Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Buchpreisträgerin Mahlke liest im Rathaus
Die Region Göttingen Buchpreisträgerin Mahlke liest im Rathaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:13 14.10.2018
Die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2018 Inger-Maria Mahlke liest aus ihrem Buch "Archipel" und spricht darüber mit Stephan Lohr. Foto: Die Autorin beim Signieren. Quelle: Niklas Richter
Anzeige
Göttingen

Sie ist müde. „Meine Augenringe haben Augenringe“, sagt Inger-Maria Mahlke. Die Trägerin des deutschen Buchpreises 2018 hat am Sonnabend für den Göttinger Literaturherbst gelesen.

Die Lesung und Gesprächsrunde mit Literaturherbst-Mitorganisator Stephan Lohr begann um 21 Uhr im Alten Rathaus. Tagsüber, so erzählte sie, habe sie bereits vier Mal aus ihrem Buch „Archipel“ gelesen. Am Montag ist die 41-jährige gebürtige Hamburgerin mit dem Buchpreis ausgezeichnet worden, ein Veranstaltungsmarathon schloss sich an. „Alle haben mir gesagt, das wird die Hölle, ich möchte am liebsten tot umfallen“, so die Autorin. Dennoch hielt die preisgekrönte Autorin tapfer durch, signierte nach der Lesung noch Bücher für die Göttinger. Die standen schon vor der Veranstaltung in einer Schlange rund um den Marktplatz an – um das Buch signieren zu lassen, dann ein zweites Mal nach der Lesung.

Die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2018 Inger-Maria Mahlke liest aus ihrem Buch "Archipel" und spricht darüber mit Stephan Lohr. Quelle: Niklas Richter

Seit 2014 ist es Tradition, dass die Preisträger des Deutschen Buchpreises nach der Frankfurter Buchmesse zum Göttinger Literaturherbst kommen, um dort aus ihrem Werk zu lesen. „Zum ersten mal ist es eine Preisträgerin“, sagte Moderator Lohr und alle applaudierten. Er fragte Mahlke, wie überrascht sie wirklich gewesen sei, den Preis zu erhalten. „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet“, sagte sie. Aber: „Wenn man auf der Shortlist steht, ist es überschaubar – die Chancen stehen ja eins zu sechs“.

Mahlke erzählte, wie sie als Juristin mit einem Vertrag an einem kriminologischen Institut zur Autorin wurde. „Ich habe einen Vertrag vom Aufbau-Verlag angeboten bekommen“, sagte sie. Und ihr Wunsch sei es immer gewesen, als Autorin zu arbeiten, wenn sie Möglichkeit dazu bekomme. Vier Bücher hat sie seit dem geschrieben. „Eine große Arbeitsleistung“, so Lohr. Zudem habe sie bereits drei mal den Verlag gewechselt. Mit ihrer Dankesrede zum Buchpreis löste sie zudem heftige Diskussionen über den Rowohlt-Verlag aus, weil sie sich für die ehemalige Verlegerin aussprach.

Mahlkes Familie stammt aus Teneriffa

Mahlkes ausgezeichnetes Buch „Archipel“ spielt auf Teneriffa. Sie selbst hat familiäre Wurzeln auf der kanarischen Insel, ihre Oma lebt noch heute dort. Warum die Insel dann erst im vierten Roman und nicht schon im ersten Thema war, wollte Lohr wissen. „Weil ich die Insel liebe“, sagte sie. Erst jetzt sei sie bereit gewesen, sich an „den Stoff heranzuwagen“.

Der Stoff, das ist ein Roman über eine Zeitspanne von etwa 100 Jahren. Das besondere daran: Mahlke erzählt ihre Geschichte rückwärts, beginnend 2015 das Jahr, in dem sie mit der Arbeit an „Archipel“ begann. Ihre Arbeitsweise beschrieb die Autorin so: „Zuerst lese ich, dann kommen einzelne Sätze, dann Szenen, dann Figuren“, sagte sie. Sie schreibe nicht chronologisch, sondern „immer überall gleichzeitig“. Diese Puzzleteile setze sie dann langsam zusammen. Sie kaufe sich immer einen „hässlichen“ Block, den sie dann mit einem Papier umkleide. Mal ein Stück Altpapier, mal ein Stück ausrangierte Tapete. Im Fall des neusten Buches entstand der Einband für die Notizen aus einer Tüte eines Touristenshops auf Teneriffa.

Archipel: Rückwärts durch die Zeit

Ebenso wie das Buch die Geschichte rückwärts erzählt, so las Mahlke am Sonnabend beginnend mit einem Auszug aus einem Kapitel, das 2015 spielt. Felipe Bernadotte, der „letzte Konquistador“ und einer ihrer Protagonisten, sitzt in einem Klub in einem Sessel, trinkt Whisky und sinniert. Weitere Auszüge aus dem Roman, die Mahlke mit bereits vor Müdigkeit angeschlagener Stimme liest, spielen in den 1970er und 60er Jahren. Menschen werden geboren, sterben. „Präzise und detailreich“, so Lohr, sind die Beschreibungen Mahlkes. Das Buch sei im besten Sinne ein „Schmöker“. Diese Bezeichnung, so Mahlke, höre sie allerdings zum ersten Mal für ihren Roman. „Eine großartige Geschichte“ nennt Lohr das Werk. Mahlke möchte mit ihrem Buch auch zeigen, dass Menschen ihn ihren Erinnerungen Dinge weglassen, sie möchte diese „wieder offen legen“ und auch ein Gefühl dafür vermitteln, wie die Figuren ihr eigenes Leben erzählen. Auch deshalb reise sie rückwärts durch die Zeit.

Von Britta Bielefeld

Gieboldehausen Pfändungsbeschluss angekündigt - Polizei warnt vor Betrügern am Telefon

Mit der Ankündigung eines Pfändungsbeschlusses, versuchen Telefonbetrüger die Angerufenen per Tastendruck auf eine kostenpflichtige Warteschleife umzuleiten, warnt die Polizei vor dem Betrug.

14.10.2018

An der Gaststätte an der Weserfähre in Hemeln haben am Sonnabend die Zweiräder dicht an dicht geparkt – wie im Hochsommer. Etliche Biker und Cabrio-Fahrer nutzten das Bilderbuchwetter für eine Ausfahrt.

13.10.2018

Orhan Pamuk ist Nobelpreisträger für Literatur. Der 66-jährige türkische Künstler ist für den Literaturherbst und eine Ausstellung seiner Fotos aus New York nach Göttingen gekommen. Sein neues Buch ist im Steidl-Verlag erschienen.

14.10.2018