Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Stadthalle: „Das Guckkastenmodell hat ausgedient“
Die Region Göttingen Stadthalle: „Das Guckkastenmodell hat ausgedient“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:46 16.02.2019
GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller mit Tageblatt Redakteurin Angela Brünjes in der GT-Townhall. Quelle: Foto: Richter
Anzeige
Göttingen

Christoph-Mathias Mueller war von 2005 bis 2018 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Göttinger Symphonie Orchesters, seit 2007 Generalmusikdirektor. Im Tageblatt-Interview äußert er sich kritisch über das Vorhaben, die Göttinger Stadthalle in bisheriger Form zu sanieren.

Tageblatt: Sie gehören zu den Unterzeichnern eines Aufrufes an die Göttinger Ratsmitglieder, in dem der „sofortige Stopp der Stadthallensanierung“ gefordert wird. Warum diese ungewöhnliche Form der Äußerung zum jetzigen Zeitpunkt?

Anzeige

Mueller: Es zeigt sich darin eine große Besorgnis vieler, die sich als direkt Betroffene nicht einbezogen fühlten, dass hier Weichen für eine Entscheidung gestellt werden, mit deren Konsequenzen am Schluss niemand froh sein wird.

Sehen Sie eine reelle Chance, das Projekt Stadthallen-Sanierung jetzt noch zu stoppen?

Es geht nicht darum, das Projekt nur zu stoppen – Handlungsbedarf ist ja dringend gegeben –, sondern noch einmal intensiv und effizient über die Optionen nachzudenken, diesmal unter Einbezug der Benutzer und Betreiber der Spielstätte. Ich vertraue aber natürlich auf die Kraft des Rates, im Sinne der langfristigen Stadtentwicklung nichts zu überstürzen.

Sie sagen: „Kompromisse in der Qualität werden in der Kunst wie beim Sport nicht verziehen.“ Was ist Ihre Hauptkritik an der Stadthalle als Konzertraum für klassische Musik und als Spielstätte insgesamt?

Göttingen ist ein Oberzentrum, hat eine weltweit führende Universität, hat ein Spitzenbasketballteam, einige führende Industrieunternehmen und hervorragende Kulturinstitutionen. Da muss es möglich sein, ein Konzept zu entwickeln, wo die Stadt hin will. Sie braucht eine Vision und eine Infrastruktur, die den Anforderungen von qualitativ führenden Organisationen gerecht werden. Andernfalls werden diese abwandern oder absteigen.

Welche Kriterien müsste eine solche Stadthalle heutzutage erfüllen?

Die Antworten muss vor allem eine Expertenrunde geben, bei der die Nutzer der Halle einbezogen werden. Sicher muss aber eine Halle optimal auf das Hören und Sehen eingerichtet sein. Deshalb besucht man sie ja. Aus Sicht eines Orchesters, welches unverstärkt spielt und bereit sein will für die programmatischen Herausforderungen der Zeit, braucht die Halle eine hervorragende Akustik und einen Saalaufbau, der viel Flexibilität zulässt. Das Guckkastenmodell hat ausgedient. Die Gäste müssen sich wohlfühlen, von der Ankunft bis zum Ausklingen nach der Veranstaltung. Die fußläufige Anbindung an die Bahn ist ebenfalls wichtig. Man will und braucht auch die überregionalen Gäste. Zuallererst muss es aber ein Ort der Begegnung für alle interessierten Göttinger Bewohner*innen sein können.

Gibt es eine Halle oder Einrichtung, die für Göttingen als beispielhaft gelten könnte?

Ich traue Göttingen zu, eine eigene Handschrift zu finden.

Wie sehr waren Sie als GSO-Chef in die Planungen zur Sanierung der Stadthalle eingebunden?

Gar nicht.

An welchem Punkt sind Ihrer Meinung nach Rat und Verwaltung planerisch „falsch abgebogen“? Zu welchem Zeitpunkt hätte der Rat welche Entscheidung treffen müssen?

