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Göttingen 2,4 Kilogramm Kunst zwischen Göttingen und Berlin verschwunden
Die Region Göttingen 2,4 Kilogramm Kunst zwischen Göttingen und Berlin verschwunden
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20:47 25.09.2019
Der Göttinger Künstler Alfred Pohl mit einem seiner Holzschnitte. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen/Berlin

Alfred Pohl (1928-2019) zählt zu den renommiertesten Künstlern Göttingens. Seine Holzschnitte sind international anerkannt. Im Februar dieses Jahres starb der Holzschneider. 

Von 1967 bis 1970 war er Lehrer am Colegio Alexander von Humboldt in der peruanischen Hauptstadt Lima. Von 1972 bis 1974 war er Mitglied der misión pedagógica im kolumbianischen Erziehungsministerium. Mit dem ehemaligen Botschafter des südamerikanischen Staates in Berlin hatte er sich angefreundet. Der habe sich jetzt für eine Ausstellung ihres Vaters in Peru eingesetzt, berichtet Dunkel. Mit Diplomatengepäck habe die Rolle mit den mehr als 15 Holzschnitten nach Peru transportiert werden sollen. Für den 15. Oktober ist die Eröffnung geplant. Ob das jetzt noch klappt, steht in den Sternen.

Fehler im Lager

Am 9. September habe sie die Rolle bei DHL in Göttingen aufgegeben, sagt Dunkel. Mehrere Tage dauert es, bis sie einen Nachforschungsauftrag starten kann. Es zeigt sich, dass das Paket wohl im Verteilzentrum Staufenberg verschwunden sein soll. Bei Telefonaten habe man ihr erklärt, dass es einen Fehler im Lager gegeben habe. Das liege an der Adresse, ein Scanner habe sie falsch gedeutet, so laut Dunkel die Aussage eines DHL-Mitarbeiters. Als großes Problem habe man in Staufenberg den Verlust nicht gesehen. Das Paket sei doch versichert.

Das stimmt, doch nur bis zu einer Höchstgrenze von 2500 Euro – weit unter dem Marktwert der Pohl-Grafiken. Diese Versicherung habe sie im DHL-Shop abschließen können, berichtet Dunkel. Eine höhere Abdeckung sei nur bei DHL direkt möglich, habe man ihr mitgeteilt, „ein Riesenaufwand“, meint die verärgerte DHL-Kundin.

Wenig kundenfreundlicher Rat

Dieses Prozedere bestätigt ein DHL-Sprecher eher schmalippig. Das sei wohl möglich, aber aus der Pressestelle in Hamburg nicht nachzuvollziehen. Unterschiedliche Filialen hätten eben unterschiedliche Leistungen im Angebot. Sei wenig kundenfreundlicher Rat: vorher informieren über das Angebot der Filiale.

Auch sonst zeigt sich der DHL-Sprecher eher genervt von der Nachfrage. Ein bis zwei Tage brauche die DHL durchschnittlich, um ein Paket zuzustellen. Über die Häufigkeit verschwundener Pakete könne er keine Auskunft geben. Immerhin transportiere die DHL fünf Millionen Sendungen täglich. Einen Nachforschungsauftrag könne ein Versender erst nach einigen Tagen stellen – nicht ohne eine „plausible Erklärung abzugeben über den Inhalt des Pakets“.

Abgefallener Adressaufkleber

Tatsächlich liefert auch ein Nachforschungsantrag nicht immer das gewünschte Ergebnis. Pakete könnten auch endgültig verschwinden, beispielsweise wenn ein Adressaufkleber abgefallen sei.

Nach 15 Tagen dann ein Lichtschein am Horizont. Die Sendungsverfolgung kündigt Dunkel an, dass ihr Paket auf den Wagen geladen worden sei und ausgeliefert werden sollte. Banges Warten ohne glückliches Ende. Bis zum Abend keine Zustellung. Eine vage Erklärung liefert laut Dunkel wiederum die Sendungsverfolgung. Das Paket habe nicht zugestellt werden können. Es mögliche Gründe werden Stau oder Krankheit angegeben. Am 16. Tag nach Aufgeben der Sendung dann das gleiche Spiel. Das Paket soll wieder auf den Wagen geladen worden sein. Tatsächlich kam das Paket dann im Laufe des Mittwochs bei der Botschaft in Berlin an.

Pohls Lebenswerk

Das Rheinische Landesmuseum hat 1600 Blätter in seine Bestände aufgenommen – Pohls Lebenswerk. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland verzeichnet der Lebenslauf des Künstlers. Ob nun eine weiter hinzukommt, die in Peru nämlich, ist weiterhin unklar. Die Zeit wird knapp.

Alfred Pohls Ausstellung in der Kunstsammlung er Göttinger Universität

Eine Ausstellung in der Galerie Art Supplement

Sie erreichen den Autor unter E-Mail: p.krueger-lenz@goettinger-tageblatt.de

Von Peter Krüger-Lenz

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