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Göttingen CDU gegen Wohnheim-Verkäufe
Die Region Göttingen CDU gegen Wohnheim-Verkäufe
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17:41 08.01.2019
Das Studentenwerk will offenbar das Wohnheim an der Bürgerstraße 50a an die nutzer verkaufen. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Die CDU appelliert an das Studentenwerk, „nicht vor der Aufgabe der Sanierung der Gebäude samt folgender Mieterhöhung zu resignieren, sondern diese im Interesse aller Göttinger Studenten durchzuführen, um langfristig dem angespannten Wohnungsmarkt weitere Wohnheimplätze zur Verfügung stellen zu können“, erklärt die Fraktion.

„Noch mehr Ungerechtigkeit“

„Ein Verkauf bedeutet für Studenten noch mehr Ungerechtigkeit auf dem Göttinger Wohnungsmarkt“, betont Fraktionschef Olaf Feuerstein. Es sei bereits jetzt nicht mehr sicherzustellen, „dass die betroffenen Wohnheime für eine studentische Unterbringung im eigentlichen Sinne, mit fairen und geregelten Bewerbungsbedingungen für alle Studenten gleichermaßen, genutzt werden könnten“. Mit einem Verkauf gebe man nicht nur dieses Ziel völlig preis, sondern veräußere auch ohne Not potenziell wertvolle und hilfreiche Immobilien.

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Feuerstein: „Anstatt wieder Kontrolle über die eigenen Wohnheime zu erlangen, gibt das Studentenwerk auf. Im Umkehrschluss bedeutet das für neu ankommende Studenten noch weniger günstige Wohnmöglichkeiten und so auch insgesamt ein noch größeres Chaos auf dem Göttinger Wohnungsmarkt“, so Feuerstein.

Die CDU erwarte nun vom Studentenwerk „eine Stellungnahme, zu welchen Konditionen und Auflagen dieser Verkauf erfolgen soll und in welcher Form die geplanten Renovierungsarbeiten auch vor der Veräußerung weiterhin durchgeführt werden“.

Studentenwerk widerspricht CDU

Das Studentenwerk weist die Vorwürfe der CDU zurück. Das „Vermietungsangebot bleibt trotz Hausverkäufe unverändert groß“, erklärte das Studentenwerk am Dienstag.

Die Geschäftsführung bedauere, „dass die CDU auf die Spekulationen eingestiegen ist, ohne sich zuvor beim Studentenwerk sachkundig zu machen“. Die Verkäufe schmälerten die Vermittlung von Wohnangeboten an die Studenten nicht. Im Gegenteil: „Durch den Wohnheimneubau Lutterterrassen auf dem Nordcampus wird es Ende 2019 eine erhebliche Erweiterung des Wohnplatzangebotes geben. Das neue Wohnheim wird zu einem hohen Prozentsatz kreditfinanziert und mit einem lediglich kleinen Zuschussanteil errichtet“, erklärt Studentenwerks-Geschäftsführer Prof. Jörg Magull.

Geld vom Land

Statt zu kritisieren, fordert Magull die Ratsfraktion der CDU - insbesondere Fraktionschef Feuerstein – dazu auf, sich bei seinem Parteifreund Minister Björn Thümler (CDU) „dafür einzusetzen, dass die Studentenwerke Niedersachsens adäquat finanziert werden, insbesondere bei Wohnheimneubauten und Sanierungen“. Im Haushalt 2019 der Landesregierung seien hierfür keinerlei Mittel verankert.

Außerdem widerspricht das Studentenwerk indirekt Informationen, nach denen auch über einen Verkauf des Wohnheims Rote Straße/Burgstraße mit seinen gut 60 Plätzen nachgedacht werde. Magull bestätigt nur „die ernsthafte Absicht des Hausverkaufs von zwei weiteren kleinen Objekten mit stark selbstorganisierten Wohnformen. Das Studentenwerk kann sich ähnliche Modelle für andere kleine Wohnheime mit schon jetzt sehr stark selbst organisierten Wohnformen ebenfalls vorstellen.“

„Weit unter Wert“

Für den Verkauf von Wohnheimen des Studentenwerks gibt es einen Präzedenzfall – die Veräußerung der Unterkunft Goßlerstraße 17/17a. Nach Tageblatt-Informationen soll der Verkauf des markanten Doppelhauses dem Studentenwerk nur einen mittleren fünfstelligen Betrag eingebracht haben. Sollte sich diese Summe bestätigen, erklärte Fraktionssprecher Lauritz Kawe am Dienstag, sei das Doppelgebäude „weit unter Wert“ verkauft worden.

Der Kurs des Studentenwerks löse zudem nicht das eigentliche Problem der Stadt: Angesichts der angespannten Wohnraumversorgung in Göttingen sei es derzeit die Hauptaufgabe der Organisation, den Studenten so viel bezahlbaren Wohnraum wie nur irgend möglich zur Verfügung zu stellen.

Von Matthias Heinzel

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