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Göttingen Bombenentschärfung in Göttingen: Etwa 20 Notfallseelsorger im Einsatz
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Bombenentschärfung in Göttingen: Etwa 20 Notfallseelsorger im Einsatz 

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20:30 29.01.2021
Die „Ökumenische Notfallseelsorge Göttingen“ ist am 30. Januar 2021 ebenfalls im Einsatz.
Die „Ökumenische Notfallseelsorge Göttingen“ ist am 30. Januar 2021 ebenfalls im Einsatz. Quelle: Kirchenkreis Göttingen
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Göttingen

Die „Ökumenische Notfallseelsorge Göttingen“ ist am Sonnabend während der Entschärfung von vier vermuteten Bomben rund um die katholische St.-Godehard-Kirche im Einsatz, teilte die Pressestelle des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises mit. Gut 20 Notfallseelsorger im Haupt- und Ehrenamt beider Kirchen sollen in allen Evakuierungszentren vertreten sein – dort, wo Bürger unterkommen, die kein Quartier bei Freunden oder Verwandten gefunden haben. Zudem stehen die Seelsorger im Hintergrund bereit, heißt es weiter.

„Die Mitarbeitenden des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sollen vorsichtig die Metallkörper zugänglich machen, ihre Zünder entschärfen oder eine kontrollierte Sprengung herbeiführen. Eine lebensgefährliche Aufgabe. Aus tiefstem Herzen wünsche ich ihnen und uns allen, dass sie diese Aufgabe unbeschadet leisten können und alle wieder aufatmen können“, wird Simone Mertins, Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis in Rosdorf, in der Mitteilung zitiert. Sie engagiert sich seit Jahren als Notfallseelsorgerin.

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Superintendent und Dechant erinnern an Katastrophe 2010

Dechant Wigbert Schwarze, der von der neuerlichen Bombenentschärfung sowohl als Pfarrer von St. Godehard als auch als Anwohner betroffen sei, und Superintendent Friedrich Selter erinnern an die Ereignisse der Bombenentschärfung 2010 in Göttingen: Bei dem Einsatz am 1. Juni war eine Bombe explodiert. Drei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes kamen ums Leben.

„Ich habe großen Respekt vor allen, die daran beteiligt sind, die Bomben unschädlich zu machen. Sowohl vor denen, die die Organisation übernommen haben, als auch vor denen, die die Menschen in den Evakuierungszentren betreuen und versorgen, und besonders vor denen, die sich trauen, direkt an der Bombe zu arbeiten. Diese alle werde ich in mein Gebet einschließen“, so Selter.

Seelsorger nimmt Ängste und Betroffenheit „sehr wahr“

Schwarze betonte, dass er die Ängste und die Betroffenheit, die durch die Erinnerung an 2010 ausgelöst würden, „sehr wahr“ nehme. „Ich bin beeindruckt von allen, die die Entschärfung vorbereiten, sei es bei der Feuerwehr, der Polizei, den Rettungskräften oder den weiteren beteiligten Firmen. Besonders danke ich dem Kampfmittelräumdienst unter Federführung von Sprengmeister Thorsten Lüdeke. Ich weiß von ganz vielen Menschen, die für uns beten werden, auch Bischof Dr. Heiner Wilmer und Generalvikar Martin Wilk stehen im Gebet an unserer Seite.“

Pastoralreferent Thorsten Thiel war 2010 als katholischer Dekanatsbeauftragter für die Notfallseelsorge im Einsatz und erinnere sich an Geschichten von Menschen, bei denen damals plötzlich wieder Kriegserinnerungen hochgekommen seien. „Betroffen waren sowohl Menschen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, als auch Flüchtlinge aus den Balkanstaaten“, erzählt Thiel, der mittlerweile als Landespolizeiseelsorger arbeitet und beim aktuellen Einsatz die evangelische und katholische Polizeiseelsorge koordiniert. „2010 stand ich kurz nach der Explosion auf dem Schützenplatz und habe noch die Auswirkungen vor Auge. Ich hoffe inständig, dass es dieses Jahr nicht zu so einer Katastrophe kommt“, so Thiel.

Auf den Homepages des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen und des Katholischen Dekanats Göttingen sei außerdem ein Vorschlag für ein Fürbittgebet zu finden, so die Mitteilung.

Von Stefan Kirchhoff