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Göttingen CDU setzt auf Grün: Ratsfraktion will Dächer von Bushaltestellen begrünen
Die Region Göttingen CDU setzt auf Grün: Ratsfraktion will Dächer von Bushaltestellen begrünen
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20:43 26.08.2019
Begrünte Bushaltestellen als Maßnahme zum Klima- und Artenschutz. Die CDU macht sich dafür auch in Göttingen stark. Quelle: BuGG
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Göttingen

Vorbild Utrecht: Im Frühjahr hatte die Stadtverwaltung der niederländischen Stadt mehr als 300 Bushaltestellen mit pflegeleichten Stauden und Pflanzen begrünt – für Bienen und andere Insekten. Ein Zeichen gegen Artensterben und Feinstaub und besseres Klima. Die CDU in Göttingen ist begeistert. So vermeintlich simpel, so vermeintlich effektiv.

Utrecht macht vor, wie es geht. Gerade jetzt, wo bei uns so viele Bushaltestellen umgebaut werden, fragen wir uns, ob das nicht auch ein Modell für Göttingen wäre, um simpel und zugleich effektiv etwas gegen das Artensterben zu tun?“, fragt die CDU-Umweltpolitikerin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katharina Schüle-Rennschuh im Rat der Stadt. So würden die Pflanzen auf den Dächern sowohl Insekten, insbesondere Bienen und Hummeln, wertvollen Nektar liefern als auch Feinstaub aus der Luft filtern und darüber hinaus an heißen Tagen den Wartenden Abkühlung spenden, lautet die Überlegung der CDU.

Katharina Schüle-Rennschuh (CDU) Quelle: R

Auch könnten Solarzellen auf den Dächern der Haltestellen künftig Strom für das Fahrgast-Informationssystem oder die Werbetafeln an den Haltestellen liefern, sollte eine Begrünung aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren. „Wir sind davon überzeugt, dass unsere Bushaltestellen mehr können, als nur ein Dach über dem Kopf zu bieten“, sagte Schüle-Rennschuh.

Antwort von Verwaltung und GöVB steht aus

Um die Möglichkeiten hier auszuloten, was auf Göttingens Haltedächern möglich ist, hat die Fraktion eine Anfrage zu Grundvoraussetzungen wie Statik, Kosten und Nutzen an die Stadtverwaltung und die Göttinger Verkehrsbetriebe gestellt. Eine Antwort von Verwaltung und GöVB steht aber noch aus.

Die Göttinger CDU ist in guter Gesellschaft: So haben etwa sowohl die Grünen in Bremen und Düsseldorf als auch die CDU in Hamburg und Hannover im Juli und August in ihren Städten ähnliche Vorschläge gemacht.

Gegen Überhitzung, für Artenvielfalt

Der Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) ist begeistert von dem Engagement in Utrecht. So seien Gründächer „nachweislich wirksame“ Maßnahmen um die Überhitzung in den Städten zu mindern und die Artenvielfalt in der Stadt zu erhöhen. Zudem würden sie helfen, Feinstaub zu binden und Luft zu reinigen, heißt es in einer Mitteilung.

Die grünen „Beestop“ Haltestellen in Utrecht

„Neben Bussen können nun auch Bienen und andere Insekten an den Utrechter Bushaltestellen anhalten. Ein vorbildliches Beispiel, das hoffentlich viele Nachahmer findet“, sagt BuGG-Präsident Gunter Mann. „Denn auch durch die Begrünung von Kleingebäuden, wie beispielsweise Fahrgastunterstände, können Städte ihren Beitrag zur Klimaanpassung, Artenschutz und Dekarbonisierung leisten und Vorbild sein.“

De komende maanden worden in de stad 316 bushaltes vergroend. Vandaag belegde wethouder Kees Diepeveen deze halte aan de...

Gepostet von Gemeente Utrecht am Mittwoch, 24. April 2019

Zuspruch von Naturschützern und Politik

„Grüne Oasen“ – Gärten, Parks, Bäume – seien „das wichtigste Mittel“ für ein „angenehmes, gesundes Kleinklima und eine lebendige Innenstadt“, erläutert Ricarda Prüßner, Leiterin der Geschäftsstelle des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Göttingen (Bund). Bushaltestellen zu begrünen, sei dabei „sicherlich“ eine Option.

Allerdings, so Prüßner, sollte dabei auf ein ganzheitliches Konzept gesetzt werden, statt kleine Einzelmaßnahmen zu realisieren. Untersuchungen zu folge, könnten etwa Solaranlagen dann effektiv Nutzen bringen, wenn Sie auf einem begrünten Dach installiert würden.

