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Göttingen Bürger sollen beim Wind mitreden
Die Region Göttingen Bürger sollen beim Wind mitreden
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18:39 01.07.2011
Von Jürgen Gückel
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Friedland

Noch im Bauausschuss waren sich die Fraktionen uneinig, ob nicht erst Fachleute ein neues Konzept ausarbeiten sollen. Bisher hält die Gemeinde nur ein Windkraft-Vorranggebiet bei Deiderode vor. Jetzt erhielt SPD-Fraktionsvorsitzende Margot Blotevogel einstimmige Zustimmung für ein vorgezogenes Bürgergespräch. Auf dem Tisch liegen drei Anträge von Investoren über neue Anlagen bei Lichtenhagen, Reckershausen und Reiffenhausen, deren Standorte allerdings alle in Natur- oder Landschaftsschutzgebieten liegen.

Bei dem Bürgergespräch soll über ein weiteres Thema gleich mit informiert werden: Der Abschluss eines Konzessionsvertrages für das Stromnetz im Gemeindegebiet. Seit zwei Jahren diskutiert die Politik bereits die mögliche Verlängerung des zum 31. Dezember 2011 auslaufenden Stromkonzessionsvertrages. Die Grünen-Fraktion drängt auf den Abschluss mit einem neuen Anbieter, der die Gemeinde am Netz beteiligt. Vier Interessenten blieben zuletzt für einen Abschluss übrig, darunter die Eon Mitte, die das Netz bisher betreibt.

Der Verwaltungsausschuss entschied sich nach langer Diskussion für einen neuerlichen Abschluss mit der Eon, weil deren Angebot ein Sonderkündigungsrecht nach fünf Jahren vorsieht. Dann könnte nach sorgfältiger Vorbereitung und eventuell mit anderen Gemeinden in ein Kooperationsmodell gewechselt werden, argumentierte Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). Der Ausschuss war sich außerdem einig, dass den Vertrag noch der Rat in alter Besetzung (also vor den Kommunalwahlen) entscheiden solle.

Die Grünen kündigten in der Sitzung am Donnerstag an, dass sie die Entscheidung für den Atomkraft-Konzern Eon nicht mittragen würden - offenbar auch aus ideologischen Gründen, denn parallel lag ein Antrag auf dem Tisch, alle Stromlieferverträge „umgehend“ zu kündigen und nur noch Ökostrom zu beziehen.

Nach heftiger Debatte vertagte der Rat seine Entscheidung bis zur letzten Ratssitzung der Wahlperiode am 6. September. Bis dahin soll den Bürgern am runden Tisch zur Windkraft auch erklärt werden, warum ein neuerlicher Abschluss mit der Eon sinnvoll sei, auch wenn in fünf Jahren zu einem Stromnetz-Kooperationsmodell unter gemeindlicher Beteiligung gewechselt werden sollte.

Auch die Entscheidung über einen Stromanbieterwechsel vertagte der Rat. Er verwies sie zur Diskussion in den Fachausschuss. Die Verwaltung solle aber möglichst bald eine Übersicht über alle Stromlieferverträge erstellen. Erst dann, so CDU-Fraktionsmitglied Dirk Böning, könne man über Konditionen oder einen möglichen Wechsel reden. Böning: „Nicht zwei Schritte auf einmal.“