Die Situation ist, wie sie ist. Allerdings ist bereits viel Zeit verstrichen. Man sollte den Moment trotzdem nutzen, um in die auch weitere Zukunft zu schauen. Die Stadt Göttingen und ihre Bewohner*innen brauchen und verdienen ein Kulturforum, auf dessen große Ausstrahlung alle stolz sind.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail:c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter:https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Aufruf im Tageblatt

Anzeige (7 MB)

Offener Brief von Michael Thenner im Wortlaut

Sanierung der Stadthalle Göttingen oder Neubau?

Sehr geehrte Ratsmitglieder, vielen von Ihnen bin ich noch aus meiner Zeit als Geschäftsführer der GWG und Leiter der Lokhalle und Stadthalle bekannt.

Heute bin ich in der Geschäftsführung einer Werbeagentur mit vielen Kunden aus dem Veranstaltungsbereich, arbeite im deutschsprachigen Raum erfolgreich als Berater kommunalgeführter Veranstaltungszentren und bin Vorstandsmitglied des EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e. V.), der 750 kommunale Veranstaltungshallen vertritt. Machen Sie sich gern ein Bild von mir und meinen beruflichen Tätigkeiten: www.blaueQuelle.de und www.versammlungsstaette.de. Die größten deutschen Veranstaltungszentren vertrauen meiner Beratung ebenso wie kleine Stadthallen.

Warum ich das schreibe? Weder aus Profilierungssucht noch in der Hoffnung auf einen Göttinger Beratungsauftrag, sondern um zu verdeutlichen, dass ich über eine fachliche Expertise im Veranstaltungsbereich verfüge, die inzwischen weit über meine früheren beruflichen Tätigkeiten in den Göttinger Veranstaltungshallen hinausgeht. Und weil ich deshalb weiß, wie man professionell an die Projektsteuerung zur Sanierung oder des Neubaus einer Stadthalle herangeht.

Nach meiner Kündigung als Geschäftsführer der GWG im Jahr 2007 habe ich mir geschworen, mich nicht öffentlich zu den Belangen der GWG und unserer beiden großen Veranstaltungshallen zu äußern, da sich das grundsätzlich aus meiner Sicht schlicht nicht gehört. Anfragen der regionalen Medien dazu gab/gibt es reichlich, wie Sie sich sicher vorstellen können – bis heute bin ich meiner Linie trotzdem treu geblieben.

Nun breche ich mit meinem Vorsatz, weil ich es angesichts der aktuellen Kostenentwicklungen zur Sanierung der Stadthalle für meine Bürgerpflicht halte, mich zum Wohle meiner Heimatstadt zu engagieren und „einzumischen“. Ihnen als Ratsmitgliedern wurden nach meinem Kenntnisstand zu keiner Zeit fundierte (!) mögliche Alternativkonzepte zur Sanierung der Stadthalle vorgestellt und niemand hat solche professionell geprüft. Auf einer solchen Basis scheint es mir grob fahrlässig zu sein, eine Investitionsentscheidung in Höhe von 30 Millionen Euro – oder letztlich vielleicht deutlich mehr – zu fällen.

Wenngleich ich grundsätzlich eine klar ablehnende Haltung zur Sanierung der Stadthalle habe, möchte ich nicht ausschließen, dass Ihnen genau dieses Ergebnis am Ende eines professionellen Planungsprozesses empfohlen wird – und die Sanierung dann entsprechend umgesetzt wird. Aber ich wäre sehr beruhigt, wenn eine solche Entscheidung nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern auf Basis fundierter Konzepte und Untersuchungen erfolgt.

