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Göttingen Bombenentschärfung in Göttingen: Das müssen Sie über die Evakuierung wissen
Die Region Göttingen Bombenentschärfung in Göttingen: Das müssen Sie über die Evakuierung wissen
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19:53 10.10.2019
Ordnungsamt-Mitarbeiter der Stadt informieren Anwohner mit Handzetteln über die geplante Evakuierung - hier in der Weender Landstraße. Quelle: Richter
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Göttingen

Am kommenden Sonnabend wird am Schützenanger eine mutmaßliche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft oder kontrolliert gesprengt. In einem Umkreis von einem Kilometer müssen mehr als 14000 Anwohner und Mitarbeiter von 1400 Firmen das Areal räumen. Unter Federführung der Stadt Göttingen wird derzeit unter Hochdruck an den Vorbereitungen für die Evakuierung gearbeitet. Alle Informationen, die bislang veröffentlicht wurden, hier im Überblick.

Wann, wer und wie wird evakuiert?

Am Sonnabend um 7 Uhr beginnen die Mitarbeiter von Stadt, Polizei und Feuerwehr mit der Evakuierung der betroffenen Straßenzüge und gehen von Haus zu Haus. Die Verantwortlichen planen, dass nach etwa vier Stunden das Areal menschenleer sein wird. Erst dann beginnt das Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen mit seiner Arbeit. Sollte sich der Bombenverdacht bestätigen, werden die Experten im Laufe der näheren Untersuchung entscheiden, ob diese entschärft werden kann oder gesprengt werden muss. Der Zeitplan sieht vor, dass die Anwohner gegen 18 Uhr in ihre Wohnungen zurückkehren können. Das definitive Ende der Aktion kommuniziert die Stadt auf ihrer Internetseite, über ihren kostenlosen Messenger-Dienst und die App Katwarn.

Was sollte ich mitnehmen?

Auch wenn die Evakuierung auf einen Tag beschränkt ist, sollte man im Vorfeld daran denken, einige wichtige Dinge einzupacken:

Geld und Dokumente:Bargeld und Bankkarte, Ausweis, Führerschein

Persönliches: Medikamente, angemessene Kleidung, Brille, evtl. Hygiene-Artikel wie Zahnbürste, Tampons, Deo

Verpflegung:ein bis zwei Liter Wasser pro Person, für Babys und Kleinkinder entsprechende Nahrung. In den Notunterkünften wird ebenfalls Verpflegung angeboten (siehe unten).

Sonstiges:Ladekabel und/oder Akkupack für das Mobiltelefon, Beschäftigungsmaterial wie Spiele, Bücher oder Tablet.

Woran sollte ich denken, bevor ich die Wohnung verlasse?

Vergewissern Sie sich, dass Elektro- und Gasgeräte wie Herd, Ofen, Bügeleisen ausgeschaltet und Wasserhähne geschlossen sind. Lassen Sie keine brennenden Kerzen in der Wohnung zurück. Informieren Sie ggf. Freunde und Verwandte, dass sie nicht in der Wohnung anzutreffen, und wie sie erreichbar sind.

Wie komme ich zu den Evakuierungszentren?

Die Göttinger Verkehrsbetriebe setzen ab 7 Uhr vier Sonderbusse ein, die Bewohner aus dem abgesperrten Bereich im zehn-Minuten-Takt zu einem der beiden Evakuierungszentren fahren. Sie halten an den (meisten) üblichen Haltestellen. Die Stadtverwaltung bittet Betroffene, nicht mit dem eigenen Auto zu den Zentren zu fahren.

Wohin mit Haustieren?

Für Personen aus dem gesamten Sperrbereich, die ein Haustier und keine anderweitige Unterkunftsmöglichkeit haben, wird an der Geschwister-Scholl-Schule ein großes Zelt zum Aufenthalt bereitgestellt. Aus hygienischen Gründen dürfen keinesfalls Haustiere in die Unterkunft im Universitätsklinkum mitgebracht werden.

Was passiert, wenn ich mich weigere, das Sperrgebiet zu verlassen?

Zunächst setzt die Behörde auf die Einsicht der Bevölkerung, betont Dominik Kimyon, Sprecher der Stadtverwaltung. Die Evakuierung diene der Sicherheit der Menschen im betroffenen Gebiet und damit letztlich dem Schutz des Einzelnen. Kommen Anwohner der Aufforderung nicht nach, erfolge durch die zuständige Gefahrenabwehrbehörde (Stadt Göttingen) eine Risikoabwägung zwischen der möglichen Gefahr für Leib und Leben (durch die Bombe) und der körperlichen Unversehrtheit der Betroffenen (durch Zwangsmaßnahmen), ergänzt Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen. Führt diese Abwägung zur Entscheidung, die Räumung mit Zwang durchzusetzen, liege die weitere Umsetzung in der Hand der Polizei. Sie leiste Vollzugshilfe.

