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Göttingen Wenig Parkraum, viel Konkurrenz
Die Region Göttingen Wenig Parkraum, viel Konkurrenz
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00:30 01.12.2017
„Attraktivität und Erreichbarkeit der Göttinger Innenstadt": Arne Decker referiert in der Scharwache im Bullerjahn.
„Attraktivität und Erreichbarkeit der Göttinger Innenstadt": Arne Decker referiert in der Scharwache im Bullerjahn. Quelle: Bänsch
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Göttingen

„Das Thema ist noch nicht prominent genug auf der Tagesordnung.“ Mit diesen Worten ist Moderator und stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender Ludwig Theuvsen am Montagabend in das Gespräch über die Attraktivität und Erreichbarkeit der Göttinger Innenstadt gestartet. Eingeladen zur Podiumsdiskussion in der Scharwache hatte die CDU-Ratsfraktion.

Eine Innenstadt müsse sich heute in gleich mehreren Wettbewerben behaupten: mit anderen Städten, mit Standorten auf der grünen Wiese und mit dem Online-Handel. Ziel der Veranstaltung solle es sein, zu thematisieren, wie sich Göttingen in diesem Spannungsfeld bewege, so Theuvsen.

„Eine gute Zwei“

Und während sich die Göttinger City draußen im schönsten vorweihnachtlichen Glanz und südniedersächsischen Schmuddelwetter präsentierte, hielt im Inneren Arne Decker vom Handelsverband Hannover einleitend ein Referat zur Situation des Innenstadthandels. Er persönlich käme immer wieder gerne nach Göttingen und gebe der Stadt „eine gute Zwei“. Unglücklicherweise spiegele das nicht die Stimmung des Handels und der Kunden wider.

„Der Kunde muss heute nicht mehr bei schlechtem Wetter in der schmuddeligen B-Lage einkaufen“, betonte Decker. Auch wenn aktuell der Online-Handel lediglich 20 Prozent ausmache, dürfe man sich nicht mit der Situation zufriedengeben. Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre unterstreicht Deckers Warnung. Lag der Anteil der traditionellen Käufer, die niemals im Internet kaufen würden, im Jahr 2012 noch bei über 50 Prozent, ist der Wert innerhalb von nur drei Jahren auf 32 Prozent gesunken.

Mitten in der Stadt und keine Parkplätze

2016 erhielt Göttingen im Rahmen einer groß angelegten Kundenbefragung „Vitale Innenstädte“ die Note 2,5 und lag damit knapp über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings benannten die Befragten auch die Schwächen der 121 untersuchten Städte. In Göttingen leuchtete die rote Ampel vor allem bei den Parkmöglichkeiten. Und dieses Thema prägte auch die Diskussion am Montagabend in der Scharwache. Der Dehoga-Vorsitzende Olaf Feuerstein machte das Anliegen vieler Innenstadt-Händler und Gastronomen am eigenen Beispiel deutlich: Eine Restaurant wie das Bullerjahn sei die Höchststrafe. „Mitten in der Stadt und keine Parkplätze. Dafür haben die Gäste nach einem langen Fußmarsch richtig Hunger, wenn sie endlich bei uns ankommen“, scherzte der Gastgeber des Abends.

Auch die stellvertretende Pro-City-Vorsitzende Susanne Heller hatte eine bessere Erreichbarkeit der Innenstadt ganz oben auf ihrer Wunschliste. „Das ist der große Malus der Göttinger City.“ Und Heller ist sich sicher, die Nachfrage nach Parkraum werde steigen, wenn mit dem Forum Wissen und dem Kunstquartier zwei weitere große Publikumsmagneten ohne Parkplätze eröffnen. Für die Anliegen der älteren Bevölkerung machte sich die Zahnärztin Gisela Gode-Troch stark. „Wir reden immer von den 30 000 Studenten in der Stadt. Nicht aber von den 80 000 Menschen, die die etwa 140 Arztpraxen und anderen Gesundheitseinrichtungen innerhalb des Walls nutzen wollen.“ Besonders schwierig werde die Situation für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind.

Zweijährige Suche nach Parkraum

Als „Herr der Parkhäuser“ verriet Frank Wiegelmann, Geschäftsführer der Stadtwerke, dass man seit zwei Jahren nach einer Möglichkeit suche, das Parkangebot auszuweiten. „Wenn ein Grundstück gefunden wird, sind wir dabei.“ Dabei liegt die tatsächliche Zahl der Parkplätze in Göttingen sogar über dem Schnitt der 2016 untersuchten Städte. Diese allerdings sind oft an Dauerparker vergeben oder aber nicht zu finden. Die gute Nachricht des Abends kam dazu von Stadtbaurat Thomas Dienberg: Ein neues Parkleitsystem ist in Arbeit.

Weitere Kritikpunkte, die im Rahmen der CDU-Veranstaltung zur Sprache kamen: Der Busverkehr schneide die Nebenstraßen von der Innenstadt ab, verschmutze die Umwelt und beschädige die Straßen- und Gebäudesubstanz. Das Sortiment des Innenstadthandels richte sich zu sehr an ein junges Publikum und sei vor allem für ältere Kunden nicht ausreichend. Der Lieferverkehr und das illegale Befahren der Fußgängerzone schade dem Ambiente und gefährde die Passanten. Hier müsse es deutlichere Regeln und bessere Kontrollen geben.

Moderator Theuvsen schloss den Abend mit den Worten: Viele der wertvollen Anregungen seien nicht leicht umzusetzen. „Aber auch dicke Bretter muss man irgendwann mal anfangen zu bohren.“

Von Markus Scharf

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