„Die Dachbegrünung kühlt die Solarelemente auch an heißen Tagen auf eine gute Arbeitstemperatur“, erklärt Prüßner. In Kombination mit vertikaler Begrünung, durch hängende oder kletternde Pflanzen, würde sich eine so begrünte Bushaltestelle sicherlich zu einer kühlen, artenreichen, grünen Oase entwickeln. „Wichtig ist jedoch, artenreiche, heimische Bepflanzungen zu verwenden und die Statik der Grundkonstruktion im Vorhinein zu prüfen“, rät sie.

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Mit begrünten Dächern von Bushaltestellen will die Ratsfraktion einen Beitrag gegen Bienen- und Hummelsterben leisten.

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Die Stadt Göttingen bietet nach eigenen Angaben auf rund 235 Hektar öffentlicher Grünflächen in für Honig- und Waldbienen geeignetes Nahrungsangebot an, heißt es auf der Seite der Stadtverwaltung. Zu den Maßnahmen der Stadt Göttingen zum Schutz der Bienen gehören unter anderem die Anlage von Blühstreifen, der Verzicht auf Pestizide und die Pflege öffentlicher Flächen durch geschultes Personal.

Reaktionen aus den Ratsfraktionen

Die Fraktionen von SPD und Grünen sowie die Ratsgruppe aus Piraten und Die Partei haben den Vorstoß der CDU grundsätzlich begrüßt.

Volker Grothey von der SPDbetont die „immense Bedeutung“ von Honig- und Wildbienen von für das Ökosystem. Zudem sei von blütensuchenden Insekten mehr als ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion davon abhängig. „Der erneute Vorstoß zur Bienenfreundlichkeit ist ein charmanter Tupfer in der Klimaschutz- und Mobilitätsdiskussion, der bereits 2013 beschlossen wurde. Wiederholung schadet nicht“, urteilt Grothey über den CDU-Vorschlag. Dieser sei nicht der erste im Rat und in den Ortsräten der Stadt.

Positive Reaktion auch vom Fraktionschef der Grünenim Rat, Rolf Becker. Er gibt aber zu bedenken, dass, „anders als die CDU suggeriert“, sich alleine durch diese Maßnahme „wohl kaum das Artensterben“ aufhalten lasse. „Wir brauchen vielmehr flächendeckend mehr Dach- und Fassadenbegrünung“, forderte Becker, um das Mikroklima in der Stadt verbessern , Lebensbedingungen für Insekten zu stabilisieren und einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Biodiversität zu leisten. Er kündigte einen Antrag an, der Dach- und Fassadenbegrünung in der Bauleitplanung fordere und als Standard in Bebauungsplänen festschreibe.

„In Zeiten des immer stärker zunehmenden Insektensterbens müssen aus Sicht der Ratsgruppe alle möglichen Maßnahmen ergriffen werden, um dem Artensterben entgegen zu wirken“, heißt es von der Piraten-und-Partei-Ratsgruppe. Nicht nur eine Umstellung in der Landwirtschaft sei dafür notwendig, sondern auch Schutz und Unterstützung in den Städten. „Wenn andere Städte damit bereits gute Erfahrungen gemacht haben, sollte Göttingen schnellstmöglich nachziehen.“ Hohe Umbaukosten sollten kein Ablehnungsgrund für die Maßnahme sein. „Beim Schutz unserer Insekten darf Geld nicht der entscheidende Faktor sein. Wir sind verpflichtet alles zu tun, um unser Ökosystem zu schützen.“

Umweltausschuss tagt am Donnerstag

Ihre Anfrage zu den bienenfreundlichen Bushaltestellen hat die CDU-Ratsfraktion zur Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag, 29. August, gestellt. Die Verwaltung hat zugesagt, Antworten auf die Fragen der CDU zu liefern. Die CDU will unter anderem von Verwaltung und Göttinger Verkehrsbetriebe wissen, wie teuer die Begrünung eines Haltestellendaches kommt und wie viele Haltestellen überhaupt dafür geeignet wären. Auch erfragt sie Kosten und Nutzen von Solarzellen auf den Bushaltestellen, um damit das Fahrgast-Informationssystem der Haltestelle mit Strom zu versorgen.

Weitere Themen sind das Parkraumkonzept für die Oststadt und der Masterplan Carsharing. Beides will die Verwaltung erörtern. Zum „Ausbau des Carsharing-Angebots in Göttingen“ hatten SPD und Grüne einen Antrag erarbeitet. Der sieht vor: Jede Carsharing-Firmen bekommt dann kostenlos drei Straßenrand-Stationenplätze in „attraktiver, zentraler Lage für drei Jahre“, wenn sie im Gegenzug „mindestens 3 Stellplätze in einem Vorort beziehungsweise Stadtrandbereich (nicht Geismar)“ einrichtet und diese für mindestens 3 Jahre betreibt.

Die Sitzung beginnt um 16.30 Uhr in Raum 118 des Neuen Rathauses in Göttingen, Hiroshimaplatz 1-4.

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Von Michael Brakemeier