Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Corona: Visiere aus Folien sorgen für Furore im Göttinger Klinikum
Die Region Göttingen Corona: Visiere aus Folien sorgen für Furore im Göttinger Klinikum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 13.04.2020
Torsten Wassmann, Oberarzt in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der UMG, baut ein Einweg-Schutzvisier zusammen. Quelle: r
Anzeige
Göttingen

Mitarbeiter der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) fertigen Schutzvisiere, die in der UMG eingesetzt werden. Sie haben mit dem 3D-Drucker bereits mehr als 7200 Visiere aus Overheadfolien hergestellt, so UMG-Pressesprecher Stefan Weller.

Die Zahl der bestätigten Virus-Verdachtsfälle steige auch in Niedersachsen an, so Weller. Weltweit gebe es Engpässe bei der Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung – auch an der UMG. Kreative Lösungen für die Versorgung mit Schutzmasken seien gefragt und willkommen.

Anzeige

Visiere: Idee entstand in der Zahnärztlichen Prothetik

Die Idee Visiere zu fertigen, sei in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik entstanden, so Weller. Direktor ist Prof. Ralf Bürgers. Von Beginn an sei es Ziel gewesen, „in möglichst kurzer Zeit eine große Menge an verlässlicher Schutzausrüstung für alle Bereiche des Universitätsklinikums bereitzustellen“, so Weller. Innerhalb von gut zwei Wochen seien bereits mehr 7200 Einweg-Visiere produziert worden, „zudem rund 300 Visiere mit austauschbaren Schutzfolien und im 3D-Drucker gefertigten sterilisierbarem Gestell“.

„Wir haben im Intranet der UMG zu der Aktion aufgerufen und nach Overheadfolien angefragt, die heute kaum noch genutzt werden“, sagt Dr. Torsten Wassmann, Oberarzt in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der UMG. „Die Resonanz war überwältigend. Aus vielen Bereichen haben wir Material zugeschickt bekommen, der Einkauf kümmert sich um die schnelle Verteilung im Haus.“

Von Zahnärzten bis zu Hilfskräften: Alle fertigen Visiere

Die ersten Prototypen seien dem Institut für Krankenhaushygiene und Infektiologie der UMG vorgestellt worden, damit dort die Verwendung der Visiere im täglichen Einsatz geprüft und als zusätzliche Schutzausrüstung freigegeben werden konnte, so Weller. Nach dem Okay der Krankenhaushygiene hätten im zahntechnischen Labor etwa zehn Mitarbeitende mit der Herstellung begonnen – alle Mitarbeiter seien dabei: von den zahnmedizinischen Fachangestellten, den Zahnärzten bis zu den Zahntechnikern und den studentischen Hilfskräften.

Die Rückmeldungen aus den unterschiedlichsten UMG-Einrichtungen zu den Visieren seien sehr positiv, so Weller. Die Visiere würden inzwischen in verschiedenen Bereichen als zusätzliche Schutzausrüstung neben den Atemschutz-Masken und der persönlichen Schutzkleidung eingesetzt, zum Beispiel bei Abstrichen für die Covid-Testungen, in der Interdisziplinären Notaufnahme (INA), im Sozialpädiatrischen Zentrum, in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, auf der Covid-19-Station der UMG sowie im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Anfragen von Dentallaboren und externen Firmen

„Inzwischen gibt es auch Anfragen von Dentallaboren und externen Firmen, die von den Schutzvisieren à la UMG-Zahnklinik gehört haben und auch gerne solche Visiere haben wollen“, sagt Dr. Oliver Kurbad, Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik. Für Teile der Visiere werde Material aus sterilisierbarem Kunststoff verwendet, so Weller. „Sie werden mit modernen 3D-Druckern hergestellt. Aus dem 3D-Drucker können für die Visiere in einem Druckvorgang bis zu 150 Halterungen aus einem biokompatiblen, sterilisierbaren Material produziert werden.“

Neben der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik hätten sich unter anderem das Institut für Pharmakologie und Toxikologie, die Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie sowie die Bereichsbibliotheken Medizin und Physik vernetzt und tauschten ständig ihr Know-how und ihre Arbeitsteilung beim 3D-Druck aus, so Weller. Für die auf einfachem Weg (ohne 3 D-Drucker) gefertigten Visiere gebe es zudem eine Anleitung auf der Homepage der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik. Vorlagen zum Selbstdruck von Visieren seien bei einigen Firmen frei erhältlich.

Aktuelle UMG-Informationen zum Corona-Virus

Alles zum Thema Corona im Überblick finden Sie hier

Das tägliche GT/ET Corona-Update als Newsletter Alle News zum Coronavirus in Göttingen täglich gegen 17 Uhr im E-Mail-Postfach
 
x Quelle: x

Von Stefan Kirchhoff

Anzeige