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Göttingen Bußgang im Stadt-Land-Konflikt der Kirche
Die Region Göttingen Bußgang im Stadt-Land-Konflikt der Kirche
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19:00 21.03.2012
Von Jörn Barke
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Göttingen

Auslöser war eine von der Landessynode beschlossene Gesetzesänderung, die dazu führt, dass kleine Landgemeinden künftig weniger Delegierte und damit weniger Einfluss im Kirchenkreistag (KKT) haben werden. Die Kritik entzündete sich auch daran, dass die Göttinger Innenstadtgemeinden Jacobi und Johannis mit Anträgen Lobbyarbeit für das Gesetz betrieben hatten, ohne dass dies im KKT kommuniziert worden war.

In der aktuellen Sitzung bemühte sich die Kirchenkreisleitung darum, die Scherben zusammenzufegen. Es gab gleich mehrere zerknirschte Stellungnahmen zu dem Thema, die den Charakter eines Bußgangs annahmen. Kirchenkreisamts-Leiterin Christina Klett räumte in einer schriftlichen Erklärung ein, dass die Anträge der Innenstadtgemeinden nicht wie vorgesehen an den Kirchenkreisvorstand (KKV) weitergeleitet worden waren. Sie übernahm die Verantwortung für diesen Fehler, schloss aber aus, dass es sich um bewusste Nicht-Information gehandelt habe.

Kommunikationspannen

Superintendent Friedrich Selter zeigte sich in einer sehr ausführlichen persönlichen Stellungnahme sehr betroffen von den Ereignissen. Aus heutiger Sicht habe er die Bedeutung der Anträge unterschätzt – andere drängende Probleme hätten im Vordergrund gestanden. Zugleich habe es Kommunikationspannen gegeben. Dafür übernehme er die Verantwortung. Er werde sich weiterhin „für absolute Offenheit und Transparenz“ einsetzen, so Selter, der zugleich betonte, die Landgemeinden lägen ihm genauso am Herzen wie die Stadtgemeinden. Selter bat die KKT-Mitglieder darum, ihm weiter das Vertrauen zu schenken und weiter beim Prozess des Zusammenwachsens des „schönen und schwierigen Kirchenkreises“ mitzuwirken.

Der KKV akzeptierte die Erklärungen der Kirchenleitung und sprach dieser das Vertrauen aus. Horst Lubach aus der Gemeinde St. Jacobi sagte darüber hinaus, der seit der Zusammenlegung der drei ehemaligen Göttinger Kirchenkreise schwelende Stadt-Land-Konflikt sei noch nie ernsthaft behandelt worden. Dieser Konflikt sollte auf einem kommenden Kirchenkreistag ausdrücklich zum Thema gemacht werden, so der Vorschlag von Lubach, der für die beiden in der Kritik stehenden Innenstadtgemeinden sprach.

Resolution

Unabhängig davon beschloss der KKT mehrheitlich eine von der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Kirchen in der Region Friedland eingebrachte Resolution. Darin wird scharf kritisiert, dass die Landessynode einen für den KKT existenziellen Beschluss gefasst habe, ohne einen Konsultationsprozess einzuleiten. Das sei eine Missachtung des lokalen Parlamentes.