Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Corona-Krise: Polizei Göttingen zieht nach fünf Tagen Bilanz
Die Region Göttingen Corona-Krise: Polizei Göttingen zieht nach fünf Tagen Bilanz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:46 27.03.2020
Ordnungsamt Göttingen kontrolliert am Kiessee. Quelle: bib
Anzeige
Göttingen

Die ersten Maßnahmen, die zur Eindämmung des Corona-Virus ergriffen wurden, liegen fast zwei Wochen zurück. Bereits seit fünf Tagen besteht die Kontaktbeschränkung. Uwe Lührig, Präsident der Polizeidirektion Göttingen, hat nach dieser Zeit eine erste Bilanz gezogen.

Innerhalb dieser fünf Tage musste die Direktion 48 Ordnungswidrigkeitsverfahren und 13 Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen die Allgemeinverfügung des Niedersächsischen Sozialministeriums eingeleitet. In den meisten Fällen (ungefähr 850) konnten sich die Beamten aber auf Hinweise die Kontaktbeschränkungen betreffend oder auch Platzverweise beschränken.

Anzeige

An den umfangreichen Kontrollen der Polizei, die in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern der Städte und Landkreise durchgeführt werden, werde auch in den kommenden Tagen festgehalten, kündigte die Polizei an.

„Seit die Kontaktbeschränkung in Kraft getreten ist, konnten wir einen spürbaren Wandel im Verhalten der Bürgerinnen und Bürger erkennen. Die große Mehrheit hält sich erfreulicherweise an die erlassenen Regeln und bleibt Zuhause. Dafür möchte ich all denjenigen „Danke“ sagen, die sich auch ohne unsere Kontrollen verantwortungsbewusst an die Verfügung halten und damit sich selbst und ihre Mitmenschen schützen“, sagte Lührig.

Direktion Göttingen personell gut aufgestellt

Die Polizeidirektion Göttingen zeigte sich gut aufgestellt, hatte sich personell auf die Kontaktbeschränkung eingerichtet, zusätzliche Streifen zur Kontrolle eingeteilt. Und auch für den Fall, dass zusätzliches Personal benötigt worden wäre, um die Kontrollen zu intensivieren, war Vorsorge getroffen worden, so Lührig.

„Davon mussten wir glücklicherweise keinen Gebrauch machen. Ich will aber auch nicht verheimlichen, dass es nach wie vor Menschen gibt, die sich gleichgültig und damit auch verantwortungslos verhalten, indem sie sich weiterhin in Gruppen treffen, Kinder miteinander spielen lassen oder als Geschäftstreibende ihre Läden öffnen“, erläutert Präsident Lührig.

Kampf um Toilettenpapier

Lührig verweist in seiner Bilanz auch auf eigenartige Situationen. Eine davon habe sich in Hildesheim in einer Drogerie zugetragen. Dort sei es zu tumultartigen Szenen gekommen, nachdem im Vorfeld bekannt geworden war, dass der Markt eine Lieferung Toilettenpapier erwarte. Schon vor Öffnung hätten sich viele Menschen vor der Drogerie versammelt und sich, nachdem sich die Türen geöffnet hätten, auf die Ware gestürzt. Die Kunden hätten dabei das „freundliche Miteinander“ aus den Augen verloren. Um derartige Vorkommnisse in Zukunft zu unterbinden, wird die Polizei bei der nächsten Lieferung Präsenz zeigen und im Bedarfsfall eingreifen.

„Wir alle befinden uns in einer Ausnahmesituation und deswegen verstehe ich auch die Verunsicherung der Menschen. Allerdings braucht niemand einen Versorgungsengpass zu fürchten, sodass „Hamsterkäufe“ dem Einzelnen nicht nutzen und der Allgemeinheit eher schaden. Wortgefechte und sogar Schubsereien wegen einer Packung Toilettenpapier irritieren mich doch sehr. Dass die Polizei vereinzelt Geldtransporte begleiten und schützen muss, ist sicherlich nachvollziehbar. Aber dass wir als Polizei auch die Verteilung von Toilettenpapier schützen müssen, hätte ich mir niemals vorstellen können“, kommentiert Polizeipräsident Lührig.

Ressourcenschonender Einsatz

„Unser Personalmanagement sah schon zu Beginn der umfangreichen Kontaktbeschränkung einen ressourcenschonenden Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor. Die Kontakte untereinander wurden soweit wie möglich eingeschränkt. Mit Homeoffice und Bereitschaftsdiensten konnten wir eine ,Entzerrung’ in den Dienststellen erreichen. Darüber hinaus sind diese Kolleginnen und Kollegen sehr kurzfristig abrufbar und könnten jeder Zeit in den Dienst versetzt werden. Diese vorausschauende Planung spielt uns jetzt in die Karten, obwohl wir zum Glück nur vereinzelt Corona bedingte Ausfälle zu verzeichnen haben. Natürlich ist dieses Virus auch für uns eine Belastung. Unsere Interventionsfähigkeit ist aber gesichert. Darauf können sich alle Bürgerinnen und Bürger verlassen,“ verdeutlicht Uwe Lührig.

Fünf Mitarbeiter positiv getestet

Ungefähr 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die Polizeidirektion Göttingen derzeit. Fünf von ihnen wurden positiv auf Corona getestet. Inzwischen sei ein Patient wieder genesen. In einer vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne befinden sich momentan 29. Als reine Vorsichtsmaßnahme der Dienststelle bleiben 36 Mitarbeiter zwei Wochen zu Hause.

Kontakte auf ein Minimum reduzieren

Seit fünf Tagen besteht bundesweit eine Kontaktbeschränkung. Darauf haben sich Bund und Länder verständigt. Im Kernpunkt besteht die Beschränkung darin, dass in der Öffentlichkeit nur noch maximal zwei Personen gleichzeitig unterwegs sein dürfen. Ausnahmen gibt es für die Kernfamilie. Außerdem muss man sich jederzeit an einen Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Metern halten. Der Aufenthalt an der frischen Luft ist aber weiter möglich, auch der Weg zur Arbeit, zum Arzt oder unerlässlichen Terminen. Insgesamt geht es darum, Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

Von Vicki Schwarze