Corona in Göttingen: Schulen und Kitas werden geschlossen
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Göttingen Corona-Ausbruch in Göttingen: Zahlreiche Schulen werden geschlossen
Die Region Göttingen Corona-Ausbruch in Göttingen: Zahlreiche Schulen werden geschlossen
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12:29 03.06.2020
Pressegespräch über die aktuelle Corona-Lage. Göttingens Gesundheitsdezernentin Petra Broistedt informiert. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Die Stadt Göttingen hat am frühen Dienstagabend über den aktuellen Stand nach dem größeren Corona-Ausbrauch in der Stadt informiert und unter anderem angekündigt, die meisten Schulen und vier Kitas in dieser Woche geschlossen zu lassen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wann hat der Infektionsausbruch begonnen?

Ausgangspunkt, so erklärte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) während einer Pressekonferenz der Stadt am Dienstag, sei der 23. Mai gewesen. Bei mehreren privaten Feierlichkeiten rund um das muslimische Zuckerfest haben sich demnach Familien getroffen, deren Mitglieder sich nicht an das Distanzgebot gehalten haben.

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Der Brennpunkt liegt im Idunazentrum. Die Menschen steckten sich auf den Feiern an, „nicht in den Moscheen“, so Köhler. Am 26. Mai wurde die erste Infektion bekannt, es folgten vier am Mittwoch, sieben am Donnerstag und 17 am Freitag.

Rolf-Georg Köhler. Quelle: SPF

Wie viele Kontakte gibt es im Zusammenhang mit den Feiern?

140 Menschen, die außerhalb des Landkreises Göttingen leben, zählen zu den Kontaktpersonen, 230 kommen aus der Region Göttingen. Am Dienstag kamen noch einmal zwölf hinzu. Nicht alle leiden unter Corona-Symptomen. 80 von diesen Personen wurden bereits positiv auf das Virus getestet, darunter 24 Kinder. Einer der Infizierten muss beatmet werden. Das teilte Göttingens Gesundheitsdezernentin Petra Broistedt mit.

Konsequenz Schulschließungen: Welche Schulen sind betroffen?

Alle Schulen in Trägerschaft der Stadt Göttingen werden bis zum Wochenende geschlossen, auch die Berufsschulen des Landkreises in Göttingen bleiben geschlossen. Der Landkreis teilt zudem mit, dass auch die Schule am Hohen Hagen Dransfeld, die KGS Giebeoldehausen, die IGS Bovenden, die Heinrich-Grupe-Schule Rosdorf, die Grundschule Dramfeld, die Regenbogenschule Waake und die vier Grundschulen der Gemeinde Bovenden bis zum Wochenende geschlossen werden.

Auch Kindertagesstätten im Stadtgebiet sind von den Schließungen betroffen, nämlich das Jonahaus am Elmweg, St. Paulus, St. Jacobi und das Petrihaus. Die Betreuungseinrichtung im Idunazentrum ist seit Montag geschlossen, so Broistedt. Und weiter: „Wir wollen verhindern, dass das Virus in die Schule getragen wird.“

Wann drohen weitere Lockdown-Maßnahmen?

Sollte es über sieben Tage hinweg im gesamten Landkreis Göttingen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geben, ist die Grenze erreicht. Derzeit, so Broistedt, liege der Wert bei 20,75. „Wir nehmen das sehr ernst und wollen den Lockdown auf jeden Fall verhindern“, sagte sie.

Was wird noch getan, um das Virus einzudämmen?

Christian Schmetz. Quelle: Swen Pförtner

Als zweite Maßnahme werden alle Bewohner der Wohnanlage Idunazentrum, bis zu 700 Personen, auf Corona getestet. „Nicht alle gelten als Verdachtsfälle“, aber man sei für die Sicherheit aller Bewohner verantwortlich, so Broistedt. Die 230 Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne und dürfen die Wohnung nicht verlassen. Für die Tests steht ein Testmobil am Gebäude zur Verfügung.

Was passiert, wenn gegen die Quarantäne verstoßen wird?

„Wir haben das Personal im Ordnungsdienst verdoppelt“, sagte Rechtsdezernent Christian Schmetz. Und: „Wir werden die Quarantäne überprüfen, auch mit unangemeldeten Hausbesuchen.“ Broistedt: „Die Quarantäne wird durchgesetzt.“ Es drohten Bußgelder. Auch Köhler sagte: „Die ausgesprochene Quarantäne wird mit allen zur Verfügung stehenden Kräften überprüft.“ Rechtsdezernent Schmetz erklärte, dass seit Beginn der Pandemie im März 500 Verfahren vorlagen, 440 wurden geprüft, 40 Prozent wurden mit einem Bußgeldbescheid geahndet.

Wo kommt das Virus her?

Broistedt sagte: „Der Patient, der jetzt stationär behandelt wird, ist der erste bekannte Erkrankte“, er sei quasi der Patient Nummer eins dieses Geschehens. Wie der weitere Verlauf der Infektion war, lasse sich aufgrund der geringen Kooperationsbereitschaft vieler der Kontakte nicht sagen. Daher habe man sich zu der ungewöhnlichen Maßnahme entschieden, alle Personen, auch die symptomfreien, zu testen. Für vier Personen steht der Test noch aus. „Auch Ergebnisse stehen noch aus, die Zahl der Infizierten wird noch steigen.“

Wie bewertet der Landrat die Lage? – „Shutdown“ möglich

Bereits am Sonntag meldete sich Landrat Bernhard Reuter (SPD) bei Facebook zu Wort. Er kritisierte den Leichtsinn einiger Mitbürger und kündigte ernste Konsequenzen an. Manche Menschen wollten nicht verstehen, dass Lockerung nicht gleichbedeutend sei mit der Duldung von Leichtsinn. Gegenüber dem Tageblatt konstatierte er: „Ich schließe den lokalen Shutdown nicht aus. Das ist eine Feststellung und Ausdruck meiner Verantwortung als Landrat. Mir geht es darum, auf die erhöhte Gefahrenlage aufmerksam zu machen und um den Appell an die Menschen, die Regeln einzuhalten." Es müsse darum gehen, die Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie zu sichern, die Grundlage für die Lockerungen der vergangenen Wochen seien, so Reuter.

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Von Britta Bielefeld