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Göttingen Bürger zu Geldwäsche verleitet
Die Region Göttingen Bürger zu Geldwäsche verleitet
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20:28 08.11.2010
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So bekam ein Göttinger kürzlich per E-mail ein „Jobangebot“ für eine Arbeit, „die keine speziellen Fertigkeiten und keine Geldanlagen verlangt“. Die Entlohnung ist attraktiv: „Mit uns können Sie leicht 5000-6000 Euro pro Monat verdienen, dabei brauchen Sie für diese Arbeit 2-3 Stunden pro Tag 1-2 Mal pro Woche.“ Die Aufgabe: „Geldüberweisungen auf Ihr Konto zu erhalten, das Geld in bar abzuheben und abzüglich Ihrer Provision unserem Agenten per System der Bargeldüberweisungen Western Union oder Money Gram zu überweisen. Gewöhnlich überweisen wir auf Ihr Konto 4000-6000 Euro. Ihre Provision wird 20 Prozent von jeder Geldüberweisung ausmachen. (...) Auf diese Weise, wenn Sie 6000 Euro auf Ihr Konto erhalten, verdienen Sie 1200 Euro.“
Diese Nebentätigkeit, versprechen die Betrüger, „verletzt nicht Gesetze von BRD. Es gibt überhaupt kein Risiko für Sie. Sie werden keinen Verdacht bei der Bank und bei der Steuerbehörde erregen, wenn Sie 1-2 Geldüberweisungen pro Woche auf jedes von Ihren Konten bekommen werden.“ Interessenten sollten per E-Mail Name, Adresse und Telefonnummern angeben. Statt auf das Angebot einzugehen, informierte der Empfänger per Mail das Tageblatt: „Das ist höchstwahrscheinlich Betrug.“
So ist es: Wer auf das Angebot eingeht, warnen Verbraucherschützer und Polizei, läuft große Gefahr, sich strafbar zu machen. So wurde vor zwei Jahren ein Mann aus Duderstadt zu einem Jahr Haft verurteilt, weil er auf genau die gleiche Weise als Finanzagent für Betrüger tätig war. Er hatte regelmäßig Gelder auf Konten im russischen St. Petersburg weitergeleitet. Dass es sich dabei um bandenmäßigen Betrug gehandelt habe, hätte dem Angeklagten klar gewesen sein müssen, begründete das Gericht das Urteil.
Im jetzt aufgedeckten Fall ermittelt die Polizei nicht nur gegen die Drahtzieher des Massenbetrugs, sondern auch gegen deren Helfershelfer: Bislang haben die Ermittler 470 „Finanzagenten“ ausfindig machen können. Ihnen wird jetzt Geldwäsche vorgeworfen. Die international agierenden mutmaßlichen Haupttäter hatten laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Landeskriminalämter Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit etwa 260 manipulierten Überweisungen versucht, mindestens 1,65 Millionen Euro umzuleiten.

Von Matthias Heinzel