Das sollten Sie als Ratsmitglieder wissen: In den letzten 10 Tagen habe ich mit vielen der wichtigsten Nutzer der Stadthalle (Agenturen, Veranstaltern, Mietern und Dienstleistern) persönlich gesprochen. Niemand, wirklich niemand aus der professionellen Veranstaltungsbranche hält eine Bestandssanierung für sinnvoll oder gar zukunftsorientiert. Viele trauen sich allerdings nicht, sich öffentlich zu äußern.

Und auch wirklich niemand aus dem Nutzerkreis wurde strukturiert und professionell (!) zu dem Thema befragt. Kritische Stimmen wurden Ihnen als Ratsmitglieder (nach meinem Kenntnisstand) wohl auch nicht berichtet. Oder liege ich falsch?

Um es anders auszudrücken: Die Kunden und Dienstleister der Stadthalle halten die Sanierung für falsch. Sie werden keinen Veranstalter finden, der Ihnen zur geplanten Sanierung der Stadthalle rät.

Wir Veranstalter (ich selbst war die vergangenen Jahre drei bis fünf Tage jährlich Mieter der Stadthalle) konnten bei einem Budget von 20 Millionen Euro noch verstehen, dass hierfür die Finanzierung eines Neubaus unmöglich ist. Bei jetzt in Rede stehenden Ausgaben in Höhe von 30 Millionen Euro lohnt sich aus unserer Sicht aber schon eine genaue Prüfung, denn wir kennen die deutsche „Stadthallenlandschaft“.

In der Veranstaltungsbranche wird die Sanierung der Stadthalle Göttingen inzwischen als Liebhaberei bezeichnet. Hier ist es wie mit einem schönen Oldtimer: Man kann ihn restaurieren und liebhaben, aber im Alltagsgebrauch und für Fernreisen ist er nicht geeignet. Solche Liebhaberei muss man sich allerdings auch leisten können – und man sollte ein zweites Auto für den Alltag in der Garage haben.

Gern wüsste ich auch die fachkundige Meinung des Betreibers der Stadthalle, der GWG. Sollten meine Ex-Kollegen und Nachfolger ernsthaft die Sanierung der Stadthalle empfohlen haben?

Kurz: Entgegen jeglicher fachlichen Expertise und ohne solide Faktenlage sollen Sie jetzt eine Entscheidung treffen, deren finanzielle Tragweite 30 Millionen Euro vielleicht sogar noch übertrifft. Kostensteigerungen am Bau ergeben sich üblicherweise ja immer erst in der Bauphase und nicht davor.

Deshalb meine Bitte an alle Parteien: Entscheiden Sie nicht nach parteipolitischen Zwängen, sondern nach gesundem Menschenverstand – heben Sie Fraktionszwänge auf.

Bei einer Kostenschätzung von 20 Mio. Euro konnten Sie noch guten Gewissens die Entscheidung zur Sanierung der Stadthalle treffen. Bei Kostenschätzungen von 30 Mio. Euro oder mehr würden Sie gegen die Empfehlung aller fachkundigen Branchenspezialisten entscheiden – und dass ohne fundierte Grundlagen und Untersuchungen – und ohne eine echte Prüfung von Alternativen zur Stadthallen-Sanierung.

Sie haben mit der Kostensteigerung eine völlig neue Situation und werden sich von Ihren Bürgern und Wählern fragen lassen müssen, auf Basis welcher Faktenlage Sie als Ratsmitglied über eines der größten und für die Öffentlichkeit wichtigsten Bauprojekte dieses Jahrzehnts entscheiden.

Deshalb bitte ich Sie: Stoppen Sie sofort den Rückbau der Stadthalle, bevor dort „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden. Investieren Sie Zeit in eine solide Überprüfung aller Planungsalternativen – und stellen Sie sich die Fragen, die ich auf den kommenden Seiten formuliert habe.

Wenn Sie in Dialog treten möchten, freue ich mich auf Ihr Feedback und stehe Ihnen jederzeit gern zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung oder nehme bei Bedarf auch den ein oder anderen Termin wahr. Bitte stellen auch Sie sich die Fragen, die ich auf den kommenden Seiten formuliert habe.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Thenner

Wurden Sie über mögliche Alternativen zur Stadthallensanierung sachlich und fundiert informiert?

