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Göttingen „Informationen gerettet und bewahrt“
Die Region Göttingen „Informationen gerettet und bewahrt“
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00:17 23.02.2017
Von Katrin Westphal
Freuen sich über die Chronik: Ernst Böhme, Katja Langenbach, Heiner Willen, Jacqueline Jürgenliemk und Susanne Levi-Schlesier (von links). Quelle: Westphal
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Göttingen

„Man hatte vergessen, sie aus dem Register zu löschen“, erklärte Langenbach. Denn zwischen 1971 und 1994 bestand die Jüdische Gemeinde lediglich als Rechtsform. Nach 1945 seien zwar viele Juden nach Göttingen gekommen, doch nach fünf Jahren schrumpfte die Gemeinde schnell. Die Neuankömmlinge zogen weiter, viele hätten in Israel ein neues Leben begonnen, erzählte Jaqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen.

Chronik spielt eine bedeutende Rolle

In der Zwischenzeit hat vor allem die Göttinger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit jüdisches Leben in Göttingen unterstützt. Vor allem auf dem Gebiet der Erinnerungen, weswegen die Chronik eine bedeutende Rolle spiele, erklärte Vorsitzender Heiner Willen.Erst durch den Zuzug jüdischer Familien aus der ehemaligen der Sowjetunion lebte die Gemeinde wieder auf. Jetzt zählt sie 141 Mitglieder, 90 Prozent sind russisch-sprachig. Doch trotz aller Lebendigkeit leidet die Gemeinde an einer deutlichen Überalterung: Das Durchschnittsalter beträgt 75 Jahre.

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Dafür konnten umso mehr von früheren Zeiten erzählen. Als bedeutendstes Ereignis aus der Zeit nach 1945 nennt Langenbach den Umzug „der versteckten Synagoge“. „Unsere Gemeinde hatte kein Zuhause“, sagte Susanne Levi-Schlesier, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde und Vorsitzende des Fördervereins.

Spaltung der Gemeinde im Jahr 2005

Doch sie bekam eines, als ein Heimatpfleger in den 1990er-Jahren in einer alten Scheune die ehemalige Synagoge von Bodenfelde entdeckte. Die Jüdische Gemeinde Göttingen entschied sich, dem Gebäude wieder spirituelles Leben einzuhauchen, ließ sie in einer aufwändigen Aktion in Bodenwerder ab- und in Göttingen wiederaufbauen. Langenbach erzählt auch von der Spaltung der Gemeinde im Jahr 2005, als sich eine konservativere Kultusgemeinde bildete. Doch inzwischen haben sich die beiden Gemeinden wieder einander angenähert.

Drei Jahre hat Langenbach Archive durchforstet und Zeitzeugen befragt. Sie nutzte vor allem Protokolle von Mitgliederversammlungen, monatliche Rundbriefe und sprach mit zahlreichen Zeitzeugen. Damit habe sie „Informationen gerettet und bewahrt“, erklärte Ernst Böhme, Leiter des Göttinger Stadtarchivs und des Städtischen Museums.