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Göttingen Chaos und ein Disziplinarverfahren bei Schulanmeldungen
Die Region Göttingen Chaos und ein Disziplinarverfahren bei Schulanmeldungen
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14:50 21.06.2018
Geht bei der Schulanmeldung eigene Wege und erzürnt andere Schulen: die Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Eigentlich sollte es in diesem Jahr endlich einmal geordneter und stressfreier laufen als in den Vorjahren: Zum ersten Mal gab es gemeinsame Anmeldetage für die neuen fünften Klassen der Gymnasien und Gesamtschulen in Göttingen – einschließlich der IGS Bovenden, die zum Göttinger Verbund gehört. Davor gab es immer zwei Termine – erst für die Gesamtschulen, dann für die Gymnasien. Dagegen hatten die Gymnasien mehrfach protestiert.

Verfahren soll Ruhe bringen

Mit den neuen Verfahren sollte verhindert werden, dass viele Eltern ihre Kinder zunächst an einer der Integrierten Gesamtschulen (IGS) anmelden und sich erst bei einer Ablehnung von dort an ihr (Wunsch-)Gymnasium wenden. Davon hatte vor allem die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS Geismar) profitiert. Sie verzeichnete schon bei der Anmeldung seit vielen Jahren besonders viele leistungsstarke Schüler mit Gymnasialniveau und konnte auch einen Großteil aufnehmen.

Das neue Anmeldeverfahren hatten Vertreter der Schulen unter Regie des städtischen Schulamtes bei einer gemeinsamen Tagung vereinbart, die nach langem Zwist mehr Harmonie in die Göttinger Schullandschaft bringen sollte. Auch die Landesschulbehörde hatte dieses Vorgehen ausdrücklich angewiesen – verbunden mit einer weiteren Vorgabe: Bei der Anmeldung müssen Eltern und Schüler das letzte Grundschulzeugnis im Original vorlegen.

Wolfgang Vogelsaenger, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS Geismar). Quelle: Christina Hinzmann

Genau das aber hat die IGS Geismar ignoriert. Sie hat bei der Anmeldung Zeugniskopien akzeptiert. Folge: Viele Eltern haben ihr Kind mit dem Originalzeugnis noch am selben Tag auch an einem Gymnasium oder an einer Oberschule in Stadt und Region angemeldet. Erst nach der Zusage einer der Gesamtschulen haben sie ihre Zweitanmeldung zurückgezogen.

Das wiederum hat an den anderen Schulen nach Angaben von Schulleitern zu einem Chaos geführt: Bis zu 80 Schüler sollen ein paar tage nach der Erstanmeldung überraschend weggebrochen sein. Zu diesem Zeitpunkt hatten mehrere Schulen aber schon die angemeldeten Schüler in Klassen eingeteilt. Jetzt mussten sie teilweise eine ganze Klasse wieder streichen.

„Ich bin darüber sehr verärgert“

Göttingens Schuldezernent Siegfried Lieske kommentiert den Vorfall ungewöhnlich scharf: „Ich kann nur sagen, dass ich darüber sehr verärgert war und bin, zumal es anderslautende Absprachen gab, der auch die IGS zugestimmt hat.“ Mit solch einem Verhalten sei es schwer, den vielversprechenden begonnenen Dialog zum Erfolg zu führen.

Das sieht offenbar auch die Landesschulbehörde so: Sie bestätigt ein Disziplinarverfahren gegen den Leiter der IGS-Geismar, Wolfgang Vogelsaenger – und das unmittelbar vor seinem Abschied in den Ruhestand in der kommenden Woche. Weitere Angaben macht sie nicht.

Auch Vogelsaenger bestätigt das Verfahren gegen ihn – und den Auslöser. Die Schule habe bei der Anmeldung auf das Originalzeugnis verzichtet, „weil uns der Elternwille wichtig ist und wir die Annahme von Kopien zugesagt haben“. Die Eltern sollten selbst entscheiden, für welche Schulform sie ihr Kind anmelden, und dass sie sich nach einer IGS-Absage an ein bestimmtes Gymnasium wenden sollen. Und dass die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule auch Zeugniskopien akzeptiert, habe sie den Eltern auf einem Infoflyer und bei Infotagen zugesagt.

„Ich will das geklärt wissen“

Unabhängig davon gingen er und seine eingeschaltete Rechtsanwältin nach vorherrschender Rechtsmeinung davon aus, dass auch Kopien von Urkunden als solche anerkannt werden müssen, so Vogelsaenger: „Und das will ich mit dem jetzigen Verfahren für die nächsten Jahre gerne geklärt wissen.“

Inzwischen sind die Anmeldeverfahren abgeschlossen und die Klassen in den weiterführenden gebildet. Bei der Erstanmeldung gab es bei den Göttinger Gymnasien durch das neue Verfahren zunächst deutlich mehr Meldungen als in den Vorjahren – vor allem am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), am Hainberg-Gymnasium (HG) und am Max-Planck-Gymnasium (MPG). Weniger Anmeldungen gab es hingegen an der Neuen IGS in Weende und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) – besonders für den Gymnasialpool.

Die Anmeldezahlen

Die Anmeldezahlen der weiterführenden Schulen in Stadt und Landkreis Göttingen: Bei den Schulen in Göttingen sind die Anmeldezahlen an den Stichtag gelistet. Die Zahlen in Klammern geben hier an, wie viele Schüler schließlich aufgenommen werden konnten und wie viele Integrationskinder (I-Kinder) dabei sind. Die Zahlen der Schulen des Landkreises geben nur die aufgenommenen Kinder wieder (mit Ausnahme der IGS Bovenden).

IGS-Geismar - 255 (154, 10 I-Kinder), Geschwister-Scholl - 174 (161/19), Neue IGS - 77 (105/17), IGS Bovenden - 50 (63/11), Oberschule Bonifatius 45 (32)/2), Felix-Klein-Gymnasium 150 (145/0), OHG 204 (174/1), HG 176 (147/2), MPG 126 (144/2), Theodor-Heuss-Gymnasium 126 (118/0), Oberschule Groß Schneen – 92 (5 I-Kinder), Oberschule am Hohen Hagen Dransfeld – 30 (2 I-K), KGS Gieboldehausen – 103 (16 I-K), Hauptschule „Am Botanischen Garten“ Münden – 21 (6 I-K), Werra-Realschule Münden – 32 (3 I-K), Drei-Flüsse-Realschule Münden – 48 (0), Astrid-Lindgren-Hauptschule Duderstadt – 8 (2), Eichsfeld-Gymnasium – 124 (1 I-K), Grotefend-Gymnasium – 105 (0).

Die Schulen im Altkreis Osterode

Hauptschule Neustädter Tor – 24 (7), Realschule am Röddenberg – 87 (4), Oberschule Hattorf – 48, Oberschule Badenhausen – 29 (3), Oberschule - Herzberg ( 34 (3), Oberschule Bad Sachsa – 35 (6), Tilmann-Riemenschneider-Gymnasium – 94, Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium – 77, KGS Bad Lauterberg – 112 (3).

Von Ulrich Schubert

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