Hat die Verwaltungsspitze Ihnen mitgeteilt, dass der Lokhallenteil mit dem CinemaxX zum Verkauf stand? Genau in dem Zeitraum, als die Sanierung der Stadthalle geplant, diskutiert und entschieden wurde? Hat man Ihnen mitgeteilt, dass sich dort hervorragend eine Stadthalle der jetzigen Größe unterbringen ließe?

Haben Sie die Kenntnis, dass nach dem zwischenzeitlich erfolgten Verkauf dieses Teils der Lokhalle jetzt Gerüchte kursieren, dort stünden erneut Flächen zur Disposition? Welche Argumente wurden Ihnen gegen einen Neubau im Umfeld der Lokhalle benannt? Wurde das überhaupt ernsthaft untersucht?

Kennen Sie die Ideen zu noch ganz anderen Standorten eines Stadthallenneubaus? Wurden Sie über mögliche Vorteile informiert?

Wer sagt eigentlich, dass ein 45 Millionen Euro teurer Neubau einer Stadthalle unter dem Strich wirklich teurer ist, als die Sanierung der jetzigen Stadthalle?

Die Antwort ist: Niemand!

Dieser Frage hat sich niemand gestellt, das war offenkundig nicht gewollt, wurde nicht untersucht und die Frage wurde deswegen bisher auch nicht beantwortet.

Die jetzt kommunizierten Kosten in Höhe von 30 Mio. Euro könnten noch immer nicht reichen, denn eine Altbausanierung der Größenordnung Stadthalle kann typischerweise noch weitere Überraschungen während der Arbeiten offenbaren und weitere Kostensteigerungen mit sich bringen. Es wäre die erste mir bekannte Stadthallen-Sanierung in dieser Größenordnung, bei welcher in der Bauphase nicht weitere Überraschungen auftauchen, die den geplanten Kostenrahmen sprengen.

Die Stadtverwaltung hat kommuniziert, ein Neubau koste 40 bis 45 Millionen Euro. Eine Zahl, der ebenfalls jegliche Grundlage fehlt. Aber unterstellen wir mal die Richtigkeit dieser Aussage:

Zu betrachten sind also Stand heute die Mehrkosten für einen Neubau einer Stadthalle von 10 Millionen Euro im Vergleich zum jetzigen Kostenstand zur Sanierung der Stadthalle im Bestand, und das hier unterstellt auf einen Abschreibungszeitraum von 50 Jahren.

Die jährlichen Mehrkosten eines Neubaus wären möglicherweise aus Betrieb refinanzierbar, da eine zeitgemäße Stadthalle ihren Nutzern ggf. auch andere Möglichkeiten bietet, bessere wirtschaftliche Betriebskonzepte ermöglichen könnte und deutliche Mehreinnahmen generieren würde. Vielleicht gibt es dann 150 statt 120 Veranstaltungstage mit entsprechend höherem Umsatz?

Vielleicht ergibt sich in einem Neubau die Möglichkeit der Ansiedlung der Verwaltungen des GSO und der Händelfestspiele sowie der Probenräume des GSO am Neubau (bei Ersparnis der jetzigen Immobilien).

Bei der Möglichkeit von mehr Veranstaltungen und zukunftsweisenderen Veranstaltungsformaten in einem Neubau würden möglicherweise auch mehr wirtschaftliche Effekte beim Betreiber und deutlich mehr Umwegrentabilität und Wertschöpfung für die Stadt Göttingen erzielt werden. In einem Neubau wäre möglicherweise das aus Betreibersicht wirtschaftlich interessante Kongress- und Tagungsgeschäft ausbaufähig.

Berücksichtigt man die deutlich längere Lebensdauer eines Neubaus, schneidet dann die Sanierungsvariante bei den Kosten mittel- und langfristig schlechter ab?

