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Göttingen Buchvorstellung: „Kann Kirche Demokratie?“
Die Region Göttingen Buchvorstellung: „Kann Kirche Demokratie?“
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21:00 20.05.2019
Arnd Henze stellt sein neues Buch in der Reformierten Kirche vor. Quelle: Moritz Frankenberg
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Göttingen

Sind Christen immun gegen die Versuchungen des Populismus? In seinem neuen Buch geht Henze diesbezüglich auf Spurensuche. Zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes beleuchtet er die dunklen Flecken der Nachkriegsjahre im Protestantismus. „Denn auch nach 1945 hat die Evangelische Kirche noch lange mit der Demokratie gefremdelt, das völkische und autoritäre Erbe wirkt bis heute nach. Das Buch fordert deshalb eine ehrliche Erinnerungskultur, damit die Kirche dem Geschichtsrevisionismus der Neuen Rechten glaubwürdig entgegentreten kann“, schreiben die Organisatoren in einer Mitteilung.

Fehlender Blick für Herausforderungen

Heute habe sich der Protestantismus in der Komfortzone der Demokratie eingerichtet. An klaren Worten der Kirchenleitungen und beeindruckendem ehrenamtlichen Engagement fehle es zwar nicht – viel zu oft aber am präzisen Blick für die konkreten Herausforderungen, in denen sich der Glaube im Streit um die gefährdete Demokratie bewähren müsse. Viele Gemeinden entwickelten sich stattdessen zu einem Rückzugsraum gegen den sozialen und kulturellen Wandel.

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Henze wirft auch einen Blick in die Sonntagsgottesdienste: Statt Mut zur Demokratie zu machen, verstärkten viele Predigten das Gefühl fatalistischer Unmündigkeit. „Mehr noch: Viel zu oft werden auch von den Kanzeln Ressentiments und ‚Fake Feelings‘ gepredigt“, heißt es in der Ankündigung weiter.

Kultur der Wertschätzung

Das Buch werbe für einen Lernprozess, in dem sich die Kirche außerhalb der religiösen Nische als Teil einer lebendigen Zivilgesellschaft verortet. Dafür brauch es eine Kultur der Wertschätzung und des Streits. „Auch Henzes Analyse ist deshalb eine Streitschrift – für eine Kirche, die im Sinne Dietrich Bonhoeffers Mut zur Weltlichkeit entwickelt, um im Stresstest für die Demokratie zu bestehen.“

Von nog