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Göttingen Corona: Vier Fälle in den Landkreisen Göttingen und Northeim
Die Region Göttingen Corona: Vier Fälle in den Landkreisen Göttingen und Northeim
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19:23 11.03.2020
Vier Corona-Fälle sind in Südniedersachsen bestätigt. Quelle: NANCY HEUSEL
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Göttingen/Northeim

Im Landkreis Göttingen ist am Mittwochmittag der erste Fall einer Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Das teilt die Pressestelle der Stadtverwaltung mit. Bei der mit dem Virus infizierten Person handele sich um einen Mann mittleren Alters, der im Landkreis Göttingen (im Altkreis Osterode) gemeldet ist. Der Mann war demnach am vergangenen Wochenende von einer Urlaubsreise zurückgekehrt. Dort habe er Kontakt zu einer an Corona oder auch „Covid-19“ erkrankten Person gehabt. Das habe sich rückwirkend herausgestellt.

Der Mann habe sich am Dienstag, 10. März, in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gemeldet. „Dort wurde ein Test auf Covid-19 durchgeführt, der ein positives Ergebnis erbracht hat“, so die Pressestelle. Der Mann sei aber „in einem guten gesundheitlichen Zustand“ und wurde von der UMG direkt in die häusliche Quarantäne entlassen. Inzwischen wurde der Mann vom Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen kontaktiert. Etwaige Kontaktpersonen wurden ermittelt und bei Vorliegen entsprechender Parameter zur häuslichen Quarantäne angehalten.

„Erhöhte Aufmerksamkeit“

Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler: „Das ist für uns ein Grund für erhöhte Aufmerksamkeit. Wir bewerten die Lage täglich aktuell und leiten daraus etwaig notwendige Maßnahmen ab. Es gilt, besonnen, konsequent und zielorientiert zu handeln.“ Die sofort eingeleiteten Maßnahmen des Gesundheitsamts trügen dazu bei, dass sich das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Virus vermindere. Die Stadt und der Landkreis seien außerdem im engen Austausch mit allen maßgeblichen Akteuren und Institutionen wie der Universitätsmedizin.

Virus hat die Region erreicht“

Der bei der Stadt eigens gegründete Stab für außerordentliche Ereignisse unter Leitung der Sozial- und Gesundheitsdezernentin Petra Broistedt ist mit Experten aus den Bereichen Gesundheitsamt, Feuerwehr und Ordnung sowie des Landkreises, der UMG und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen besetzt. Zusätzliche Fachleute werden bei Bedarf zu Rate gezogen. „Dass das Virus auch unsere Region erreicht, war letztlich eine Frage der Zeit“, teilte Broistedt mit. „In der Region sind wir dank der guten medizinischen Infrastruktur in der glücklichen Lage, der Situation kompetent zu begegnen. Parallel hat der Landkreis einen Stab unter Leitung von Kreisrätin Marlies Dornieden eingerichtet, der vorbereitende Maßnahmen für das Kreisgebiet koordiniert und je nach Lageentwicklung umgehend die Arbeit des Stabes der Stadt Göttingen ergänzt.

Drei Fälle in Northeim

Im Landkreis Northeim sind am Mittwoch drei Infektionen nahezu bestätigt worden, das teilt die Verwaltung dort mit. Dort sind demnach eine ältere Frau sowie zwei jüngere Männer aus dem Landkreis am Mittwoch positiv getestet worden. Die Frau habe sich vermutlich in ihrem Urlaub in Südtirol angesteckt. Sie befindet sich derzeit zu Hause und zeige leichte Erkältungszeichen.

Die beiden Männer waren kürzlich im Skiurlaub in Ischgl (Österreich) und hätten sich wahrscheinlich dort angesteckt. Die beiden waren unabhängig voneinander dort und sind miteinander nicht bekannt. Beide befinden sich ebenfalls zu Hause. Einer der Männer zeigt leichte Erkältungssymptome, der andere beschreibt grippeartige Symptome, die sich schon wieder gebessert haben.

Meistens milde Verläufe

Von allen dreien werden derzeit im Gesundheitsamt die Kontaktpersonen ermittelt, um möglicherweise Quarantänemaßnahmen einzuleiten. „Wann das Virus auch bei uns im Landkreis ankommt, war nur eine Frage der Zeit. Wir haben uns seit Wochen gemeinsam mit den Gesundheitseinrichtungen im Landkreis intensiv auf diesen Fall vorbereitet“, so Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. 80 Prozent aller Erkrankungen zeigten milde Verläufe, so Klinkert-Kittel.

Nachdem nun auch im Landkreis Northeim Erkrankungsfälle festgestellt wurden, sollen dort „alle geplanten Großveranstaltungen erneut auf den Prüfstand gestellt werden“. Regina Pabst, Amtsärztin im Landkreis Northeim, rät, nun zügig eine Entscheidung zur Absage von Veranstaltungen zu treffen. Sie rät: „Wenn Sie den begründeten Verdacht haben, am Coronavirus erkrankt zu sein, gehen Sie bitte nicht direkt zum Arzt, sondern nehmen telefonisch Kontakt mit Ihrem Hausarzt auf, um das weitere Vorgehen zu besprechen.“

Göttingerin in Hildesheim positiv getestet

Wie die Universität Göttingen auf Anfrage bestätigt, ist auch eine Göttinger Studentin positiv auf das Coronavirus getestet worden. Ob sie Kontakt mit anderen Studierenden der Universität hatte, ist unklar. Sprecher Romas Bielke verweist auf das Gesundheitsamt in Hildesheim. Dort soll die junge Frau, die aus Hildesheim stammt, am Sonnabend eine Schulveranstaltung besucht haben. Die Studentin habe asymptomatisch weder Husten noch Schnupfen, teilt der Landkreis Hildesheim mit. Fachleute gingen daher nur von einer geringen Ansteckungsgefahr aus. Dennoch sollen Menschen, mit denen die junge Frau in Kontakt gestanden hat, kontaktiert worden sein.

Bürgertelefon

Für Fragen der Bevölkerung rund um das Thema Coronavirus haben Stadt und Landkreis Göttingen ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter Telefon 0551/7075100 ist das Bürgertelefon täglich, auch am Wochenende, von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr erreichbar. Medizinische Beratung findet dort nicht statt. Bei Verdacht auf eine Infektion sollen Betroffene sich zuerst telefonisch an den Hausarzt wenden, bevor eine Praxis aufgesucht wird. Außerhalb der ärztlichen Sprechstundenzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung bundesweit telefonisch unter 116117 erreichbar und gibt Auskunft über den nächstgelegenen Bereitschaftsdienst und das weitere Vorgehen.

Für allgemeine Fragen hat auch der Landkreis Northeim ein Bürgertelefon unter der Nummer 05551/7088080 eingerichtet. Die Hotline ist von Montag bis Freitag von 8 bis 12 und montags bis donnerstags von 14 bis 16 erreichbar.

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Von Britta Bielefeld

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