Kostet ein teurer Neubau also wirklich unter dem Strich mehr als die Stadthallensanierung für die Stadt Göttingen?

Wer sagt eigentlich, dass ein Stadthallen-Neubau nicht auch 50 Millionen Euro kosten darf? Wer hat die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft?

Die Antwort ist: Niemand!

Diese Frage hat sich niemand gestellt, da ja nur eine Möglichkeit ins Rennen geworfen wurde: Die Sanierung der jetzigen Stadthalle.

Wie schaffen es andere Städte, für 50 Millionen Euro Stadthallen zu bauen? Die wenigsten Kommunen haben mehr Geld – aber vielleicht mehr Visionen für die Zukunft. Und sie rechnen vielleicht anders und intelligenter, siehe oben.

Wir leben in einer Stadt, deren Arbeitgeber in Zeiten des Fachkräftemangels zu Recht für die nächsten Jahrzehnte ein attraktives Umfeld einfordern. Ebenso wie die Universität.

Wir Bürger tun das übrigens auch!

Wieso schaffen es Verwaltung, Oberbürgermeister und Ratspolitiker erfolgreich, für den Neubau des KuQua 6 Mio Euro zu generieren – für ein vergleichsweise kleines Galeriehaus – und prüfen das für einen Stadthallenneubau nicht einmal konzeptionell?

Wer hat geprüft, ob es mögliche Zuschüsse in Millionenhöhe für einen Stadthallenneubau gäbe? Wer hat mit Unternehmen über Beteiligungen gesprochen?

Wo ist die Vision unserer Ratspolitiker, mit der einst die Lokhalle saniert wurde?

Wer weiß eigentlich, ob ein Stadthallen-Neubau 45 Millionen Euro kostet? Lüneburg baut gerade eine Halle für 3.500 (!) Besucher für 20 Millionen Euro. Dazu müssten wir hier die Ertüchtigung für klassische Konzerte des GSO und der Händel-Festspiele rechnen. Für die Differenz von 10 Millionen Euro könnten wir eine Halle klassiktauglich ausstatten?

Zugegeben: Ich sollte hier nicht populistisch Äpfel mit Birnen vergleichen, die genauen regionalen Umstände eines jeden Neubauvorhabens im Bereich anderer Veranstaltungszentren kenne ich natürlich nicht.

Aber Sie als Entscheider sollten auch nicht nur auf diejenigen hören, die Ihnen möglicherweise Kosten einreden, die vielleicht für einen Neubau gar nicht entstehen müssen.

Ich kann Ihnen preiswerte und teure Stadthallenneubauten und Sanierungen benennen. Einige habe ich beraten und daher weiß ich: Nicht alles über einen Kamm scheren, sondern individuell betrachten, professionell prüfen.

Sie sollten angesichts der neuen Kostenlage prüfen lassen, was ein funktionaler Bau kostet, der die Bedürfnisse der Veranstaltungsbranche erfüllt (die bis jetzt noch niemand wirklich kennt, da auch diese gar nicht erst gründlich ermittelt wurden). Wir Bürger brauchen keine 30-Millionen-Euro-Kompromisse, sondern eine hervorragende Akustik für das GSO und eine funktionale Halle mit Mehrwerten, damit wir vielleicht zukünftig noch mehr tolle Veranstaltungen in Göttingen genießen dürfen.

Nichts davon würde die sanierte Stadthalle wirklich erfüllen.

Was können beispielsweise Lüneburg und Bad Vilbel im Planungsbereich, was Göttingen nicht hinbekommen kann?

Lüneburg: hat 72.000 Einwohner und baut eine Halle für 25.000 Euro

…“Astrid Bade, die SPD-Fraktionvorsitzende, lobte die Machbarkeitsstudie des Architekturbüros MRO. Es hatte den Aufwand für die Sanierung mit den Kosten eines Neubaus verglichen. Damit rückte rasch die Entscheidung für ein neues Projekt in den Vordergrund.“ …

Bad Vilbel hat 32.000 Einwohner und baut eine Halle mit 1.200 Sitzplätzen für 25 Millionen Euro.

