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Göttingen Bratwurstglöckle in der Göttinger Innenstadt wieder geöffnet
Die Region Göttingen Bratwurstglöckle in der Göttinger Innenstadt wieder geöffnet
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12:46 18.09.2013
Bereit für den Neustart: Jacqueline Bodem mit Oma Helga Stuckenschmidt, Ehemann Danny Recke (r.) und Onkel Jens Stuckenschmidt. Quelle: Heller
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Göttingen

„Endlich geht’s wieder los“, sagte Roswitha Wilhelm, als sie am Montagmorgen den Grill anschmiss. Geändert hat sich für die 52-Jährige, die seit 18 Jahren im Bratwurstglöckle arbeitet, kaum etwas.

Außer, dass der Tresen, hinter dem sie steht, sich jetzt an der Quer- anstelle der Längsseite des Imbisses befindet. Und dass sie die neue Backstraße bedienen muss, weil die Brötchen, die zur Wurst gereicht werden, nicht mehr geliefert, sondern selber gebacken werden.

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Geschlossen war das Bratwurstglöckle, weil das Gebäude, in dem es sich befindet, einen separaten Eingang für die Mieter bekam. Diese waren zuvor direkt durch den Imbiss zu ihren Wohnungen gelangt.

Papierhandtuchhalter noch an der Wand

„Ich habe die Wohnungen renovieren lassen“, erläutert Immobilieneigentümer Hubertus Heinemann, „und der neue Eingang war Teil der Brandschutzauflagen, die ich von der Stadt erhielt.“  

Der Imbiss war in den Tagen nach der Wiedereröffnung gut besucht. „Kurioserweise schauten viele Gäste erst mal nach, ob die Papierhandtuchhalter noch an der Wand hängen“, berichtet Neu-Inhaberin Jacqueline Bodem.

Die 33-Jährige hat die Geschäfte von ihrer Oma Helga Stuckenschmidt (75) übernommen, die in Rente gegangen ist, „bei Bedarf aber mit Rat und Tat zur Stelle sein wird“, wie sie sagt.

Fazit: „lecker“

Die Gäste ließen es sich unterdessen schmecken. „Ich esse hier seit über 50 Jahren, und die Bratwurst mundet mir noch genauso gut wie damals“, sagte Uwe Schrader (69). Zum ersten Mal im Bratwurstglöckle war dagegen Hillel Lowinsky.

Der Sprachschüler aus Millerton im US-Bundesstaat New York hat bereits Rostbratwürstel in Nürnberg sowie fränkische Bratwurst in Erlangen probiert. „Die hier war meine erste Thüringer“, erzählt der 28-Jährige. Sein Fazit: „lecker.“

Bodem, die den von August Siemsen 1920 gegründeten Imbiss in vierter Generation führt, freut sich schon auf die Einhundertjahrfeier im Jahr 2020. Mit ihrem Vermieter hat sie am Montag per Handschlag einen Vertrag geschlossen: „Jede Woche erhält er als Deputat eine Bratwurst.“

Von Hauke Rudolph