben uns ein altes Luftbild angeschaut, die Bombe landete offenbar genau auf der Grenze zum Grundstück unserer Nachbarn”, so Stephan Plessow. Auch die Nachbarn haben Post vom Ordnungsamt bekommen.

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„Eigentlich wollten wir unseren Garten demnächst verändern, aber wir verzichten jetzt doch lieber drauf, Hecken heraus zu reißen”, so der Familienvater. Es könne ja sein, dass ein möglicher Blindgänger auf dem aufgeschütteten Egelsberg nicht so tief im Boden versunken sei, wie im Bett der Leine. Die Plessow-Evans hoffen jetzt darauf, dass ihre Verdachtsfläche möglichst schnell sondiert wird. „Es wäre schön, wenn das zügig geht”, sagt Niki Plessow-Evans. Auch die Nachbarn, mit denen sich die Familie jetzt regelmäßig über das Blindgänger-Thema austauscht, hoffen darauf.

Von Britta Bielefeld