Laut der am Mittwoch veröffentlichten Allgemeinverfügung der Stadt ist es am Sonnabend, 12. Oktober, rund um die Fundstelle einer vermuteten Bombe verboten, sich in der Sperrzone innerhalb und außerhalb von Gebäuden sowie auf Straßen, Wegen und Plätzen aufzuhalten oder sie zu betreten. Rechtliche Grundlage einer solchen Allgemeinverfügung „im öffentlichen Interesse“ ist Paragraph 80 Absatz 2 Ziffer 4 der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) vom 19.März 1991 (BGBl. I S. 686). Dort wird außerdem bei Nichtbeachtung des Betretungs- und Aufenthaltsverbotes die Durchsetzung mittels unmittelbaren Zwanges angedroht.

Was bieten die Evakuierungszentren?

In den provisorischen Unterkünften in der Mensa der Geschwister-Scholl-Schule, Kurt-Huber-Weg 1-5, und der Mensa der Uniklinik, Robert-Koch-Straße 40, wird es von 7 bis voraussichtlich 18 Uhr eine Vollverpflegung (Frühstück, Mittagessen, Abendbrot, Getränke) geben. Wie die UMG mitteilt, wird nach dem Frühstück zur Mittagsverpflegung ein vegetarischer Kartoffeleintopf angeboten, und für den Abend werden etwa 500 Sandwiches vorbereitet. Die Ausgabe der Verpflegung übernehmen die Betreuungszüge der Hilfsorganisationen in Stadt und Landkreis Göttingen. Im Bereich der Westhalle wird zeitweise eine Kinderbetreuung angeboten. Zudem stellt die UMG-Gastronomie im Auftrag der Polizei vor Ort am Schützenplatz etwa 400 Lunchpakete für die Polzeibeamten bereit.

Wie sind Schä­den bei Bom­ben­ent­schär­fun­gen ver­si­chert?

Die unverbindlichen Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) definieren die Detonation einer Fliegerbombe als Folge eines Kriegsereignisses, auch wenn dieses bereits 70 Jahre zurückliegt. Als solcher wäre der Schaden vom Versicherungsschutz ausgenommen. Allerdings hätten die Versicherer in der Vergangenheit solche Schäden immer reguliert, so die Mitteilung des GDV. Das gelte auch für die Explosion der Göttinger Fliegerbombe von 2010.

Für Schäden am Haus tritt die Gebäudeversicherung, für Schäden am Inventar die Hausratversicherung ein. Sollte ein Fahrzeug durch die Detonation beschädigt werden, greift in der Regel die Teilkaskoversicherung. Allerdings empfehlen die Versicherer bei einer vorhersehbaren Gefährdung, das Auto außerhalb der Evakuierungszone zu parken. Problematischer würde es bei einem Personenschaden, da sich im Falle einer Evakuierung niemand im Gefahrenbereich aufhalten dürfe. Trotzdem sollte auch hier eine private Unfallversicherung einspringen, so diese abgeschlossen wurde, schreibt der GDV auf seiner Internetseite.

Der Fundort der mutmaßlichen Bombe. Quelle: Pförtner

Auto, Bus, Bahn: Muss mit Einschränkungen gerechnet werden?

Per Auto: Alle Straßen im Umkreis von etwa einem Kilometer zur Fundstelle der Bombe werden am Sonnabend ab 7 Uhr gesperrt. Das gilt auch für die drei Hauptachsen in Nord-Süd-Richtung: die Königsallee einschließlich Godehardstraße, der Maschmühlenweg einschließlich Im Rinschenrott und Weender Landstraße. Autofahrer sollten den Bereich weiträumig umfahren.

Per Bus: Ab 7 Uhr verkehren die GöVB-Busse noch auf ihrem normalen Linienweg, dürfen aber innerhalb der abgesperrten Zone nicht halten. Wenn das Gebiet evakuiert ist (voraussichtlich gegen 11 Uhr), ist die Sperrzone nicht mehr befahrbar. Wie die GöVB am Donnerstag mitteilte, wird wegen einer parallel stattfindenden Demonstration in der Innenstadt der Linienverkehr von 11 bis 13 Uhr komplett eingestellt.

