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Göttingen Brexit auch Thema für Gäste aus Cheltenham
Die Region Göttingen Brexit auch Thema für Gäste aus Cheltenham
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20:20 28.07.2019
Derzeit weilen Gäste aus der Partnerstadt Cheltenham in Göttingen. Hier von links: Karin Tappe, Martin und Gaye Kimber, Anne Doveston, William Lewis und Matthias Tappe. Quelle: Eichner-Ramm
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Göttingen

70 Gäste aus der Göttinger Partnerstadt Cheltenham weilen seit Freitag für fast eine Woche in der Stadt. Das Cheltenham-Festival 2019 steht diesmal unter besonderen Vorzeichen, denn die Mehrheit der Briten hatte sich für einen Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen.

Gäste aus der britischen Partnerstadt Göttingens treffen auf „Miss Marple“, Stadtführerin Gudrun Keindorf und das Gänseliesel.

In der Göttinger Partnerstadt Cheltenham indes lagen die Mehrheitsverhältnisse gerade andersherum, wie sich Anne Irvine erinnert. „Mehr als die Hälfte der Bürger Cheltenhams“, sagt Irvine, wollten ihr zufolge in der EU bleiben. Würde heute noch einmal abgestimmt, so ist sich William Lewis sicher, erreichte die Zahl der Brexit-Gegner bestimmt 65 Prozent.

„Schlimme Entwicklung“

Für Lewis ist der drohende Brexit ein großer Fehler. Es mache ihn sehr traurig, so Lewis. „Ich hätte nicht gedacht dass das in unserem Leben passiert“. Schlimm sei die Entwicklung vor allem wenn er an die Folgen für die jungen Menschen denke. Sie könnten dann zum Beispiel nicht mehr von EU-Förderprogramme wie Erasmus profitieren. Lewis und seine Partnerin Anne Doveston, sind beide zum ersten Mal in der Partnerstadt Göttingen. Wie sie berichten, zählten sie zu jenen Bürgern aus Cheltenham, die mit 15 Bussen nach London gefahren waren und dort mit vielen anderen Briten unter dem Motto „Brexit? No Thanks!“ auf die Straße gegangen sind.

Martin Kimber (links) und William Lewis aus der Göttinger Partnerstadt Cheltenham sind überzeugte Europäer. Quelle: Eichner-Ramm

„Wir werden weiter kämpfen“, kündigt ihr Mitstreiter Martin Kimber an. Er setzt sich ebenfalls mit entsprechenden Kampagnen für einen Verbleib in der EU ein. Beim Stadtbummel in Göttingen trägt er am Shirt einen blauen Button mit gelben EU-Sternen und der Aufschrift „Cheltenham für Europe“ und zückt aus der Brieftasche Aufkleber, die seinen Protest gegen die Entwicklung in Groß Britannien auf den Punkt bringen: „#BinBrexit“, was soviel bedeutet wie „In die Tonne mit dem Brexit“.

„Nutze meinen irischen Pass“

Anne Irvine aus Cheltenham ist das zweite Mal in Göttingen zu Besuch und nutzt die Stadtrundfahrt mit dem Doppeldeckerbus "Miss Marple", um ein wenig von Göttingen und Umgebung zu sehen. Quelle: Eichner-Ramm

Anne Irvine, die nach 2011 nun schon zum zweiten Mal beim Cheltenham-Festival in Göttingen teilnimmt, bezeichnet den drohenden Brexit als „schlimm“. Sie habe gehofft, dass es nicht soweit kommt und glaubt, die Abstimmungsfrage sei seinerzeit ein Fehler gewesen. Viele hätten mit ihrem Votum ihrem Ärger gegen die Regierung Ausdruck verleihen wollen und seien nicht gegen die EU gewesen. Sei sei selbst konservativ gewesen, erzählt Irvine. Nun seien die aber sehr weit nach rechts gedriftet, so ihre Beobachtung. Mit Blick auf den neuen Regierungschef in Großbritannien äußert Irvine ihre Sorge, was noch kommen werde.

Für ihre künftigen Reisen in die EU könne sie ihren irischen Pass nutzen, sagt die gebürtige Irin. „Das nutze ich jetzt.“ Sorgen um die Zukunft der Städtepartnerschaft mit Göttingen machen sich auch Lewis und Kimber nicht. „Wir werden daran arbeiten, um das fortzusetzen“, versichern sie.

Erster Besuch in Göttingen

Cheltenhams Bürgermeister Roger Whyborn mit Gattin Carol - beide sind das erste Mal in der Partnerstadt Göttingen zu Besuch. Quelle: Eichner-Ramm

Auch der Bürgermeister der Göttinger Partnerstadt, Roger Whyborn, gibt sich optimistisch: „Ich hege keinen Zweifel daran, dass unsere Städtepartnerschaft auch in ungewissen europäischen Zeiten weiterhin wachsen und gedeihen wird.“ Er ist zum ersten Mal in Göttingen und hat sich am Sonnabend zusammen mit seiner Frau Carol der Stadtrundfahrt mit dem Oldtimer-Doppeldeckerbus „Miss Marple“ und Gudrun Keindorf angeschlossen. Stadtführerin Keindorf gab bei der fast zweieinhalbstündigen Rundfahrt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Universitätsstadt. Vom Leben und Wohnen kurz nach der Stadtgründung über das sprunghafte Ansteigen der Einwohnerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg – 1944 lebten in der Kernstadt rund 40000 Menschen, 1947 waren es 70000 – bis hin zur aktuellen Situation erfuhren die britischen Gäste und einige ihrer Gastgeber, allerlei Wissenswertes.

Cheltenham-Festival 2019

Auf demProgrammder Besucher aus Cheltenham stehen beim „Cheltenham-Festival 2019“ weitere Unternehmungen wie eine Fahrt zur Burg Scharfenstein bei Leinefelde-Worbis am Montag, nach Wernigerode am Dienstag sowie eine kleine Wanderung zur historischen Spinnerei Gartetal am Mittwoch. Der offizielle Empfang durch die Stadt Göttingen ist auf Sonntag terminiert, und eine Big Party am Kiessee ist am Montagabend geplant.

Die StädtepartnerschaftGöttingen – Cheltenham besteht seit nunmehr 68 Jahren. Alle zwei Jahre findet abwechselnd in beiden Städten das einwöchige Partnerschaftsfestival mit Big Party statt. Die Gruppen aus den Partnerstädten kommen vorwiegend bei Gastfamilien unter. „Längst sind aus zahlreichen Begegnungen Freundschaften entstanden. Freundschaften, die unsere beiden Städte, unsere beiden Länder unabhängig von ,der großen Politik’ eng miteinander verknüpfen. “, heißt es im Grußwort des Göttinger Oberbürgermeisters Rolf-Georg Köhler.

Von Britta Eichner-Ramm

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