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Göttingen Botanischer Garten Göttingen: Baumschutzsatzung ausgehebelt
Die Region Göttingen Botanischer Garten Göttingen: Baumschutzsatzung ausgehebelt
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19:40 20.09.2013
Von Ulrich Schubert
Innenhof des Alten Botanischen Gartens heute: eine große gepflasterte Fläche ohne alte Bäume. Quelle: Pförtner
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Göttingen

In einem offenen Brief an die Präsidentin der Uni Göttingen und Direktorin der Anlage beklagt sie nicht nur den „seelenlos gepflasterten Hof“. Sie wirft der Universität indirekt auch vor, zwei alte Bäume ohne Genehmigung der Stadt gefällt und damit gegen die Baumschutzsatzung verstoßen zu haben. Die Stadt hat ein „Anhörungsverfahren eingeleitet“.

„Mit Besorgnis und Befremden“ verfolge sie die Entwicklungen und Veränderungen im Alten Botanischen Garten, so Walbrun. Schon aus ihrem Studium der Biologie kenne sie die Anlage gut. Unter anderem hätten jahrzehntelang zwei alte Bäume und Rasen den Innenhof geprägt.

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Selbst wenn die Bäume krank oder durch Sturm angeschlagen gewesen sein sollten und deshalb gefällt werden mussten, hätten sie wenigstens „adäquat ersetzt“ werden müssen. In diesem Zusammenhang fragt die Naturschutzbeauftragte auch, ob die Uni bei der Stadt eine Genehmigung eingeholt habe, als sie die Bäume fällen ließ.

„Die Angelegenheit ist verjährt“

Denn Laubbäume ab einem Stammumfang von 100 Zentimetern seien in Göttingen per Satzung geschützt. Sie dürften nur in Ausnahmefällen gefällt und müssten ersetzt werden. Sollte dass „irrtümlich vergessen worden sein, lässt sich das bestimmt nachholen“.

Tatsächlich wurden im Hof eine alte Blutbuche und ein weiterer Baum gefällt. Anträge gemäß Baumschutzsatzung wurden dazu nicht gestellt, bestätigte Stadtsprecher Detlef Johannson. Aber es sei „müßig, darüber zu spekulieren, wie ein solcher Antrag bearbeitet worden wäre“.

Denn: „Die Angelegenheit ist verjährt“, die Bäume sind schon zwei Jahre weg. Dennoch wolle die Verwaltung über eine Anhörung klären, ob die Uni Ersatzbäume gepflanzt habe oder noch pflanzen wolle.

Stark von Pilzen befallen

Das muss sie allerdings gar nicht. Denn nach Paragraf 5 der Satzung sind Grundstücke von „Baumschulen, Gärtnereien und botanischen Gärten“ von dieser freigestellt, wenn sie „ordnungsgemäß gestaltet, gepflegt und gesichert werden“. Dennoch habe die Uni die Öffentlichkeit informiert, als die alte Buche einst gefällt werden musste, erklärte Uni-Sprecher Romas Bielke.

Beide Bäume seien stark von Pilzen befallen und Passanten sowie die Gewächshäuser durch abbrechende Äste gefährdet gewesen. Unabhängig von der Satzung pflanze die Uni aber regelmäßig neue Bäume. Die Standorte würden dabei so gewählt, dass sie sich entfalten können – was im Hof des Alten Botanischen Gartens „nicht der Fall war“.