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Göttingen Bombenalarm legt Göttinger Bahnhof lahm
Die Region Göttingen Bombenalarm legt Göttinger Bahnhof lahm
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20:55 09.01.2011
Von Matthias Heinzel
Auf dem Vorplatz: Bahnhofsmanager Krusche informiert.
Auf dem Vorplatz: Bahnhofsmanager Krusche informiert. Quelle: Heller
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Gegen 10 Uhr hatten Bahnmitarbeiter auf dem Bahnsteig zwischen den Fernverkehrsgleisen neun und zehn einen herrenlosen Aktenkoffer gefunden und die Bundespolizei alarmiert. Versuche, den Besitzer per Lautsprecherdurchsagen ausfindig zu machen, blieben ohne Erfolg. Zunächst untersuchten Mitglieder der Bundespolizei den Aktenkoffer von außen. Dann rückten aus Hannover Spezialeinheiten der Polizei und Sprengstoffspürhunde an, um den Koffer zu untersuchen.

Umgehend wurde der Bahnhof für Publikums- und Zugverkehr geschlossen. Bahn-Mitarbeiter ließen niemanden ins Gebäude. Der Nahverkehr musste komplett eingestellt werden. Der Fernverkehr wurde weiträumig umgeleitet.

Allerdings: Nur wenige Züge konnten umgeleitet werden. Die vielen Züge, die sich Göttingen bereits zu weit genähert hatten, mussten auf offener Strecke oder in kleineren Bahnhöfen stundenlang stoppen. Für diese Verbindungen kam es zu Verspätungen von mehr als drei Stunden.

Vor dem Bahnhofsgebäude stauten sich unterdessen mehrere hundert Reisewillige. Bahnhofsmanager Detlef Krusche erläuterte Sachverhalt und Maßnahmen und bat die Wartenden um Verständnis für die Komplettsperrung.

Erst nachdem die Sprengstoffexperten den Koffer untersucht hatten, konnte gegen 13.15 Uhr Entwarnung gegeben werden – kein Sprengstoff im Aktenkoffer. Sicherheitskräfte entfernten die Absicherungsbänder. Kurze Zeit später lief der erste Zug ein – ein ICE aus Richtung Norden mit Fahrtziel Zürich, der wenige Kilometer vor Göttingen auf freier Strecke stundenlang gehalten hatte.

Zurzeit ist die Suche nach dem Besitzer des herrenlosen Aktenkoffers im Gange. Im Koffer habe sich neben reiseüblichen Gegenständen eine umfangreiche Kameraausrüstung befunden, erklärte Lars Beyer, Sprecher der Bundespolizeidirektion Hannover. Sowohl Kamera als auch andere Gegenstände gäben Hinweise auf den Eigentümer. Es wird voraussichtlich wohl nicht lange dauern, bis der Besitzer sein Eigentum zurückerhält – und eine saftige Rechnung dazu.

Denn gleichgültig, ob Vorsatz oder Schusseligkeit – bei einem vergessenen Gepäckstück, das zu Polizeieinsatz und Bahnbetriebsstörungen führt, muss der Verursacher im Regelfall Schadensersatz leisten. Und zwar nicht nur für den Einsatz von Sicherheitskräften, sondern auch für den Verdienstausfall der Geschäfte im Bahnhof und die Verspätungen. Dabei wird jede Minute Verspätung jedes ICE mit knapp 300 Euro berechnet. Bei einem Vorfall wie jetzt in Göttingen, meint Bundespolizei-Sprecher Beyer, ist der Verursacher mit Sicherheit mit einer fünfstelligen Summe dabei.