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Göttingen Chinaseuche macht Kaninchenhaltern zu schaffen
Die Region Göttingen Chinaseuche macht Kaninchenhaltern zu schaffen
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00:17 31.12.2016
Von Andreas Fuhrmann
Die sogenannte China-Seuche ist seit den 80er Jahren bekannt, doch nun bereitet ein neuer Virustyp nicht nur Kaninchenhaltern Sorge. Quelle: dpa
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Göttingen

Das Rabbit Haemorrhagic Disease Virus in der Variante 2 (RHDV-2) breitet sich seit 2015 von Frankreich kommend über das Bundesgebiet aus, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilt. Es gebe deutlich mehr Fälle als im vorigen Jahr. Das tatsächliche Krankheitsgeschehen spiegelt das aber nur ansatzweise wider. Die meist tödlich verlaufende Erkrankung, die auch Chinaseuche genannt wird, ist nicht meldepflichtig. Daher liegen kaum amtliche Daten zur Verbreitung vor. Das bestätigt auch Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises Göttingen. Das Phänomen sei dem Veterinäramt zwar grundsätzlich bekannt. „Es ist aber nicht meldepflichtig“, so Lottmann. Experten gehen daher von einer hohen Dunkelziffer bei den Krankheitsfällen aus. 

Zu Dr. Sigurd Laube, Tierarzt aus dem Göttinger Ortsteil Elliehausen, kommen in den vergangenen Wochen vermehrt Privatleute mit ihren kranken Kaninchen, wie er auf Anfrage bestätigt. „Ob es in allen Fällen RHD war, müsste man im Labor prüfen“, sagt Laube. Aber die Symptome seien meist eindeutig. Die Krankheit mache sich in der Regel durch Fieber und blutigen Ausfluss bemerkbar. Blutungen treten vor allem in den Atemwegen, in Magen, Darm und den Harnorganen auf. Die Tiere verenden meist wenige Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome, die Überlebenschance ist gleich null, wie Laube sagt. Das bestätigen auch Schauspieler aus dem Ensemble des Deutschen Theaters in Göttingen, deren Kaninchen dem Virus in den vergangenen Tagen zum Opfer gefallen sind, wie sie berichten.

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Die Chinaseuche, gegen die andere Tiere und Menschen immun sind, kann durch Insekten oder direkten Kontakt übertragen werden. Zumindest bei Hauskaninchen gibt es gegen die Seuche aber einen Schutz: Impfen. Das aber wüssten viele Privathalter gar nicht, sagt Thomas Menneke, Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins F128 Rosdorf: „Wir Kaninchenzüchter werden von den Verbänden informiert, Privathalter nicht.“ Daher seien seine Kaninchen auch alle geimpft. Zum Glück, sagt Menneke. Denn vor allem die aggressive Variante der Chinaseuche sei zuletzt auch hierzulande verstärkt aufgetreten. „Dieses Jahr ist richtig extrem“, sagt Menneke. Sogar einige Ausstellungen nördlich von Hannover seien wegen der Seuche ausgefallen. 

Einen Impfstoff zu bekommen, ist allerdings gar nicht so einfach, wie Tierarzt Laube sagt. Derzeit kommt der einzig verfügbare Impfstoff aus Frankreich und muss vom Tierarzt beantragt werden. „Derzeit bekomme ich zig Anfragen, ob ich den Impfstoff habe“, sagt Laube. „Ich habe ihn aber nicht.“ Das nehme skurrile Ausmaße an: „Jeder Kleintierhalter will seine Kaninchen schützen, aber das geht im Moment gar nicht.“ Daher könne er derzeit nur jedem raten, nicht zu Ausstellungen zu gehen und die Hygienevorschriften strikt einzuhalten. Sei das Tier erst einmal infiziert, könne man es kaum retten.

Die Aggressivität des Virus unterstreicht auch die Aussage von Ernst-Friedrich Wille von der Jägerschaft Göttingen. Ihm zufolge gibt es im Landkreis Göttingen kaum noch Wildkaninchen. Diesen habe die Chinaseuche bereits vor zehn bis zwölf Jahren arg zugesetzt. „Davon hat sich der Bestand nie wieder erholt“, sagt Wille.

Betroffene Tierarten

Auch Wildschweine sind derzeit von einer Seuche betroffen. Die Aujeszkysche Krankheit war Mitte Dezember erstmals bei Wildschweinen im Landkreis Göttingen festgestellt worden. Nachgewiesen wurde die Erkrankung bei Tieren, die im Bereich Bad Grund, Osterode-Freiheit und Hilkerode erlegt wurden. Bislang seien aber keine neuen Fälle hinzugekommen, sagte Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises Göttingen, am Mittwoch auf Anfrage. Der Landkreis mahnt Hundehalter, Jäger und andere Personen, die mit Wildschweinen in Berührung kommen können, aber weiter zur Vorsicht. Der Menschen ist für die Erkrankung nicht empfänglich.