Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Boni II nimmt vorerst nichtkatholische Kinder auf
Die Region Göttingen Boni II nimmt vorerst nichtkatholische Kinder auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:17 24.06.2012
Von Ulrich Schubert
Appell mit Zuversicht: Vorerst nimmt die Bonifatiusschule II neben katholischen bis zu 30 Prozent auch nicht katholische Schüler auf.
Appell mit Zuversicht: Vorerst nimmt die Bonifatiusschule II neben katholischen bis zu 30 Prozent auch nicht katholische Schüler auf. Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, kann die Schule zum neuen fünften Jahrgang ab August auch wieder nichtkatholische Kinder aufnehmen – bis zu einem Anteil von 30 Prozent je Jahrgang. Die Stadt wollte diese Möglichkeit für die nächsten sechs Jahre blockieren. Der Schulelternrat hatte denVerwaltungsrechtsexperten Synofzik damit beauftragt, den Ratsbeschluss vom vergangenen März zu prüfen. Sein Urteil: „sprachlich irreführend und rechtlich nicht zulässig“. Zudem werde eine „verschleierte Ablehnung als positive Entscheidung“ formuliert, und das sei „Etikettenschwindel“. Die Hintergründe: Die Boni II ist eine katholische Haupt- und Realschule, die seit einigen Jahren nur noch einen Realschulzweig führt. Als Konkordatsschule bekommt sie finanzielle Unterstützung vom Land, darf aber maximal 30 Prozent nichtkatholische Schüler betreuen. 2006 wurde die Quote befristet auf 50:50 Prozent erhöht. Im kommenden Sommer läuft diese Sonderregel aus.

Im vergangenen Herbst hatte das Bistum Hildesheim zunächst eine Verlängerung dieser Quote beantragt, im Februar aber den neuen Antrag gestellt, zur „Normalquote“ 70:30 zurückzukehren. Darüber entscheidet das Land, aber die Stadt muss „im Einvernehmen“ zustimmen.
Das hat der Rat im März getan, allerdings mit Einschränkung: Die Schule darf so lange nur katholische Kinder aufnehmen, bis das Verhältnis 70:30 über alle Jahrgänge erreicht ist. Also bis die älteren 50:50-Jahrgänge abgeschmolzen sind. Das würde etwa sechs Jahre dauern, und viele fürchten, dass sich die Boni II damit schleichend ihrem Ende nähert.

Lieske will Kritik nicht kommentieren

Ob die Quote pro Jahrgang oder für die ganze Schule gerechnet werden muss, ist rechtlich umstritten. Synofzik sieht in dem Ratsbeschluss allerdings zwei eher zwei formale „rechtlich problematische“ Aspekte: Zum einen nehme der Beschluss Bezug auf den ersten 50:50-Antrag des Bistum und nur indirekt auf den aktualisierten. Zum anderen könne ein kommunales Einvernehmen nur mit einer eindeutigen Entscheidung hergestellt werden: „Ja“ oder „Nein“. Eine unklare und zudem „modifizierte“ Entscheidung sei nicht möglich. Bevor er den Anwalt um eine Beurteilung bat, habe der Schulelternrat viele Gespräche mit Entscheidungsträgern aus Politik, Verwaltung, Landesschulbehörde und Bistum geführt, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Cindy Heine. Dabei habe sich auf breiter Front eine „sehr positive Einstellung zur Boni II“ gezeigt. Jetzt hoffe der Elternrat auf weitere gute Gespräche, damit der „fehlerhafte Beschluss schnell ausgesetzt und eine korrigierte Entscheidung getroffen werden kann“.

Göttingens Schuldezernent Siegfried Lieske will die Kritik nicht kommentieren: „Das ist eine Frage an die Justiz, auf dieses Glatteis begebe ich mich nicht.“ Und weiter: „Wir haben eine Ratsbeschluss, ich gehe davon aus, dass er rechtlich in Ordnung ist.“ In der März-Debatte hatte Lieske angedeutet, dass er einen Kompromiss-Weg für die Boni II mit getragen hätte. Er warnt allerdings vor Bestrebungen, Schulentwicklung „kurzfristig zu sehen und alleine das Bestehende zu retten“. Göttingen brauche Perspektiven – auch für eine gebundene Schule.
Unterdessen nimmt die Boni II bereits wieder nichtkatholische Kinder in den neuen fünften Klassen auf, „unter Vorbehalt und bis zur eindeutigen Klärung“ der Rechtslage, so ein Sprecher der Schule.