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Göttingen Erster CSD in Göttingen: Mehr als 1000 Teilnehmer ziehen durch die Stadt
Die Region Göttingen Erster CSD in Göttingen: Mehr als 1000 Teilnehmer ziehen durch die Stadt
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00:21 02.07.2019
Christopher Street Day (CSD) in Göttingen: Stolze Dragqueens Clumsy Twinkles Fauxwell und Renelopé Fauxwell (v.l.). Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Erstmals ist am Sonnabend in Göttingen eine Parade zum Christopher-Street-Day (CSD) gefeiert worden. Mehr als 1000 Teilnehmer zogen vom Neuen Rathaus durch die Stadt und zum Wilhelmsplatz.

Mehr als 1000 Teilnehmer beim CSD in Göttingen

Regenbogenflaggen überall: Die Demonstranten, die sich vor dem Neuen Rathaus für den Demonstrationszug trafen, hatten eine klare Meinung: „Wir wollen darauf hinweisen, wie wichtig der CSD ist“, sagte Renelopé Fauxwell. Die Göttinger Dragqueen war gemeinsam mit Drag-Tochter Clumsy Twinkles Fauxwell ein echter Hingucker. Auf mindestens 15 Zentimeter hohen, grünen Stilettos machte sie sich auf den langen Weg rund um die Stadt. „Göttingen ist ja nicht für einen CSD bekannt“, so Renelopé. Es sei schön, dass jetzt auch hier ein solcher Tag gefeiert werde. Das sei schließlich nicht selbstverständlich und man solle auch an die Menschen denken, die in Ländern leben, wo so etwas nicht möglich sei.

Demonstration zum CSD – keine Parade

Auch Mona Heileck marschiert mit – mit Flügeln und Make-up in Regenbogenfarben. „Ich bin seit vielen Jahren aus den CSD unterwegs“, erzählt sie. Hamburg, Köln, Hannover. „Wie schön, dass es jetzt eine Demonstration in meiner Stadt gibt“, sagt sie. Denn eine Parade sei die Veranstaltung ja nicht – es gab keine Wagen. „Ich freue mich total, auch auf die nächsten zwei, drei, 15 Jahre“, so die Göttingerin.

Viele junge Leute, Schüler und Studierende beteiligten sich am Göttinger CSD. An diesem Tag gehen seit 50 Jahren Menschen auf die Straße, um für Akzeptanz und Gleichberechtigung lesbischer, schwuler, bisexueller, trans, intergeschlechtlicher und anderer queerer Menschen zu demonstrieren.

Aber der CSD ist keine Frage des Alters: Auch Frank Schaub und Carsten Ertl sind mit von der Partie. Die beiden Männern waren die ersten, die in Göttingen geheiratet haben. Heute sind sie Anfang 50 und immer noch für sie Gleichstellung engagiert. „Ich verbringe hier meine Mittagspause, danach geht es wieder auf die Arbeit“, sagte Schaub, der als Altenpfleger arbeitet.

Im Netzhemd und mit Madonna durch die Stadt

„Es ist 12.12 Uhr, wir ziehen jetzt los“, gab Sandra Wolf dann vor dem Neuen Rathaus per Mikrofon durch. Sie ist Lehrerin am Hainberg Gymnasium und zählt zum Organisationsteam. Mit lauter Musik an der Spitze – Madonna halte zum Auftakt durch den Lautsprecher - setzte sich der lange Zug bei Hochsommerwetter in Bewegung. Wohl dem, der wie Fritz aus dem Landkreis Göttingen ein luftiges Outfit trug. Netzhemd, Schottenrock und jede Menge Piercings trägt er. „Das hier ist doch wunderbar, eine gute Sache“, sagt der Mann im gesetzten Alter.

Der CSD begann um 12 Uhr mit einer Demonstration am Neuen Rathaus – das ganz im Zeichen der Pride-Bewegung ebenfalls mit Regenbogenfahnen beflaggt war. Pride meint den Stolz der Schwulen-, Lesben und Queer-Menschen auf ihre Vielfalt und Identität. Die Route führte dann über Hospitalstraße, Gänselieselbrunnen und Weender Straße, weiter über die Berliner Straße und dann zurück in die Innenstadt, wo der Demonstrationszug am Wilhelmsplatz endete. Dort fand um 14 Uhr eine Kundgebung statt. Anschließend wurde dort bis 17 Uhr ein buntes Straßenfest gefeiert. Viele Gruppen und Institutionen waren mit Ständen und Mitmach-Aktionen vertreten.

Göttinger Schüler hatten die Idee

Die Idee für den Göttinger CSD hatte eine Schüler-Initiative, die Initiatoren trafen sich regelmäßig. Als der Planungskreis geöffnet wurde, bildete sich schnell ein großes Aktionsbündnis. Stephanie Leitz betreute den Stand des Queeren Zentrum. „Sag noch mal einer, die jungen Leute heute sind unpolitisch“, meinte sie. Sie schätzte die Zahl der Teilnehmer am ersten CSD auf „Zwischen 1000 und 1500 Leuten“. Leitz freut sich über die tolle Resonanz, zumal im Vorfeld viele Teilnehmer Angst hatten, in der kleinen Stadt erkannt zu werden. „Auch deshalb ist es so wichtig, dass wir das machen“, sagte sie.

Hintergrund

CSDs finden seit 50 Jahren in immer mehr Städten weltweit statt. Mit festlichen Paraden, politischen Kundgebungen und bunten Straßenfesten demonstrieren lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und andere queere Menschen für die gesellschaftliche Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Der CSD erinnert an den ersten Aufstand von Homosexuellen und Dragqueens gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street. In den 1960er Jahren gab es immer wieder gewalttätige Razzien in Lokalen, deren Kundschaft hauptsächlich aus schwul-lesbischer Klientel bestand, darunter viele Latein- und Afroamerikaner. Am 28. Juni 1969 begannen sich insbesondere Dragqueens, Trans-Latinas und Schwarze gegen die Kontrollen zu wehren. Es war der Auftakt zu tagelangen Straßenschlachten. Um dem Aufstand zu gedenken, wurde ein Jahr danach das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet, welches nun alljährliche Gedenkfeiern in New York ausrichtet. Daraus entwickelte sich in vielen Städten weltweit die Tradition, im Sommer Demonstrationen für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten zu organisieren.

Von Britta Bielefeld

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