Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Dampflok macht Halt in Göttingen
Die Region Göttingen Dampflok macht Halt in Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 27.11.2011
Den ersten Schlauch hat Lotse Tobias Boldt ausgerollt: Neben Kohle braucht eine Dampflok auch viele Kubikmeter Wasser. Quelle: MIC
Anzeige
Göttingen

Die vierköpfige Lokbesatzung im Führerstand ließ die Waggons im Bahnhof zurück und heizte zischend und qualmend zum Gartetalbahnhof. Mit ohrenbetäubendem Quietschen kam die Lok dort zum Stehen. Der Kohlehändler wartete bereits mit vier Tonnen Steinkohle. In riesigen, weißen Säcken abgepackt wurde der Energieträger mit einem Kran über den Tender gehoben. Was daneben fiel, schippten Lokführer Manfred Riesel und Heizer Tobias Geißenhöner auch noch hinein. Die nachgeladene Menge entsprach dem Verbrauch während der Fahrt. Insgesamt passen in den Tender acht Tonnen Kohle.

Dann rollte die Besatzung Feuerwehrschläuche aus, denn eine Dampflok benötigt nicht nur Kohle, sondern auch Wasser. Mehr als 15 Kubikmeter nahm sie auf. Mit der Kohle wird das Wasser erhitzt. Der Dampf treibt die Stange an, die die Räder in Bewegung setzt. „Es ist schon Wahnsinn, was die Menschen vor 70 Jahren zustande gebracht haben“, meint Sebastian Franz staunend. Der ausgebildete Lokführer, der aus Suhl stammt und heute in der Nähe von Basel wohnt, fuhr als zweiter Heizer mit.

Anzeige

Zusammen mit Geißenhöner, der als Schlosser im Dampflokwerk Meiningen arbeitet, schaufelte er während der Fahrt mehrere Tonnen Kohle in die so genannte Feuerbüchse. Eine harte, schmutzige Arbeit ist das. Kohlrabenschwarz werden die beiden dabei. Damit es nicht so staubt, wird Wasser über die Kohle gekippt. Das Befeuern der Lok geschieht nach Plan. Bergauf braucht die Lok mehr Energie als bergab. Da es eine Weile dauert, bis die Kohle brennt, muss bereits einige Zeit vor der Steigung kräftig geschaufelt werden. Der Lokführer muss die Strecke also genau kennen. Deshalb hatte der Veranstalter der Fahrt, der Meininger Dampflokverein, noch den Lotsen Tobias Boldt engagiert. Der Lokführer aus Hamburg kennt die Strecken bis hinunter nach Frankfurt genau. Boldt weiß, wo die Signale und Stellwerke sind. Er kennt die verschiedenen Funkkanäle. Nur Demonstranten kann er nicht in Voraus orten.

Von Michael Caspar