Ab diesem Zeitpunkt werden die Buslinien 11/12, 21/22, 62, 71/72 und 91/92 umgeleitet. Die Buslinien 31/32 verkehren nur auf dem Abschnitt Kauf Park – Innenstadt, die Buslinien 41/42 nur auf dem Abschnitt Grone Nord – Innenstadt. Die Linie 73 verkehrt bereits ab 7 Uhr nur auf dem Abschnitt ZOB/Bahnhof – Innenstadt – Zietenterrassen. Laut GöVB ist auch außerhalb des Sperrgebietes mit entsprechenden Verspätungen im gesamten Liniennetz zu rechnen. Detaillierte Informationen zum GöVB-Fahrplan gibt es online, oder telefonisch unter 05 51/38 44 44 44.

Die Regionalbusse und Regionalbahnen im VSN fahren während der Evakuierung bestimmte Haltestellen im Sperrgebiet nicht an und folgen einer Umleitung. Das betrifft die Linien 110, 210, 220, 180 und 185. Die Regionalbahnen RB80 und RB86 fahren nur Northeim an. Zwischen Göttingen und Northeim gibt es einen Schienenersatzverkehr.

Per Bahn:Die Deutsche Bahn teilt mit, dass der Bahnhof Göttingen am Sonnabend ab 7 Uhr nicht mehr angefahren wird. Zu diesem Zeitpunkt wird auch der Bahnhof geräumt. Züge, die planmäßig nur wenige Minuten nach 7 Uhr eintreffen sollen, dürfen vermutlich noch halten, sagte ein Bahnsprecher gegenüber dem Tageblatt. Endende und beginnende Züge müssen auf vorgelegene Bahnhöfe verlegt werden. Die Deutsche Bahn richtet ab Göttinger ZOB vor dem Bahnhof am Bussteig H einen Ersatzverkehr mit Bussen (SEV) nach Northeim, Eichenberg und Adelebsen ein.

Metronom- und Cantus-Züge fahren den Göttinger Bahnhof in der Zeit der Evakuierung ebenfalls nicht an. Beide Unternehmen bieten Schienenersatzverkehr an, der die Haltestellen Nörten-Hardenberg beziehungsweise Eichenberg mit Göttingen verbinden.

In der Luft: „In der Zeit von 7 Uhr bis 19.07 Uhr ist über der evakuierten Fläche eine Flugverbotszone eingerichtet“, erklärt Christian Hoppe, Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung (GFS). Ein solches Verbot werde in enger Abstimmung mit dem Sprengmeister ausgesprochen und an die betroffenen Piloten übermittelt. Grundsätzlich gilt das Flugverbot für alle Formen der Luftfahrt, von der Drohne bis zum Jet. Betroffen seien laut Hoppe aber wohl vor allem sogenannte Sichtflügler, die sich im Luftraum bis 2000 Meter aufhalten.

Welche Informationskanäle gibt es?

Das Tageblatt wird am Sonnabend in einem Live-Ticker über die Ereignisse rund um die Bombenräumung informieren. Außerdem bietet die Stadt Informationen auf ihrer Internetseite, über ihren kostenlosen Messenger-Dienst und die App Katwarn.

Welche Universitätsgebäude und Bibliotheken sind betroffen?

Ein großer Teil des Zentralcampus liegt in der Evakuierungszone. Die Universität wird auch einige Gebäude räumen, die außerhalb der Zone liegen. Von der Sperrung betroffen sind unter anderem:

- das Zentrale Hörsaalgebäude, der Blaue Turm, die Zentralbibliothek (SUB), das Oeconomicum, das Juridicum, das Theologicum, das Lern- und Studiengebäude, das Verfügungsgebäude, das Auditorium, das Institut für Demokratieforschung. Als einzige Bibliothek am Zentralcampus normal geöffnet bleibt die Bereichsbibliothek Kulturwisschenschaften im KWZ. Eine detaillierte Liste der Gebäude, die evakuiert werden, ist auf der Website der Universität zu finden. Der Betrieb in den Bibliotheken könne nach Entwarnung unverzüglich wieder aufgenommen werden, sagt der Pressesprecher der Universität Romas Bielke.

Welche Einrichtungen des Studentenwerks sind betroffen?

Die Zentralmensa bleibt am Sonnabend geschlossen, ebenso alle Einrichtungen, die im selben Gebäude untergebracht sind. Im Evakuierungsgebiet liegen elf Studentenwohnheime. Geräumt werden müssen die Wohnheime Kreuzbergring 2 bis 32, Goßlerstraße 21 und 23, Arndtstraße 9 und Christophorusweg 12. Von der Evakuierung des Zentralcampus nicht betroffen sind die Studentenwohnheime Goßlerstraße 12b und die Akademische Burse, Goßlerstraße 13.

Von Ulrich Schubert und Markus Scharf

Wer einen Krankentransport beauftragen möchte, soll sich bei der kommunalen Regionalleitstelle von Stadt und Landkreis melden.

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