Corona-Prämie für Pflege in UMG und EKW: Nachsteuern für Notaufnahme und OP
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Göttingen Corona-Prämie für Pflege: Güntzler regt „Nachsteuerung“ an – UMG bleibt bei ihrer Linie
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Corona-Prämie für Pflege in UMG und EKW: Nachsteuern für Notaufnahme und OP

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08:00 07.07.2021
UMG: Die Mitarbeiter der chirurgischen Notaufnahme haben keine Corona-Prämie erhalten, jetzt wird ein „Nachsteuern“ angeregt.
UMG: Die Mitarbeiter der chirurgischen Notaufnahme haben keine Corona-Prämie erhalten, jetzt wird ein „Nachsteuern“ angeregt. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Viele Pflegekräfte, die in der Corona-Pandemie besonders belastet waren, haben mit der Juni-Abrechnung eine Prämie erhalten. Einige aber gingen leer aus. Die Prämienzahlung, die im Krankenhausfinanzierungsgesetz geregelt ist, richtet sich demnach an Pflegekräfte, die „auf bettenführenden Stationen” arbeiten. Die Pflegekräfte aber, die in der Universitätsmedizin (UMG) in der chirurgischen Notaufnahme arbeiten, bekamen keine Prämie. Sie haben keine Station mit Betten, waren aber durch die Pandemie ebenfalls stark belastet.

Und nicht nur die rund 20 Mitarbeiter der Chirurgischen Notaufnahme der UMG gingen ohne Corona-Prämie nach Hause. „Auch wir OP- und Anästhesie-Pfleger haben keine Prämie erhalten”, erklärt ein Mitarbeiter der UMG. Denn auch sie haben, wie die Kollegen der Notaufnahme, keine Station mit eigenen Betten zu betreuen. „Die Belastungen durch die Pandemie aber gehen bei uns weiter”, so ein OP-Pfleger.

Kommentare und Politik zum Thema

Nach einem Tageblatt-Bericht über diese Lücke im System, haben zahlreiche Leser auf Facebook das Thema kommentiert. Simon Wilmers beispielsweise kommentierte den Bericht knapp mit: „Ärzteschaft auch”. Dani Martin schrieb: „DRK Schwestern im Haus und das OP Personal gingen ebenfalls leer aus“. Jens Ahlborn fügte hinzu: „Ich glaube, die Liste ist sogar noch vieeeeel länger!”

Nicht nur die Leser, auch der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler beschäftigt sich mit dem Thema. Er hat sich nun mit einem Brief an den Vorstand der UMG gewandt. Güntzler regt an, bei der Vergabe der Corona-Prämien „über eine Nachsteuerung” nachzudenken. „Uns als Gesetzgeber war an einer gerechten Aufteilung der Prämie gelegen, um auch innerhalb der Belegschaft der Krankenhäuser keine Ungerechtigkeiten und damit Unmut oder Neid hervorzurufen“, so Güntzler.

Die Bundestagsabgeordneten hätten aber den Entwurf der Bundesregierung um den Zusatz ergänzt, dass auch andere Beschäftigte für die Zahlung einer Prämie ausgewählt werden können. Voraussetzung sei nur, dass sie wegen der Versorgung von SARS-CoV-2-Patienten „besonders belastet” waren. Eine Beschäftigung auf einer bettenführenden Station sei laut Güntzler nicht zwingend.

„Der Vorstand der Universitätsmedizin Göttingen ist sich völlig bewusst, dass sich an der UMG in Zeiten der Corona-Pandemie sehr viele Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeitende aus anderen Einrichtungen außerordentlich und über jedes normale Maß hinaus für die Betreuung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten, aber auch für das Aufrechterhalten einer normalen Patientenversorgung und den Schutz der UMG durch strikte Hygienemaßnahmen eingesetzt haben“, sagte UMG-Sprecher Stefan Weller am Dienstag auf Anfrage. Der Vorstand der UMG, die Pflegedirektion und der Geschäftsbereich Personal hätten sich ausführlich mit der Verteilung der vom Bund ausgegebenen Prämie für Pflegekräfte befasst und unter Einbindung des UMG-Personalrates für die gesetzlich vorgegebene Linie entschieden.

Die UMG sei in diesem Fall an eine gesetzeskonforme Verwendung der Pflegeprämie gebunden, so Weller. „Das Gesetz formuliert klar, dass Pflegekräfte auf bettenführenden Stationen die Prämie bekommen sollen. Weitere Beschäftigte, die nicht zur Berufsgruppe des Pflegedienstes zählen, aber direkt an den Patientinnen und Patienten auf den Stationen arbeiten, können diese Prämie erhalten und haben sie auch erhalten.“

Ein weiterer Sockelbetrag für alle UMG-Mitarbeitenden, „die zweifelsfrei eine Geste der Anerkennung für ihre Leistungen in der Corona-Pandemie verdient haben, übersteigt die wirtschaftlichen Möglichkeiten der UMG, die aufgrund der hohen Belastungen in der Corona-Pandemie auf die finanzielle Hilfe durch Bund und Land angewiesen ist“, sagte Weller. Eine Auswahl von bestimmten Bereichen und Personen würde unter Umständen zu weiteren Ungerechtigkeiten führen, „sodass sich die UMG hier konsequent an die vom Bund vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen gehalten hat“.

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Wie Güntzler erklärt, so habe der Bund im Frühjahr dieses Jahres nochmals einen Betrag von 450 Millionen Euro zur Zahlung einer zweiten Corona-Prämie an Klinikkräfte zur Verfügung gestellt. Im Evangelischen Krankenhaus Weende haben alle Mitarbeiter einen einmaligen Sockelbetrag erhalten, unabhängig davon, an welchem der drei EKW-Standorte und in welcher Profession sie beschäftigt sind, teilte EKW-Sprecher Stefan Rampfel mit. Insgesamt hätten dort 1200 Beschäftigte die Prämie erhalten.

Von Britta Bielefeld

07.07.2021
07.07.2021