Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Bürgerinitiativen kritisieren Forderung nach Windkraftstandorten in Waldgebieten
Die Region Göttingen Bürgerinitiativen kritisieren Forderung nach Windkraftstandorten in Waldgebieten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:11 18.04.2014
Von Gerald Kräft
200-Meter-Windrad: Kasseler Stadtwerke bauen im hessischen Wald südlich von Landwehrhagen. Quelle: Meder
Anzeige
Göttingen

Das „Bürgernetzwerk Energiewende Niedersachsen-Hessen“, ein Zusammenschluss zahlreicher Bürgerinitiativen auch aus dem Landkreis Göttingen, lehnt die „Begehrlichkeiten“ nach dem Wald strikt ab.

Die Bürgermeister der Flecken Nörten-Hardenberg und Bodenfelde sowie der Städte Hardegsen, Moringen und Dassel hatten sich kürzlich wie berichtet an den niedersächsischen Ministerpräsidenten gewandt und Genehmigungen zum Bau von Windkraftanlagen in südniedersächsischen  Wirtschaftswäldern eingefordert.

Anzeige

Auch in der Samtgemeinde Dransfeld und der Gemeinde Staufenberg wird an Standorte im Wald gedacht. Der Bau von Windrädern im Wald wird in Niedersachsen bislang aber nur genehmigt, wenn es keine anderen Flächen gibt und im Wald eine Vorbelastung nachweisbar ist. Deshalb solle das Landesraumordnungsprogramm geändert werden, so der Wunsch. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) arbeitet an neuen Vorgaben zur Windparkplanung.

Verspäteter Aprilscherz

Das Bürgernetzwerk betrachtet die Stellungnahme der fünf Bürgermeister aus Northeim als „verspäteten Aprilscherz“. Nach reiflicher Überlegung sei das Netzwerk zu dem Entschluss  gekommen, „dass man diesem  Unsinn energisch widersprechen muss, zumal es fraglich ist, ob diese fünf Personen in Abstimmung mit ihren Bürgern und Ratsmitgliedern gesprochen haben“, heißt es einer Stellungnahme des Netzwerkes unter der Überschrift „Kahlschlag im Wald“.

Zumindest in einem Fall sei bereits nachgewiesen, dass der Bürgermeister gegen eine entgegengesetzte Ratsentscheidung seine Privatansicht kundgetan habe.

Im vergangenen Jahr sei der Solling zum „Wald des Jahres“ erklärt worden, so das Netzwerk, und nun wollten drei Bürgermeister von Orten, die sich selbst als „Tor zum Solling“ bezeichnen, nämlich Hardegsen, Dassel und Bodenfelde, Windräder in den Wirtschaftswald bauen.

Wirtschaftswald unsinniger Begriff

Bereits den Begriff  „Wirtschaftswald“ könne man als Unsinn bezeichnen, da, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jeder Wald bewirtschaftet werde. In Niedersachsen stünden bereits rund 25 Prozent aller Windkraftanlagen Deutschlands. Damit sei Niedersachsen schon vor zwei Jahren absoluter Spitzenreiter in Sachen Windkraft gewesen.

Fast der gesamte Sollingraum sei als Landschaftsschutzgebiet eingestuft und dort dürfe, so auch die neue Landesregierung, kein Windrad gebaut werden. Das Netzwerk verweist auf die Entscheidung des Landes Bayern mit 2000 Meter Abstand zu Wohngebäuden und fordert: „Also  belassen wir die schöne Naturlandschaft Südniedersachsens als begehrenswerten Lebensraum für Menschen und Tiere so, wie er ist.“

Die Begehrlichkeit, Großwindkraftanlagen in Wälder zu bauen, bestehe auch bei anderen  Kommunen und bei privaten Waldbesitzern. Es locke der hohe Gründstücksertrag und das Wunschdenken nach Gewerbesteuererträgen. Statt den Bau neuer Windkraftanlagen mit Subventionen zu forcieren, sollte alle wissenschaftliche und finanzielle Kraft in Entwicklung und Bau von leistungsfähigen Großspeicheranlagen  investiert werden, fordert das Netzwerk.

Erst dann könne der Bau von zusätzlichen Anlagen an windgünstigen Standorten weitergehen.