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Göttingen Bombendrohung im Neuen Rathaus
Die Region Göttingen Bombendrohung im Neuen Rathaus
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14:54 26.03.2019
Im Neuen Rathaus hat es eine anonyme Bombendrohung gegeben. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Aufregung und Verkehrschaos am Neuen Rathaus in Göttingen: Nach einer Bombendrohung war das Gebäude am Dienstagmorgen vollständig geräumt worden. In der Nacht sei per Mail eine anonyme Bombendrohung eingegangen, bestätigte die Stadtverwaltung.

Der Bereich rund um den Hiroshimaplatz war weiträumig gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Kurz nach 10 Uhr gab die Polizei Entwarnung: Es sei nichts Gefährliches gefunden worden. Das Rathaus sei wieder freigegeben, bleibe aber am Dienstag noch geschlossen. Hintergründe seien der Polizei noch nicht bekannt.

Drohmail in der Nacht eingegangen

Nach Polizeiangaben war die Drohmail bereits in der Nacht um 1.30 Uhr an ein Sammelpostfach eingegangen. Erst um 8.15 Uhr morgens wurde die Mail gelesen und sofort Alarm ausgelöst. Es sei sehr schnell entschieden worden, das Rathaus zu evakuieren, sagt der Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung Dominik Kimyon. Die Bedrohung sei sehr ernst genommen worden. Innerhalb von zehn Minuten wurde das Rathaus evakuiert, viele Bedienstete mussten ihre persönlichen Gegenstände im Gebäude lassen.

Da die Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Gleitzeit arbeiten und ab 6 Uhr ins Büro kommen können, seien schon einige von ihnen dort gewesen, sagt Kimyon. Sie mussten das Rathaus verlassen und ihre Pkws in der Tiefgarage und auf dem Parkplatz zurücklassen. Die Stadtverwaltung habe Busse organisiert, damit die Angestellten nach Hause fahren konnten.

Sprengstoffspürhunde durchsuchen das Rathaus

Auch die Geschäftsführerin der Grünen-Ratsfraktion Ina Jacobi arbeitete bereits früh in ihrem Büro im ersten Stock. „Ich war vielleicht 20 Minuten da, bevor der Alarm losging“, sagt sie. In Dauerschleife sei die laute Durchsage gekommen, dass alle das Gebäude verlassen sollten. Sie sei nicht in Panik verfallen, sondern habe noch ihren Rechner heruntergefahren und ihre Sachen mitgenommen, erzählt sie. „Dann habe ich zügig das Gebäude verlassen. Niemand wusste so richtig, was los war.“

Den Alarm habe sie bereits das dritte oder vierte Mal mitbekommen, sagt sie. So habe sie in der Vergangenheit einen Schwelbrand und den Ausfall der Sicherheitstechnik miterlebt. „Man denkt eher an eine Übung“, meint sie. „Ich habe keine Bedrohung gespürt.“

Gegen 9.30 Uhr trafen zwei Sprengstoffspürhunde am Rathaus ein und machten sich umgehend an die Arbeit. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde weiträumig umgeleitet. „Wir prüfen die aktuelle Gefahrenlage“, schrieben die Beamten auf Twitter. Bereits eine gute halbe Stunde später konnten die Einsatzkräfte Entwarnung geben: Die Spürhunde hatten nichts gefunden.

Auch in anderen Städten hat es am Dienstag Bombendrohungen gegeben. 

Wegen einer anonymen Drohmail ist das Neue Rathaus in Göttingen am Dienstagmorgen geräumt worden.

Als Lauritz Kawe, Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion, zur Arbeit kam, war das Rathaus bereits evakuiert. „Ich habe nur gesehen, dass alle draußen standen“, sagt er. Alles habe einen gut organisierten Eindruck gemacht. Bald habe er gehört, dass er nach Hause gehen könne.

Es sei schon ein komisches Gefühl, wenn man zu seinem Arbeitsplatz komme und von so einer Drohung höre. „Im ersten Moment dachte ich, dass schon etwas passiert sei, weil alle da standen“, berichtet er. „Dann habe ich Herrn Kimyon getroffen und er hat mir alles erzählt.“ Auf seinem Handy habe Kawe die Eilmeldungen auch aus anderen betroffenen Städten bekommen. „Man fragt sich, was für kranke Leute es eigentlich gibt“, sagt er.

Weiträumige Absperrung ums Neue Rathaus

Bereits während der Evakuierung waren die Straßen rund um das neue Rathaus weiträumig abgesperrt worden. „Polizeiabsperrung“ stand auf dem rot-weißen Flatterband, das einmal rund um das Gebäude gespannt wurde. An den Straßen standen Polizeifahrzeuge. Die Feuerwehr war zeitweise mit einem großen Rüstwagen vor Ort.

„Wissen Sie, was hier los ist?“, erkundigten sich Passanten. Mitarbeiter der Verwaltung waren kaum noch zu sehen. Einige wünschten sich bereits einen schönen Feierabend.

In den Nebenstraßen um das Neue Rathaus kam es teils zu chaotischen Verkehrsverhältnissen. Einige Autofahrer beschwerten sich über die Sperrungen. Ein Autofahrer geriet mit einem Polizisten aneinander, weil der ihn nicht passieren ließ. Eine Radfahrerin erzählte, sie habe nur in zwei Meter Abstand an einem Polizeiauto vorbei fahren wollen und sei sofort angeblafft worden. „Man wird hier behandelt wie ein Schwerverbrecher“, sagte sie. Ansonsten war die Lage aber ruhig.

Um 10.07 Uhr gab die Polizei Entwarnung und hob die Sperrungen wieder auf. Der Verkehr in den Nebenstraßen normalisierte sich schnell.

Aufgrund der Bedrohungslage sei recht schnell entschieden worden, das Rathaus am Dienstag nicht mehr für Besucher zu öffnen, berichtet Kimyon. Die Mitarbeiter durften ihre Büros allerdings wieder betreten, um ihre Habseligkeiten und auch ihre Pkws aus der Tiefgarage zu holen.

Eine solche Bedrohung durch Mails oder Briefe käme im Rathaus in Göttingen wohl nicht häufig vor, meint Kimyon. Er ist seit etwa einem Jahr Sprecher der Stadtverwaltung. Zumindest in dieser Zeit sei ihm kein solcher Vorfall bekannt, sagt er.

In Niedersachsen waren am Vormittag keine weiteren großen Städte von ähnlichen Vorfällen betroffen. Weder in Hannover noch in Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter, Osnabrück, Oldenburg oder Hildesheim gab es nach Auskunft von Polizeisprechern vergleichbare Drohungen gegen Rathäuser. Auch Bremen war nicht betroffen.

Bundesweit waren von den Drohungen nach ersten Erkenntnissen auch Augsburg, Kaiserslautern, Chemnitz, Neunkirchen im Saarland und Rendsburg in Schleswig-Holstein betroffen. In Augsburg gab es nach einer Gewaltandrohung einen Großeinsatz der Polizei, das Rathaus wurde evakuiert, Straßenbahnlinien am Rathausplatz gestoppt.

Auch in Kaiserslautern ging eine Drohmail ein, dort waren die Polizisten ebenfalls mit Sprengstoff-Spürhunden vor Ort. Der Bereich rund um das Rathaus wurde weiträumig abgesperrt.

Auch im saarländischen Neunkirchen lief am Morgen ein Polizeieinsatz nach einer Bombendrohung. „Das Rathaus bleibt vorübergehend geschlossen“, sagte eine Sprecherin der Polizei in Saarbrücken. Auch dort ging zuvor eine Drohmail ein.

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