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Göttingen „Da kommt keiner raus - das ist sicher“
Die Region Göttingen „Da kommt keiner raus - das ist sicher“
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19:59 05.07.2011
Hohe Mauern und Stacheldraht: Die JVA Rosdorf gilt als eines der sichersten Gefängnisse in Deutschland.
Hohe Mauern und Stacheldraht: Die JVA Rosdorf gilt als eines der sichersten Gefängnisse in Deutschland. Quelle: Theodoro da Silva
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Rosdorf

Doch wie fühlen sich die Menschen vor Ort angesichts der Tatsache, dass voraussichtlich ab 2013 rund 50 Haftplätze für Hochrisiko-Verbrecher in dem Gefängnis entstehen werden, das nur einige 100 Meter vom Kernort entfernt liegt? Bürgermeister Harald Grahovac (SPD) sieht wenig Probleme, die Anstalt sei sicher, die Bürger würden Verständnis haben, sagte er (Tageblatt berichtete). Ist das tatsächlich so? Das Tageblatt hat sich in Rosdorf umgehört.

„Zunächst hat man natürlich schon das Gefühl, weniger sicher zu leben“, sagt Monika Kermer. „Aber das ist eben nur ein Gefühl, denn real ist es ja so, dass dieser Neubau nach sehr strengen Sicherheitsregeln gebaut wird. Also sollte davon eigentlich keine Gefahr ausgehen.“ Die 39-Jährige ist vor sieben Jahren mit ihrer Familie nach Rosdorf gezogen, weil sie die familiäre Atmosphäre schätzt. „Daran wird sich wohl auch nichts ändern“, hofft die mehrfache Mutter.

Jörg Hübner hingegen macht sich Sorgen: „Man weiß ja nicht, ob vielleicht doch einmal was schief geht“, sagt der 49-Jährige. Schließlich seien es vor allem Schwerverbrecher wie Mörder oder Vergewaltiger, die nach ihrer Haftstrafe in Sicherungsverwahrung genommen würden. „Die Kinder lasse ich jedenfalls nicht mehr so bedenkenlos alleine raus“, so der gebürtige Rosdorfer.

Eine weitere Rosdorferin, die ihren Namen nicht nennen möchte, sieht keine größeren Probleme auf den Ort und seine Bewohner zukommen. Die forensische Abteilung einer Fachklinik in der Region stelle doch schon lange die Gutachten für Hochsicherheitsverbrecher aus, die später in die Sicherungsverwahrung kämen, sagt die 63-Jährige. „Das heißt: Die Kriminellen sind sowieso schon hier. Und aus einem entsprechend sicheren Neubau kommen die nicht raus.“

Peter Haas fügt hinzu: „Eine konzentrierte Aufmerksamkeit an einem Ort finde ich sogar besser als die Streuung der Schwerkriminellen auf viele Einrichtungen, wie es heute der Fall ist.“ Der Göttinger ist sich sicher, dass ein Ausbruch durch eine entsprechend höhere Aufmerksamkeit viel unwahrscheinlicher werden könnte.

Auch Lars Schölzel sieht die aktuellen Entwicklungen eher entspannt. „Irgendwo müssen sie ja hin“, stellt er pragmatisch fest. „Solange der Neubau für die Sicherungsverwahrung den aktuellen Sicherheitsansprüchen genügt, geht von den Insassen wahrscheinlich auch keine Gefahr aus“, vermutet der 32-jährige Rosdorfer.

Christiane Jahn ist sogar davon überzeugt, dass ein Ausbruch aus einem Sicherheitstrakt in der JVA Rosdorf nahezu unmöglich ist. „Ich habe einen Rundgang durch das Gefängnis in Rosdorf mitgemacht, bevor es damals eröffnet wurde“, erzählt die 56-Jährige aus Obernjesa. „Da wurden so viele Schleusen abwechselnd auf – und zugeschlossen – da kommt keiner raus. Das ist sicher.“

Von Marina Engler