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Göttingen Bürgermeister übt Kritik an Staatsanwaltschaft
Die Region Göttingen Bürgermeister übt Kritik an Staatsanwaltschaft
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21:09 28.11.2010
Der ermordete Tobias wird am Sonnabend zu Grabe getragen. Am Sarg Pastor Marc Trebing.
Der ermordete Tobias wird am Sonnabend zu Grabe getragen. Am Sarg Pastor Marc Trebing. Quelle: DPA
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In einem bewegenden Gottesdienst erinnerten hunderte Verwandte, Freunde und Mitschüler an den beliebten 13-jährigen Jungen.
Unterdessen erhob der Bürgermeister Bodenfeldes, Hartmut Koch (Unabhängige Wählergemeinschaft), schwere Vorwürfe gegen die für den mutmaßlichen Täter Jan O. zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg. „Wenn vor drei Wochen Jan O. festgesetzt worden wäre, würden beide Kinder noch leben“, sagte Koch in der Fernsehsendung „Hallo Niedersachsen“. Die Polizei habe „auf Knien bittend“ versucht, einen Antrag auf Sicherungshaftbefehl zu erwirken. Der Anlass: Der wegen Diebstählen verurteilte Jan O. hatte mehrfach gegen Bewährungsauflagen verstoßen – unter anderem wegen Alkoholkonsums trotz Entziehungskur. Außerdem hatte er ein Feuer in einem Schuppen angezündet, das auf ein Wohnhaus übergriff.
Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts lehnte nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Lüneburg einen Haftbefehl dennoch ab, bestätigte eine Sprecherin des Stader Gerichts. Für Kammer und Staatsanwaltschaft seien fahrlässige Brandstiftung und Alkoholmissbrauch keine ausreichenden Gründe für Erlass eines Sicherungshaftbefehls gewesen. Dieser dürfe mit Blick auf einen drohenden Widerruf der Bewährung wegen Fluchtgefahr oder wegen Gefahr schwerer neuer Straftaten erlassen werden. „Es gab bei Jan O. keinerlei Hinweise auf ein Gewaltpotenzial“, betonte die Sprecherin.
Allerdings habe das Gericht nach Berichten über neuerliche Diebstähle von Jan O. ein Gespräch für den 25. November über eine erneute Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angesetzt. An diesem Tag jedoch waren Nina und Tobias bereits tot.

hein/lni/dapd