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Göttingen Buchhalterin haftet, Geschäftsführer nicht
Die Region Göttingen Buchhalterin haftet, Geschäftsführer nicht
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20:36 24.11.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Das Arbeitsgericht gab einer Klage des Insolvenzverwalters Burkhard Wegener allerdings nur teilweise statt. Es verurteilte die Buchhalterin Gabriele K. dazu, die festgestellten Fehlbeträge in einer Höhe von rund 63 000 Euro aus eigener Tasche zu zahlen. Geschäftsführer Andreas Döring freilich, dessen Vertrag vorsah, nur im Falle von „vorsätzlicher und grob fahrlässiger“ Pflichtverletzung haften zu müssen, blieb in der ersten Instanz persönlicher Schaden erspart. Die Richter meinten, er habe als Geschäftsführer zwar fahrlässig notwendige Kontrolle seiner Buchhalterin unterlassen, weil diese aber durch Urkundenfälschung und Manipulation der Zahlen die wahre Situation verschleiert habe, könne Döring eine grobe Fahrlässigkeit nicht nachgewiesen werden. Er sei selbst getäuscht worden.

Der Konkursverwalter hatte nach Anmeldung der Zahlungsunfähigkeit am 9. Juli 2010 das Sammelsurium von Buchhaltung und losen Zetteln übernommen und ausgewertet. Daraus ergaben sich drei Fehlbeträge, die von den beiden Beklagten verlangt wurden: Zum einen fehlten 15 100 Euro, die mit acht Schecks im Sommer 2009 von der Bank abgehoben und nirgendwo in die Kasse geflossen waren. Zum zweiten klafft zwischen Einnahmen und belegten Ausgaben ein Fehlbetrag von 47 000 Euro. Für beides zusammen machte das Gericht die Buchhalterin verantwortlich, denn sie habe hier eine vorsätzliche Pflichtverletzung begangen und keinerlei Erklärung abgegeben, wo das Geld geblieben ist. Lediglich für den dritten Forderungsposten kann sie nicht haftbar gemacht werden: 6675 Euro Lohnvorauszahlungen an einen heute zahlungsunfähigen Mitarbeiter, die ohne Rechtsgrundlage ausgezahlt wurden.

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Unstreitig war, dass einzig die fehlende Buchführung und die Fälschung von Jahresabschlüssen durch Gabriele K. zu den Fehlbeträgen führten. Die Frau hatte angegeben, überfordert gewesen zu sein und unter einer Persönlichkeitsstörung gelitten zu haben. Für 2006 hatte sie gar keinen Jahresabschluss angefertigt. Für die Abschlüsse 2007 bis 2009 hatte sie die Zahlen manipuliert und Unterschriften der Wirtschaftsprüfer hineinkopiert.

Geschäftsführer Döring gab an, gerade mal gewusst zu haben, wo die Bücher und Belege stehen, sie aber nie gesehen zu haben. Er habe keine kaufmännischen Kenntnisse, habe sich auf seine Buchhalterin verlassen und sei nicht einmal dabei gewesen, wenn sie die Abschlüsse dem Aufsichtsrat vorgerechnet habe.