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Die Region Göttingen Göttingen: Brandanschlag auf Wohnprojekt vermutet
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19:34 28.10.2019
Eine Säule an der Uni-Bibliothek ist mit einem Hakenkreuz und SS-Runen beschmiert worden. Quelle: R
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Göttingen

In der Nacht zum Montag hat es am Campus der Universität Göttingen einen Brandanschlag gegeben. Gegen 3 Uhr haben auf einem Holzunterstand eines von Studenten bewohnten Hauses Möbel Feuer gefangen. „Aus bislang unbekannter Ursache“, wie die Sprecherin der Polizeiinspektion Göttingen, Jasmin Kaatz, erklärt. Ein Bewohner sei vom Feuerschein wach geworden, habe seine Mitbewohner geweckt und gemeinsam sei es gelungen, mittels Wasser und Feuerlöscher den Brand zu löschen. Die Feuerwehr musste nicht mehr ausrücken. Ebenfalls in der Nacht zum Montag haben Unbekannte die Fassade eines Uni-Gebäudes mit Farbe beschmiert, in dem der Fachschaftsrat Sozialwissenschaften untergebracht ist. Nationalsozialistische Symbole fanden sich zudem auf einer Säule der Staats- und Universitätsbibliothek (Sub).

Das Staatsschutz-Kommissariat ermittelt

Ob die Taten in einem Zusammenhang stehen, ist noch offen. „Das wäre reine Spekulation“, sagt Kaatz, möglich wäre es freilich. Am Montagnachmittag waren Polizeibeamte vor Ort, um die Fälle aufzunehmen. Hinsichtlich der NS-Schmierereien hat das vierte Fachkommissariat, das sogenannte Staatsschutz-Kommissariat, die Ermittlungen aufgenommen. Ermittelt werde wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, macht Kaatz deutlich. Das fällt unter Paragraf 86 des Strafgesetzbuches.

„Eindeutig rechte Gesinnung“

Fabienne Schaffrath, Sprecherin des Fachschaftsrates Sozialwissenschaften, äußert sich wie folgt: „Zum wiederholten Mal wurde am Wochenende rechte Ideologie auf dem Campus der Uni Göttingen zur Schau gestellt, und wieder ist dies mit einer Attacke auf den Fachschaftsrat verbunden. Bereits vergangenes Jahr wurde unter unseren Fenstern die Losung ’Fuck ZOG’ gesprüht, welches die ’zionistische Besatzung der Regierung’ propagiert und sich somit eindeutig auf antisemitische Verschwörungstheorien bezieht. Auch damals zeigten Hakenkreuze eindeutig die rechte Gesinnung der Täter.“

Täter bestärkt durch Thüringen-Wahl?

Die Studentin Luca Wolf, die im Wohnprojekt lebt, das von der vermuteten Brandstiftung betroffen ist, erklärt: „Wir gehen stark von rechten Tätern aus, da in derselben Nacht am direkt anliegenden Zentralcampus rechte Farbschmierereien und Sprühereien mit Hakenkreuzen aufgetaucht sind.“ Das unter das Hakenkreuz geschriebene „wir kommen“ lege nahe, dass sich die Täter durch einen gesellschaftlichen Rechtsruck bestärkt fühlten. „Dieser spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Thüringer Landtagswahl am gestrigen Sonntag wider”, schätzt die Studentin ein.

Niemand fühlte sich zuständig

Vor allem von Studenten ist es am Montag als befremdlich empfunden worden, dass die Schmierereien (ein Hakenkreuz, SS-Runen sowie der kurze Schriftzug „Wir kommen“), den Tag über einfach so stehen blieben. Offenbar habe sich von der Leitung der Universität niemand zuständig gefühlt, entsprechende Schritte zur Entfernung einzuleiten. Auf Anfrage des Tageblatts lässt der Sprecher der Uni, Romas Bielke, wissen: „Unser Gebäudemanagement wird sich das ansehen und die Farbe entfernen lassen.“ Das Grundstück, auf dem die Gartenhütte steht, gehöre nicht der Universität Göttingen.

Die auf einem hölzernen Unterstand stehenden Möbel fingen Feuer. Der Geruch von Brandbeschleunigern soll in der Luft gelegen haben. Quelle: R

Schmierereien in Eigeninitiative überklebt

In Eigeninitiative von Studenten sind am Montag die mit gelber Farbe aufgebrachten Schmierereien überklebt worden. Auf dem Klebeband stehen stattdessen andere Botschaften: „Refugees welcom“ und „Hier stand einen halben Tag lang Nazi-Kacke und niemand hats gejuckt“. Zusätzlich: „Antifaschismus geht alle an.“

Während sich die Polizeisprecherin zur Brandursache noch zurückhält, heißt es in einer Mitteilung der Wohnrauminitiative Göttingen: „Die Tatsache, dass dabei Brandbeschleuniger genutzt wurde, weist eindeutig auf einen willentlich gelegten Brand hin.“ In der Luft habe der Geruch von Brandbeschleunigern gelegen. Viel Hoffnung in die polizeilichen Ermittlungen setzt die Sprecherin der Wohnrauminitiative, Marianna Albers, nach eigenem Bekunden nicht. „Wir appellieren aber umso dringlicher an die vielfältige Göttinger Zivilgesellschaft, sich öffentlich den Rechten entgegenzustellen und mit den nötigen Mitteln dazu beizutragen, dass diese Angriffe aufhören“, so Albers eindringlich.

Bremsschläuche von Fahrrädern zerschnitten

Im Januar dieses Jahres hatten Unbekannte vor den Häusern des Kreuzbergrings 12 und der Goßlerstraße 21 die Bremsschläuche aller Fahrräder durchgeschnitten. Da sich die Häuser der Wohnrauminitiative immer wieder klar gegenüber rechten Akteuren positioniert hatten, gingen die Bewohner von einem rechten Angriff aus. Mitte Oktober vergangenen Jahres waren unter anderem in die Fenster eines Hauses der Hausprojekte Rote Straße Pyrotechnik geworfen und das Wohnheim Kreuzbergring 10 mit rechten Graffitis beschmiert worden.

Die Wohnrauminitiative besteht seit knapp zehn Jahren. Die in ihr organisierten Wohnprojekte setzen sich seitdem für die Sicherung und Ausweitung von bezahlbarem Wohnraum ein, wird mitgeteilt. Ebenso verbinde die Häuser, dass sie in der Stadt offen für ihre Ideale einstehen.

Von Ulrich Meinhard

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