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Göttingen Göttinger Mediziner: So sollten sich Blutdruckpatienten verhalten
Die Region Göttingen Göttinger Mediziner: So sollten sich Blutdruckpatienten verhalten
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19:46 15.03.2020
Nephrologisches Zentrum Göttingen: Dr. Egbert G. Schulz und Dr. Claas Lennart Neumann. Quelle: CB
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Göttingen

Telemedizin für Bluthochdruck-Patienten: Diesen Weg in der Corona-Krise bietet das Nephrologische Zentrum Göttingen seinen Patienten an. „Wir erhalten telefonische Anfragen von Bluthochdruck-Patienten, die in Quarantäne gesetzt wurden“, so der Leiter des Zentrums, Dr. Egbert Schulz. „Soweit im Haushalt ein Mobiltelefon zur Verfügung steht, schließen wir diese Patienten an uns telemedizinisch an“, so der Mediziner.

„Spekulationen“ über Medikamente

Zudem warnt der Blutdruckspezialist dringend davor, sich von Spekulationen verunsichern zu lassen: Das Gerücht, dass Blutdrucksenker, insbesondere sogenannte ACE-Hemmer und Angiotensin-Blocker anfälliger für Coronavirus-Infektionen machen, sei absolut „unbegründet“, so Schulz. „Studien belegen, dass genau diese Medikamente sogar vor einem Lungenversagen schützen könnten. Zudem führt das Absetzen von Blutdrucksenkern zu hohen Gesundheitsrisiken“, teilt der Mediziner mit. Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) rät Patienten zur Besonnenheit. „Die derzeitige Datenlage rechtfertigt kein Absetzen der Medikamente.“ Der Einfluss von Blutdrucksenkern auf die Infektanfälligkeit für SARS-CoV2 sei völlig unklar.

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Dr. Egbert Schulz, Regionalbeauftragter der Deutschen Hochdruckliga vom Nephrologischen Zentrum Göttingen: „Der jetzige Kenntnisstand und sich im Publikationsprozess befindende Meta-Analysen rechtfertigen aktuell nicht, Blutdrucksenker abzusetzen. Wir haben die Aufgabe, unsere Patienten über neueste Entwicklungen und seriöse Empfehlungen zu informieren. Dafür stehen wir in ständigem Austausch mit führenden Wissenschaftlern der Deutschen Hochdruckliga, der europäischen Hypertonie-Gesellschaft ESH und der europäischen Gesellschaft für Kardiologie ESC.“

Telemedizin statt Praxisbesuch

Das oberste Ziel zur Bewältigung der Krise sei, so Schulz, derzeit die Verlangsamung der Infektionsausbreitung. Neben gründlichen und sorgfältigen allgemeinen Hygiene-Maßnahmen sollten Besuche öffentlicher Veranstaltungen und Einrichtungen wenn möglich in den nächsten Wochen vermieden werden. „Dies gilt auch für den Besuch von Arztpraxen“, so Schulz. Die Telemedizin biete dafür effektive Möglichkeiten, ohne die Behandlungsqualität zu reduzieren“. Die in Göttingen entwickelte und von der DHL empfohlene Telemedizin-Methode zur Blutdruck-Einstellung – nämlich das interventionelle, dezentrale Blutdruck-Telemonitoring (idTM) – sei darüber hinaus eine bessere Blutdruckkontrolle als die Praxis-Messung. Das idTM könne helfen, während der angespannten Phase der Corona-Infektionswelle nicht zwingend notwendige Arztbesuche und damit Kontakte mit anderen Patienten zu vermeiden, ohne die chronischen Patienten durch eine unzulängliche Blutdruckeinstellung gefährden zu müssen.

Das, so Schulz, betreffe alle Bluthochdruckpatienten, habe aber zudem eine besondere Relevanz für besonders gefährdete Patienten wie Menschen mit Vorerkrankungen, Ältere und Schwangere mit einer Risikoschwangerschaft.

Von Britta Bielefeld