Welches Raumkonzept ist für Göttingen eigentlich das richtige?

Leider weiß das niemand so genau, da auch das nicht geprüft wurde.

Es gibt keinerlei fachlich belastbare Erhebungen, Gutachten oder gar ein gesamtstädtisches Konzept zum Bedarf von Veranstaltungsräumen, Versammlungsstätten und kulturellen Spielstätten in Göttingen.

Jedoch herrscht bei den Mietern und Nutzern der Stadthalle weitgehende Einigkeit, dass der Raumzuschnitt und die künftigen Nutzungsmöglichkeiten der Stadthalle nach Sanierung beim jetzigen Planungsstand in jeder Hinsicht ungeeignet und rückwärtsgewandt statt zukunftsorientiert wären. Für die Kultur genauso wie für die Wirtschaft oder das Tagungs-/Kongressgeschäft.

Gäbe es gar Synergien mit einer Spielstätte für unsere Profi-Basketballer?

Welcher Standort ist der richtige?

Als Argument für den Standort Albaniplatz werden nach meinem Kenntnisstand die Nähe zur Innenstadt und eine „Kultur-Meile“ benannt. Beides ist fachlich falsch. Was bedeutet eigentlich der Begriff „Kultur-Meile“? Gehen die Menschen um 17 Uhr ins Deutsche Theater und um 19 Uhr in die Stadthalle? Wo ist der Vorteil, diese beiden Kulturstädten beieinander zu haben?

Geändertes Freizeitverhalten der Menschen führt zudem dazu, dass die Besucher „Just in time“ kommen, weshalb am jetzigen Standort auch oft Verkehrschaos der gleichzeitig Anreisenden herrscht und Besucher ständig zu spät in Veranstaltungen kommen. Dies gilt für die Göttinger wie auch für Besucher aus der Region, die sich auch noch mit dem Auto durch die ganze Stadt in ein Wohnviertel quälen. Und wenn dann zeitgleich Veranstaltungen in Theater und Stadthalle stattfinden, ist das eine einzige Zumutung für alle Anwohner, Besucher der Spielstätten und auch für die Künstler, die gestört werden durch „Zuspätkommer“.

Welche Rolle spielen Bauverwaltung und GWG und welche sollten sie spielen?

Die Bauverwaltung handelt entsprechend ihrem Auftrag von der Politik gut und gründlich. Die Frage ist, ob der Auftrag der richtige war. Der Fehler war, dass man den Tätigkeiten der Bauverwaltung nicht gründliches strategisches und konzeptionelles Arbeiten über eine zukunftsorientierte Stadthalle und das Einbeziehen von Fachleuten und Fachmeinungen vorweg geschaltet hat. Daran trägt nicht die Bauverwaltung die Schuld, sondern die Politik.

Die Beauftragung, sich nur mit der Sanierung der Stadthalle zu beschäftigen, war fahrlässig.

Die Rolle der GWG als Betreiberin ist mir unklar. Ihnen auch? Bei meinen Recherchen in den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass die GWG sich öffentlich zu keiner Zeit geäußert hat. Wie kann das sein, in einer Thematik, die eine ihre Kernaufgaben betrifft?

Welche Meinung hat die GWG gegenüber dem Rat der Stadt Göttingen und im eigenen Aufsichtsrat geäußert?

Liebe Ratsmitglieder, holen Sie die offizielle Meinung der GWG zur Stadthallensanierung ein und lassen Sie an dieser Stelle Transparenz gegenüber uns Bürgern walten

Tageblatt-Beitrag vom 9. Mai 2017 von Uwe Graells zum Thema.

Von Christoph Oppermann

Anzeige