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Göttingen Unterm Dach der Göttinger Marienkirche
Die Region Göttingen Unterm Dach der Göttinger Marienkirche
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00:30 09.03.2018
Besucher der Führung unter dem Dach der Marienkirche.
Besucher der Führung unter dem Dach der Marienkirche. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

„Ich weise darauf hin, dass sie auf eigene Gefahr gehen“, sagt Lattke. „Wir gehen hintereinander hoch, denn die Treppen sind eng. Wir machen Halt am mechanischen Uhrwerk. Die Marienkirche hat die älteste Glocke in Göttingen, sie ist von 1359 und die können sie auch sehen“. Unter dem Dach der Kirche finden die Besucher auf dem gemauerten Gewölbe Plattformen aus Holz, die miteinander verbunden sind.

Wie eine steinerne Blüte

Von ihnen aus sehen sie von oben, was sie sonst aus dem Inneren der Kirche nur von unten sehen. Das Dachgewölbe des Gebäudeteils, in dem der Altar steht, sehe von oben aus, wie eine steinerne Blüte, meint ein Besucher. „Ich bekomme hier oben ein ganz anderes Gefühl dafür, wie riesig dieses Gebäude ist. Das ist spektakulär“.

Das Kirchendach wird von Lampen ausgeleuchtet, die an den Balken befestigt wurden. „Man hat den Eindruck als würde das Licht der Sonne hier hereinkommen“, sagt jemand aus dem Publikum. „Die Balken sind noch aus dem Jahr 1468“ erklärt Lattke. Bei der Renovierung habe man sie genau so verzapft und miteinander verbunden, wie es die Handwerker damals taten.

Eine Besonderheit der Kirche, die von 1290 bis 1330 erbaut wurde, sei, dass nicht alle Dachbalken über dem Gemäuer verliefen. Man sehe, dass das Dach nicht einfach auf das Gewölbe draufgesetzt wurde, sagt Lattke. Die Gewölbe seien nachträglich zwischen die Dachbalken gemauert worden, die im Stein verschwinden. Bis heute wisse niemand, warum das Dach so konstruiert wurde. Klar sei: Die Kirche war auch ein Prestigeobjekt und je größer das Dach war umso mehr Ansehen galt dem Deutschen Orden. Er habe das Geld zum Ausbau der Kirche gegeben „um vor der Stadt Göttingen glanzvoll da zu stehen“, erklärt Lattke.

Hirtenbrunnen markiert das Ende der Stadt

„Das war Kinderarbeit“, sagt die Kirchenpädagogin in Bezug auf das Gänseliesel als dem Wahrzeichen Göttingens, wenn sie über die Geschichte Göttingens erzählt. „Als die Stadtmauer im Jahr 1290 fertig war, umschloss sie das Areal von Weender Tor bis zur Nikolaikirche und vom Albanitor bis zum Groner Tor. Es gab Herden von Schafen und Schweinen, Ziegen und Kühen, die regelmäßig nach draußen vor die Mauer getrieben wurden“. Das letzte Andenken daran, dass dort die Stadt zu Ende war und es da nur noch die Hirten gab, die aufpassten, sei der Hirtenbrunnen am Wall.

Der Turm der Kirche, die am Rand der historischen Innenstadt liegt, gehörte früher zur Stadtmauer. Dem Gottesdienst sahen die Ritter von der Empore aus zu. Sie wollten den Bürgern der Neustadt, die gerade entstand, nicht zu nahe kommen. „Wegen der vielen Krankheiten, die es gab“, erläutert die Diakonin. „Das waren arme Menschen, Witwen und Waisen. Es war ein Feuchtgebiet hier, das war nicht attraktiv, und die Stadtbegrenzung war der Kanal“.

Von Julian Habermann

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