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Göttingen Brustkrebs spät erkannt
Die Region Göttingen Brustkrebs spät erkannt
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17:56 15.07.2009
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Eine 65-jährige Frau aus Northeim hat dort einen Gynäkologen verklagt, weil dieser ihre Tumorerkrankung zu spät erkannt habe. Dadurch habe sich die Krebstherapie um mehrere Monate verzögert. Die Patientin macht deshalb einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz geltend. Die Frau hatte im Mai 2003 ihren Gynäkologen konsultiert, weil sie beim Abtasten der Brust Veränderungen bemerkt hatte. Der Mediziner, der inzwischen nicht mehr praktiziert, nahm daraufhin eine Mammographie und eine Ultraschalluntersuchung vor. Die Auswertung der Aufnahmen ergab einen unklaren Befund, den der Arzt als eher gutartig einstufte. Auf eine weitere diagnostische Abklärung verzichtete er. Erst fünf Monate später, nachdem sie zwischenzeitlich zweimal bei dem Arzt vorstellig gewesen war, wurde eine Biopsie vorgenommen. Bei der feingeweblichen Untersuchung wurde dann ein bösartiger Tumor festgestellt. Die Klägerin musste sich zwei Brustoperationen unterziehen, hinzu kamen die Chemotherapie, Bestrahlungen und die medikamentöse Behandlung.

Nach Ansicht der Klägerin wäre bei einer früheren Behandlung der Lymphknotenbefall weniger fortgeschritten gewesen. Auch der Umfang der Operation wäre geringer ausgefallen. Sie wirft dem Arzt deshalb vor, einen schwer wiegenden Behandlungsfehler begangen zu haben.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als hätte ihre Klage kaum Erfolgschancen. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Arzt war zwischenzeitlich eingestellt worden, weil zwei Gutachter – ein Gynäkologe und ein Radiologe – kein fehlerhaftes Handeln festgestellt hatten. Für das Zivilverfahren gab das Landgericht indes ein weiteres Gutachten in Auftrag. Der dritte Gutachter, ein leitender Oberarzt eines Brustzentrums in Nordrhein-Westfalen, bewertet den Fall anders.

Biopsie unterlassen

Nach seiner Ansicht hätte der Northeimer Gynäkologe bereits im Mai 2003 weitere diagnostische Maßnahmen ergreifen müssen. Um den Tastbefund abzuklären, hätte schon zu diesem Zeitpunkt eine Biopsie vorgenommen werden müssen. Dass dies unterblieb, sei ein fundamentaler Behandlungsfehler gewesen. Auch bei einer früheren Diagnose wäre allerdings die gleiche Behandlung nötig gewesen, sagte der Gutachter.

Von Heidi Niemann

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