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Göttingen Filme, Ausstellungen, Gespräche: 34 Veranstaltungen gegen das Vergessen
Die Region Göttingen Filme, Ausstellungen, Gespräche: 34 Veranstaltungen gegen das Vergessen
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19:49 31.10.2019
Gedenkstunde am Mahnmal der zerstörten Synagoge am Platz der Synagoge in Göttingen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

„Gedenken braucht mehr als einen isolierten, staatlichen Gedenktag“, hat das Göttinger Bündnis 27. Januar sich auf die Flyerfahne geschrieben. Der 27. Januar ist seit 1996 der offizielle „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ – daher kommt der Name, doch die politisch aktiven Menschen wollen mehr. Im 23. Jahr organisiert das Bündnis aus Gewerkschaften, Politgruppen, Gemeinden und kulturellen Institutionen die Veranstaltungsreihe.

Zwischen Oktober 2019 und Januar 2020 soll mit den 34 Veranstaltungen den Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden – aber nicht nur das: „Die verfolgten Menschen sind immer noch gefährdet und die Verfolger wurden selten strafrechtlich in voller Härte belangt“, so Sandra Goerend, die sich im Roma Center engagiert. „Nach Halle müssen wir uns alle fragen, wie so etwas noch immer passieren kann und aktiv gegen Rassismus vorgehen“, ergänzt Anna aus der feministischen Gruppe f_act. Ihren Nachnamen möchte sie nicht in einer Zeitung lesen.

Comics und Popkultur gegen Faschismus und Rassismus

Das Roma Center startet am Freitag, 1. November, mit der Eröffnung der Ausstellung „Ohh Porajmos“. Comic- und Texttafeln von Sinti-Künstler Boris Weinrich stellen die Organisatoren im Stadtlabor, Schildweg 1, aus. Roma-Aktivist Vincente Rodriguez Fernandez gibt ab 17 Uhr einen Workshop zur Bedeutung von Comics und Popkultur gegen Faschismus und Rassismus. Die Ausstellung ist dann bis zum 15. November täglich zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet.

Frauke Klinge von der Geschichtswerkstatt Göttingen, Anna aus der Gruppe f_act und Sandra Goerend vom Roma-Center präsentieren das Programm der Reihe "Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus". Quelle: lel

Goerend empfiehlt auch den Dokumentarfilm „Gelem, Gelem – Wir gehen einen langen Weg“, der am Sonntag, 15. Dezember, im Kino Lumière, Geismar Landstraße 19, um 20 Uhr gespielt wird. Die Protestbewegung der Roma zwischen 1989 und 1991 ist Gegenstand der Erzählung. „Der Film ist fast 30 Jahre alt, aber die Thematik Bleiberecht für Roma ist immer noch aktuell“, so Goerend. Aktuell kümmere sich das Roma Center um eine Familie, die nach 25 Jahren in Göttingen abgeschoben werden soll.

Gedenkstunde zur Reichspogromnacht am Mahnmal

Am Sonnabend, 9. November, erinnert das Bündnis ab 18 Uhr mit einer Gedenkstunde am Mahnmal, Ecke Obere/Untere-Masch-Straße, an die Reichspogromnacht. Anschließend ziehen sie ins Bistro Löwenstein, Rote Straße 28, wo das Jüdische Lehrhaus ab 19.30 Uhr den ersten Teil von „Das Glückskind erzählt...“ zeigt. Das aufgezeichnete Interview mit Prof. Thomas Buergenthal, Preisträger des Edith-Stein-Preises 2019 wird am Sonnabend, 16. November, fortgesetzt. Im Löwenstein ist auch die Ausstellung „Jüdischer Widerstand im Nationalsozialismus“ zu sehen. Zwischen Sonnabend, 9. November, und Freitag, 31. Januar, zeigen das Jüdische Lehrhaus und die Gruppe f_act Material zu Aufständen in den Vernichtungslagern, der Widerstandsbewegung in Warschauer Ghettos und mehr.

Den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) behandelt die Geschichtswerkstatt Göttingen in der Ausstellung „4074 Tage – Tatorte des NSU“. „Neun Männer sind erschossen worden innerhalb dieser Zeit und die Fotografin Gabriele Reckhard hat die Tatorte festgehalten“, erzählt Vorstandsmitglied Frauke Klinge. „Das ist ein Teil der Erinnerungskultur, der nicht nur für die Angehörigen sehr wichtig ist.“ Am Sonntag, 10. November, ist die Fotografin zur Vernissage um 14 Uhr vor Ort in den BBS II, Godehardstraße 11, und führt durch die Ausstellung.

Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl zu Gast

Auf den Montag, 27. Januar, hat das Bündnis die größte Veranstaltung gelegt. Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl spricht über ihre Deportation als Sechsjährige und die Zeit danach. Die Kärntner Slowenin war dreieinhalb in Lagerhaft, ihre Schwester überlebte nicht. Nach dem Krieg kehrte Sturm-Schnabl nach Kärnten zurück, holte die Schulausbildung nach, ging an die Universität und wurde Professorin für Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Wien. Ab 19.30 Uhr hält sie einen Vortrag im Alten Rathaus, Markt 9. Anschließend spricht sie vor dem Publikum mit Dietmar Sedlaczek von der KZ-Gedenkstätte Moringen.

Das gesamte Programm ist online unter www.gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus.de abrufbar. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, sofern nicht anders angegeben.

Über das Bündnis 27. Januar

Das Göttinger Bündnis 27. Januar gibt es seit 23 Jahren. Die mitwirkenden Gewerkschaften, Vereine, Gemeinden und politischen Gruppen sind nicht stets dieselben. Die folgenden 19 sind 2019/20 an Konzeption und Organisation beteiligt:

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), Regionalgruppe Hannover und Südniedersachsen

Amnesty International Göttingen

Dauerausstellung Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit, Südniedersachsen 1939 – 1945

Bildungswerk ver.di, Göttingen

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

f_act — feminist action, Göttingen

[femKo] queerfeministische Kooperation, Göttingen

Freie Altenarbeit Göttingen

Geschichtswerkstatt Duderstadt

Geschichtswerkstatt Göttingen

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Göttingen

Jüdische Gemeinde Göttingen

Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen

Jüdisches Lehrhaus Göttingen

KZ-Gedenkstätte Moringen

Projektwerkstatt „Spurensuche“ Hoher Hagen, Dransfeld

Roma Center Göttingen

Verein „NS-Familien-Geschichte: hinterfragen – erforschen – aufklären“, Göttingen

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Göttingen

Von Lea Lang

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