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Göttingen Chaos-Mieter: Vermieter bleiben die Kosten
Die Region Göttingen Chaos-Mieter: Vermieter bleiben die Kosten
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19:37 13.08.2014
Von Jörn Barke
Müllhalde in der Wohnung: Vermieter-Foto des Abstellraums nach Auszug der Familie G. Quelle: EF
Göttingen

Auch auf den Landkreis Göttingen ist das Ehepaar nicht mehr gut zu sprechen. Denn der habe die Mieter-Familie vermittelt und betreut, wolle aber mit den Schäden nichts zu tun haben.

Die Geschichte: Dem Ehepaar gehört ein Mehrparteienhaus in der Gemeinde Gleichen. Dort zog Ende 2011 auch Familie G. in eine 140-Quadratmeter-Wohnung ein – die Miete zahlte das Sozialamt des Landkreises. Die Eltern hätten beim Vorstellungsgespräch einen vernünftigen Eindruck gemacht, berichtet Vermieterin T. Der bestätigte sich nach den Angaben des Vermieter-Ehepaars im Folgenden allerdings nicht. Eingezogen sei die Mutter G. mit einigen Kindern, der Vater habe sich überwiegend bei seiner zweiten Familie in einem anderen Ort aufgehalten.

Bald schon habe es erste Konflikte in dem Gleichener Miethaus gegeben. Familie G. habe den Müll nicht getrennt, die Nebenkosten – vor allem für Wasser – seien in schwindelerregende Höhen gestiegen, zeitweise hätten weitere Personen in der Wohnung gelebt, andere Mieter seien bespuckt und beschimpft worden.

Überall Müll und Dreck

In der Wohnung seien Schäden sichtbar geworden, auch im Badezimmer – Wasserschäden in anderen Wohnungen seien die Folge gewesen. Ein nicht ordnungsgemäß angeschlossener Ölofen habe einen Wohnungsbrand verursacht. „Die grüne Tonne dient auch zur Entsorgung von Essensresten, nicht aber dürfen halbe Tiere hierüber entsorgt werden“, schrieben die Vermieter unter anderem an die Familie. Viele Schreiben folgten, am Ende stand die fristlose Kündigung, die in diesem Jahr wirksam wurde.

Beim Auszug der Familie sei dann das ganze Ausmaß der Schäden, in etlichen Fotos dokumentiert, zutage getreten: Der Abstellraum sei voller Müll gewesen. Unter anderem seien außerdem zwei Fernseher, ein Kühlschrank, ein Bett, zwei Matratzen, Geschirr, Schrankteile und eine Waschmaschine in der Wohnung zurückgelassen worden.

Vor allem aber sei die Wohnung selbst ein „Totalschaden“. Fotos zeigen dreckige Wände mit abgeplatzter Farbe, fehlende Fußleisten, erhebliche Schäden am Fußboden, ein teilweise zerbrochenes und mit Klebeband geflicktes Waschbecken und fehlende Steckdosen. Die Vermieter haben der Mieter-Familie mittlerweile ein Hausverbot für das Grundstück erteilt.

Sanierungskosten von einigen zehntausend Euro

Auch auf den Landkreis ist das Ehepaar T. nicht gut zu sprechen. Der habe die Miete bezahlt und ab und an Familienhelfer vorbeigeschickt – dann allerdings sei vorher aufgeräumt worden. Für die Schäden in der Wohnung oder das Mitwohnen einer weiteren Person habe sich der Landkreis aber für nicht zuständig erklärt. Schließlich sei der Mietvertrag nicht mit dem Landkreis geschlossen, sondern mit den Mietern.

Die Argumentation stößt den Vermietern allerdings besonders sauer auf, zumal die Familie zuvor schon in der Gemeinde Friedland eine andere Wohnung zugrunde gerichtet haben soll. Dort hatte jedoch laut Verwaltung die Gemeinde den Mietvertrag unterschrieben und an die Familie untervermietet – ein Glück für den damaligen Vermieter, aber Pech für die Gemeinde Friedland.

Die sah sich nämlich nach eigenen Angaben Sanierungskosten in Höhe von einigen zehntausend Euro gegenüber – und habe intensiv mit dem Landkreis Göttingen diskutiert, inwieweit sich dieser daran beteiligt. Es gebe zwar Forderungen gegen die Familie, aber dass die öffentliche Hand von dem Geld, das sie für die Sanierung der Wohnung ausgegeben hat, noch einmal irgendetwas wiedersieht, glaubt man in der Friedländer Gemeindeverwaltung nicht. Dort heißt es allerdings auch, bei der Familie handele es sich um einen äußerst schwierigen Einzelfall.

"Ungewöhnlicher Einzelfall"

Auf Nachfrage bei der Mieter-Familie bestreiten Herr G. und ein Verwandter die Vorwürfe. Die Wohnungen seien nicht in Ordnung gewesen. Außerdem droht G. Vermieter T. und dem Journalisten, sie würden Probleme bekommen, wenn die Sache öffentlich werde. Dann kämen G. und seine Verwandten und würden „alles kaputt machen“.

Das Vermieter-Ehepaar T. wird wohl auf den Sanierungskosten sitzenbleiben – auch weil der Landkreis bei ihnen anders vorgegangen ist, als es zum Beispiel bei der Stadt Göttingen üblich ist. Die mietet nämlich laut Verwaltung in den meisten Fällen die Wohnungen für Flüchtlinge selbst an – und trägt dann auch das Risiko. Beim Landkreis hingegen werden nach Aussage der Verwaltung die Verträge grundsätzlich direkt zwischen Vermieter und Mieter geschlossen. Damit könne der Landkreis nicht zur Regulierung von Schäden herangezogen werden. Die Vermieter T. seien zudem „unter Berücksichtigung des Datenschutzes“ über die Umstände des Falls und „damit verbundene Risiken für ein Mietverhältnis“ aufgeklärt worden.

Dass es eine solche Aufklärung gegeben hat, bestreit das Ehepaar T. jedoch vehement. Nach der Tageblatt-Anfrage hat der Landkreis allerdings erklärt, aufgrund des „ungewöhnlichen Einzelfalles“ auf das Vermieter-Ehepaar T. zugehen zu wollen, um nach einer „einvernehmlichen Lösung“ zu suchen. Die Familie G. hat mittlerweile eine neue Unterkunft im Landkreis Göttingen gefunden, diesmal im Untereichsfeld. Auch dort soll es bereits erste Probleme geben.
Die im Artikel verwendeten Buchstaben sind keine Abkürzungen für die Namen.

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